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Das Geständnis des Günter Grass


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Alt 15.08.2006, 01:25   #1 (permalink)
 
Das Geständnis des Günter Grass

Am 11. August, noch vor Erscheinen seiner Autobiografie, hat Günter Grass, Autor und Nobelpreisträger, überraschend gestanden, er sei als Jugendlicher (im Alter von 17 Jahren genauer gesagt) Mitglied der Waffen-SS gewesen.

>Mehr dazu hier!

Inzwischen sind einige Reaktionen zu Grass' Beichte eingetroffen, darunter viele negative Echos. So sagt beispielsweise Herr Wolfgang Börnsen (CDU), Grass solle alle ihm zugekommenen Ehrungen zurückgeben, auch den Literaturnobelpreis, den er 1999 für sein Lebenswerk erhielt. Die Akademie selbst schweigt dazu noch (siehe hier).

Historiker Joachim Fest empfindet den Zeitpunkt als viel zu spät, Schriftsteller Klaus Theweleit behauptet, Grass wolle bloß Aufmerksamkeit erzwingen, die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland Charlotte Knobloch hält das Geständnis für eine PR-Aktion, um Grass Autobiographie zu vermarkten und polnische Politiker fordern die Aberkennung der danziger Ehrenbürgerschaft.

Wie seht ihr das, kommt Günter Grass' Geständnis zu spät, ist es nur ein Marketingschachzug, sollten ihm Ehrungen aberkannt werden oder ist das alles Blödsinn?
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Alt 15.08.2006, 11:36   #2 (permalink)
 
AW: Das Geständnis des Günter Grass

Blödsinn, einfach keine Beachtung schenken. Wen interessiert das denn wirklich ob Herr X aus Y vor 70 Jahren in der SS war? Jeder der sich dazu äussert möchte doch nur daraus profitieren (Publicity)

Just my two cents
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Alt 15.08.2006, 14:15   #3 (permalink)
 
AW: Das Geständnis des Günter Grass

ja, nehmt dem kerl seinen nobelpreis weg. der war vor sechzig jahren in der ss. als ich das gehört habe, hab ich mir gerade mal alle seine bücher nochmal durchgelesen und jetzt finde ich, er schreibt doch nicht so gut...
*grimm*
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Alt 15.08.2006, 14:28   #4 (permalink)
 
AW: Das Geständnis des Günter Grass

Na ja, ich weiß nicht so recht was ich davon halten soll. Einerseits ändert es ja _jetzt_ nichts mehr an seinen Werken…andererseits steht er als Person für mich jetzt schon in einem völlig anderen, und nicht unbedingt rühmlichen, Licht.

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist mit sicherster Sicherheit bewusst, aus Marketinggründen, gewählt. Alleine das macht die ganze Angelegenheit noch schmutziger!

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Alt 15.08.2006, 15:31   #5 (permalink)
 
AW: Das Geständnis des Günter Grass

Zitat:
Zitat von overdose
Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist mit sicherster Sicherheit bewusst, aus Marketinggründen, gewählt. Alleine das macht die ganze Angelegenheit noch schmutziger!
Grass selbst sagt dazu, er habe diese Bürde lange mit sich herumgeschleppt und erst jetzt gebeichtet, weil er erst jetzt zu einer passenden literarischen Form gefunden hat, um über diese Zeit zu berichten. Fakt ist ja, dass er in seiner Autobiografie, die bald erscheint, zum allerersten mal über seine Zeit bei der SS berichtet. Möglicherweise wollte er nur im Vorfeld schon darüber sprechen, um keinen Skandal zu provozieren, wenn das Buch dann im Laden steht. Naja, den Skandal hat er jetzt trotzdem.

