Abgrund Liebe


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Alt 28.09.2005, 14:39   #1 (permalink)
Abgrund Liebe

Schon als sie die Tür geöffnet hatte und nicht nur all die leeren Flaschen auf den Tisch sah, sondern ihr auch noch dieser abscheuliche Duft entgegen kam, wusste sie, dass er mal wieder total betrunken war. So ging es nun seit Jahren. Die Hoffnung, dass der Teil seine Charakters, in welchen sie sich damals verliebt hatte, noch nicht völlig im Rausch des Alkohols untergegangen war, brachte sie sogar dazu, sich von ihrem Ehegatten wie den aller letzten Dreck behandeln zu lassen. Sie wollte nicht aufgeben. Immer wieder kämpfte sie um seine Liebe, allerdings musste sie andauernd die deprimierende Feststellung machen, dass sie nicht berauschend genug war, um ihn vom Alkohol abzubringen.
Warum er damals zur Flasche gegriffen hatte, verstand sie sehr gut, aber unbegreiflich blieb ihr noch bis heute, warum er es seit jenem Tag immer wieder tat. Der Alkohol vermochte es nicht die Tatsachen zu ändern, egal wie viel man davon zu sich nahm. Das hatte sie selbst mal in ihrer Verzweiflung ausprobiert.... Wo drin lag also der Trost, welcher ihm der Alkohol mehr bot, als sie es tat?
Entnervt warf sie ihre Tasche und ihren Mantel über einen der Küchenstühle, ehe sie rüber ins Wohnzimmer ging um die Verwüstung, welche er mit größter Wahrscheinlichkeit angerichtet hatte, zu erfassen. Wie gewohnt lag er auf der Couch mit einer Flasche Wodka in der Hand und sah einfach nur erbärmlich aus. In solchen Augenblicken wusste sie nicht ob sie vor Einsamkeit vergehen sollte oder doch darüber glücklich sein, dass sie gemeinsam keine Kinder haben, denen sie jeden Tag aufs neueste erklären müsste, wieso sich ihr Vater so verhielt und wieso sie noch für etwas weiterhin kämpfte, was so wieso vollkommen aussichtslos war.
Die vielen Entziehungskuren und Therapien hatten nicht angeschlagen, sonder sorgten lediglich dafür, dass sein Zorn noch mehr geschürt wurde, so dass er des öfteren auch mal richtig aggressiv und sogar handgreiflich wurde.
Bevor es soweit kam, dass er lieber völlig besoffen irgendwo rumlag und im Selbstmitleid zerfloss, hatte er nie eine Hand gegen sie erhoben, allerdings hatte sich das sehr rasch geändert, so wie eigentlich alles an ihm.
Wenn er es mal schaffte nüchtern zu bleiben, und das war in letzter Zeit so gut wie nie der Fall, konnte er ihren Anblick nicht ertragen, weshalb er sich durchgehend mit ihr stritt, um ein Motiv zu haben von ihr weg zu kommen. Bis lang hatte sie sich nie die Frage gestellt gehabt, warum er eigentlich nicht schon längst die Scheidung eingereicht hatte. Vielleicht liegt ihm doch noch was an uns, log sie sich fortwährend vor, um bloß nicht schwach zu werden und nachgeben zu müssen.
Als sie ihm die Flasche aus der Hand nahm und er sie nicht wie üblich erschrocken anschrie oder nach ihr schlug, da dachte sie sich noch nichts bei. Anscheinend schlief er schon, da er allerdings schon einige Male mit einer schweren Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert worden war, beschlich sie mal wieder eine grausige Vorahnung, weshalb sie eine Weile auf seine Atmung achtet und nach seinem Puls suchte. Tränen schossen ihr in Sekundenbruchteile in die Augen, als sie feststellen musste, dass beides nicht vorhanden war. Du Idiot, war ihr erster Gedanke, wie auch bei den anderen Male, als sie erfahren hatte wie es um ihn stand. Ihr eigener Puls schoss in die Höhe und ihr Herz raste wie verrückt. Mit zitternden Hände wählte sie so schnell wie es ihr möglich war den Notruf. Jede Minute die verstrich und der Krankenwagen noch nicht eingetroffen war, kam ihr wie eine Ewigkeit vor. Die Zeit wollte nicht verstreichen, aber seine schien schon gekommen zu sein....
Trotz der Panik die von ihr Besitz ergriffen hatte, leistete sie Hilfeleistung, soweit es in ihrer Macht lag. Doch nichts rührte sich. Es war ihr nicht möglich zu begreifen, dass er tatsächlich fort war und nie wieder zu ihr zurückkehren würde. Kreidebleich stolperte sie rückwärts, als die Sanitäter eingetroffen waren. Wie lange sie um ihn gekämpft haben, kann sie nicht sagen. Für sie spielten sich diese Sequenzen in einer solchen Schnelligkeit ab, als würde sie mit 220 Sachen über eine Autobahn rasen. Allerdings war es nicht einmal ihnen vergönnt dieses Leben noch zu retten, so dass nun ein grosses Loch in ihrem Inneren klaffte...

