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Annette von Droste-Hülshoff - Carpe DiemGedichte und Geschichten Unser Forum für bekannte Gedichte und Geschichten. Bitte unbedingt die Ankündigung(en) beachten! |
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Annette von Droste-Hülshoff - Carpe Diem
Annette von Droste-Hülshoff
Carpe Diem! Pflücke die Stunde, wär sie noch so blaß, Ein falbes Moos, vom Dunst des Moores naß Ein farblos Blümchen flatternd auf der Heide, Ach einst von Allem träumt die Seele süß Von Allem was, ihr eigen, sie verließ Und mancher Seufzer gilt entflohnem Leide. In Alles senkt sie Blutes Tropfen ein Legt Perlen aus dem heilig tiefsten Schrein, Bewußtlos, selbst in grauverhängte Stunden Steigt oft ein unklar Sehnen dir empor Du schaust vielleicht wie durch Gewölkes Flor, Nach Tagen, längst vergessen doch empfunden, Wer, der an seine Kinderzeit gedenkt Als die Vokabeln ihn in Noth versenkt Wer möchte nicht ein Kind seyn und sich grauen, Ja der Gefangne, der die Wand beschrieb Fühlt er nach Jahren Glückes nicht den Trieb Die alten Sprüche einmal noch zu schauen? Wohl giebt es Stunden die so ganz verhaßt Daß dem Gedächtniß eine Centnerlast, Wir ihren Schatten abzuwälzen sorgen, Doch selten schickt sie uns des Himmels Zorn Und meistens ist darin ein giftger Dorn Der Moderwurm geheimer Schuld verborgen. Drum wer noch eines Blickes nach Oben werth Der nehme was an Liebem ihm bescheert, Die stolze wie die Stund im schlichten Kleide Der schlürfe jeden stillen Tropfen Thau Und spiegelt drin sich nicht des Aethers Blau So lispelt drüber wohl die fromme Weide. Freu dich an deines Säuglings Lächeln freu Dich an des Jauchzens ungewissem Schrey Mit dem er streckt die lebensfrohen Glieder Wär zehnmal stolzer auch was dich durchweht Wenn er vor dir dareinst, ein Jüngling, steht Dein lächelnd Kindlein giebt er dir nicht wieder. Freu dich des Freundes eh zum Greis er reift Erfahrung ihm die kühne Stirn gestreift Von seiner Scheitel Grabesblumen wehen, Freu dich des Greises, schau ihm lange nach In Kurzem gäbst vielleicht du manchen Tag Um einmal noch das graue Haupt zu sehen O wer nur ernst und fest die Stunde greift Den Kranz ihr auch von bleicher Locke streift Dem kann sie nicht entgehn, die reichste Beute Doch wir, wir Thoren drängen sie zurück Vor uns die Hoffnung – hinter uns das Glück Und unsre Morgen morden unsre Heute.
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Gruss faulwurf |
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