Ich kann mir auch nicht erklären, warum er sich erst nach über 60 Jahren zu seiner Vergangenheit bekennt. Gerade von jemandem wie Günter Grass sollte man eigentlich Ehrlichkeit erwarten. Ich blicke jetzt auch ein stückweit negativer auf ihn, dennoch hat er in meinen Augen sämtliche ihm zugekommenen Ehrungen verdient.
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Alt 15.08.2006, 18:11   #6 (permalink)
aKe
 
AW: Das Geständnis des Günter Grass

naja, nicht alle wollen unbedingt ihre vergangenheit rausschreien, gerade weil sie sich vielleicht so extrem für sie schämen? find ich is der sinnvollste standpunkt.
mir sowas von latte ob der nun ein ss heini war oder net, sollte das etwa was an seiner glaubwürdigkeit ändern? lächerlich ...
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Alt 15.08.2006, 18:15   #7 (permalink)
 
AW: Das Geständnis des Günter Grass

Wollt ich heute auch einen Beitrag dazu erstellen.
Ich hab ihn mal in's Literaturforum verschoben.

Also, meiner Meinung nach ist das was Grass getan hat verzeihlich, ich meine, er war jung und verblendet. (wer weiß wie es uns damals gegangen wäre)
Das was mich stört ist, ds er erst jetzt damit rausrückt.
Mit einem früheren Geständniss hätte er einige Preise und Ehrungen nie erhalten.

Fakt ist, das seine Figur als moralische Bastion, als der Zeigefinger der Literaten, deutlich zu wackeln angefangen hat.
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Alt 16.08.2006, 08:01   #8 (permalink)
 
AW: Das Geständnis des Günter Grass

Der Spiegel schreibt heute folgendes:
Zitat:
SPIEGEL ONLINE: Günter Grass hat Ihnen und anderen Schriftstellern vor mehr als 20 Jahren in einer kleinen Runde von seiner SS-Zeit erzählt. Erinnern Sie sich noch, wie er damals über seine Vergangenheit gesprochen hat?

Schindel: Er hat erzählt, dass er zur Waffen-SS rekrutiert wurde. Er hatte sich damals zuvor freiwillig zur U-Boot-Truppe gemeldet, dort haben sie ihn nicht genommen. Aber weil es schon seine freiwillige Meldung gab, haben sie diese Meldung genommen, um ihn zur Waffen-SS zu rekrutieren - das war damals offensichtlich Usus. Das hat er erzählt.

SPIEGEL ONLINE: Wirkte es für Sie damals wie ein Geständnis?

Schindel: Nein, warum? Das war vollkommen normal. Wir haben eine Viertelstunde oder eine halbe Stunde darüber gesprochen, er hat auch ein bisschen von seiner Verwundung erzählt, dann sind wir zu anderen Themen übergegangen - das hat niemanden von uns erstaunt. Ich wusste schon damals, und die anderen Schriftstellerkollegen wohl auch, dass die Leute im letzten Kriegsjahr massiv zur Waffen-SS rekrutiert wurden. Mein Stiefvater etwa sollte damals in Dachau rekrutiert werden, im Januar 1945 wurden Häftlinge zusammengerufen und konnten sich zur Waffen-SS melden. Auch Grass wurde rekrutiert, aber ich habe da niemals irgendeine Sympathie bei ihm für die SS gesehen. Er wurde eben rekrutiert, Schluss, aus, basta.
[...]
Zitat:
SPIEGEL ONLINE: Der Zentralrat der Juden in Deutschland wirft Grass vor, sein Geständnis als PR-Maßnahme für sein neues Buch zu nutzen.

Schindel: Wenn ich das so offen sagen darf: Der Zentralrat ist in den letzten 20 Jahren nicht durch besondere Intelligenz aufgefallen. Der Vorwurf gegen Grass ist eine böswillige Unterstellung. Wenn man so etwas nicht beweisen kann, darf man es nicht sagen.
[...]
Zitat:
SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie das nächste Mal Grass treffen - was werden Sie ihm sagen?