written by W.Nicoara


Off-Topic:
so, das ist eine weitere kleine kurzgeschichte aus meiner Feder, sie entstand eigentlich unter Zwang, doch wollte ich sie einfach mal der Kritik freigeben
Thaddée ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.09.2005, 14:59   #2 (permalink)
AW: Abgrund Liebe

süsse, schreibst nochd einennamend runter? weisst ja, urheberrecht und so...

wieso ist die geschichte unter zwang entstanden?

so, zur stimmung erst mal... wirkt wie eine berg- und talfahrt.. durch diese lügen und dann doch der hoffnungslosen einsicht... das wechselt sich hier schön ab...

man kann sich gut reinversetzen... als wäre man selbst deine protagonistin... man leidet mit ihr durch deine gesamte geschichte, fühlt, was sie fühlt... das ist dir schön gelungen... ich sehe jedenfalls alles bildlich vor mir, all ihre handlungen und selbst verborgene erinnerungen, die lieber nie gedacht und geschehen wären... und dennoch, obwohl sie so mies behandelt worden war, diese verständnislosigkeit über den tod... dieser trostlose schmerz... ab dem anruf läuft alles wie in zeitlupe ab...

ist dir wirklich sehr schön gelungen... da wäre es ja schon fast interessant, wenn du ne fortsetzung schreiben würdest und zwar darüber, wie sie sich nach dem verlust durchs leben schlägt...

kommen wir mal wieder zur bewertung... auch hier kann ich dir eigentlich nur wieder 5 sternchen anbieten... das werde ich auch tun... die geschichte ist dir wirklich sehr gut gelungen, auch wenns unter zwang geschah... aber wir wissen ja beide, dass du eine tolle schreiberin bist...
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Ich glaube eher an die Unschuld einer Hure, als an die Gerechtigkeit der deutschen Justiz!

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Schattentaenzerin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.09.2005, 19:58   #3 (permalink)
AW: Abgrund Liebe

Danke dir Tänzerin für deine Antwort und den Lob.

na ja also wir sollten eine geschichte schreiben über unsere Erfahrungen mit dem Tod. (für unser theaterprojekt. bin ja auch dort beschäftigt )
doch ich habe keine erfahrungen mit dem Tod, ausser dem Tod meiner Selbst, doch das konnte ich unmöglich verfassen und ihnen zum Fras vorwerfen, Sodass ich dinge aus dem Leben meiner Ma und meiner ältesten Schwester nahm und es einfach sowohl geistig als auch emotional neu erlebte um es aufschreiben zu können.

Eine Fortsetzung wird schwierig, aber nicht unmöglich. Hängt eben alles von meiner Stimmung ab *mit den Schultern zuck*
Thaddée ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.09.2005, 20:04   #4 (permalink)
AW: Abgrund Liebe

ah die theatergruppe... stimmt, da war doch was... wieso habt ihr das denn schreiben sollen? deine würde sich ja eigentlich auch umsetzen lassen...ich seh das schon direkt vor mir... oh ich hör lieber auf mit meinem größenwahn...

mh, erfahrungen deiner ma und deiner ältesten schwester... dafür, dass es erfahrungen anderer sind, die du für dich neu erlebt hast, hast du sie aber sehr gut umgesetzt... man steckt nicht drin, das sagte mir kürzlich jemand... und dafür ists echt gut geworden...

alles hängt vond er stimmung ab... das ist ja das schlimme daran...
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Schattentaenzerin ist offline   Mit Zitat antworten

Alt 28.09.2005, 20:05   #5 (permalink)
Lordprotector
AW: Abgrund Liebe

Also ich fang mal unkonventionell an.
Auf keinen fall eine Fortsetzung. würde eher vorschlagen dsa ganze auszubauen. dein stil ist hervorragend. mir gefällt der fluß und es entstehen auch bilder vor meinem auge, aber und das is mein knackpunkt, ist sie einfach zu kurz für mich um mich damit richtig zu identifizieren. du hast so eine tollen stil bei dieser geschichte an den tag gelegt und wenn du sie ausbaust, dann ist es eine wunderbares werk. ansonsten seh ich keinen kritikpunkt. sprache und wortwahl gefallen mir gut und sind passend zum thema gewählt. mach weiter so.
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