Schindel: Respekt.
Quelle / Weiterlesen: http://www.spiegel.de/kultur/gesells...431855,00.html

Full ack, Hr. Schindler
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Alt 22.08.2006, 00:01   #9 (permalink)
 
AW: Das Geständnis des Günter Grass

ich denke das das 60 jahre her ist und da solte man auf sowas nicht mehr besonders viel geben.auserdem war er da ja noch ein halbes kind und
zu der zeit haben sich viele kinder dazu entschlossen sich noch zu melden.
aber der grass ist nicht doof,den durch den rummel werden einige mehr seiner bücher verkauft.er weis auch,das die deutschen schnell vergessen und beim nestne buch schon nicht mehr dran denken.
er hat geschrieben,das ihn das sehr belastet hat,aber warum kommt er grade damit raus,als er seine biografie schreib.
für mich ist das reinste werbung.und wie man an dieser runde hier sieht,klappt es auch.
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Alt 22.08.2006, 00:20   #10 (permalink)
 
AW: Das Geständnis des Günter Grass

Off-Topic:
Zitat:
Zitat von feldmann
für mich ist das reinste werbung.und wie man an dieser runde hier sieht,klappt es auch.
hmm....richtig....weil ja jeder hier schrieb "na aber jetzt kauf ich mir sein buch und les das alles nach" oder wat? glaub mir muchacho....von einer diskussion über sein buch ist noch kein autor reich geworden. wenn du meinst (also WENN, denn dann hast du falsch formuliert...) dass ers geschafft sich ins gespräch zu bringen...tja...dann bist du mit deinem post auch dran beteiligt...
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Alt 22.08.2006, 01:01   #11 (permalink)
 
AW: Das Geständnis des Günter Grass

Ich hab mir mal eins meiner tausend schlauen Bücher zum Thema "Captain wühlt in der deutschen Geschichte" rausgenomen und was sehr interessantes gesehen!

Viele Leute, die Waffen-SS hören, denken ja an das damals propagandierte NS-Wochenschau-Bild der stürmenden Elite...
da waren seine Jungs aber weit von entfernt!
Als er noch nicht dabei war, hatte man seine Gruppe hier in der Eifel stationiert, also Westfront! Die Jungs wurden (oder waren) so aufgerieben, dass man sie als Reserve (!) etwas weiter südlich schickte.
Irgendwann ging es erst nach Osten, wo der Herr Grass zu denen kam. Auch hier haben sie brav die Köpfe unten gehalten und waren Reserve!

Aus meiner schönredenden Sicht hat der Mann also "nur" zur falschen Zeit das falsche Wappen getragen, "mehr nicht"!
Ob man da jetzt wirklich schlafende Hunde wegen wecken muss? Aus meiner Sicht könnte Grass nämlich auch mit der Geschichte rausrücken, die ich oben angedeutet habe. Das würde zumindest den Ruf, den man einem mit der Mitgliedschaft der Waffen-SS anheften kann, wieder wesentlich relativieren. Scheint er, aus verschiedenen (verkaufstaktischen ???) Gründen nicht drauf zu beharren.

(Sollte ich übrigens was Falsches bezüglich seiner Einheit gesagt haben, dann tut es mir Leid! Ich les das heut nachmittag nochmal ausführlich nach!)
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Alt 22.08.2006, 01:03   #12 (permalink)
 
AW: Das Geständnis des Günter Grass

So unsymphatisch mir der gute Herr auch ist - aber ich denke er wäre einer der letzten, die es nötig hätten, sich derart zu verkaufen.
Dementsprechend glaube ich nicht, dass es sich dabei um einen PR-Gag handelt. Und nur aus dem Wissen heraus, das er dabei war, will ich seine SS-Geschichte nicht beurteilen.

@CS
So wie ich das dieser Tage vernommen habe, gesteht Grass aber schon ein, zu der Zeit voll und ganz hinter dem Regime gestanden zu haben.
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