Die Einzelgänger-Theorie


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Alt 27.12.2007, 02:00   #1 (permalink)
Die Einzelgänger-Theorie

Ich möchte eine Anschlussdiskussion bezgl. einer Promille-Debatte starten:

Das konferierte Thema war: „Was war zuerst da? Der Einzelgang oder der Einzelgänger?“
Deutsch: separierte sich das Kind (Verhalten, Hobby, etc.), und wurde dann deswegen "ausgestoßen". Oder mied man es schon vorher und das Kind reagierte nur auf diese Situation (durch Verhalten, Hobby, etc.).

Geschöntes Bsp.: Ein zu ruhiges Kind bekommt typische Erfahrungen zu seiner Zeit nicht mit und schlägt einfach einen völlig anderen Weg ein. In der Natur lernen Tiere z.B. in diesem Alter durch Spiel für spätere Revierkämpfe. "zu ruhig" meint: meidet Kontakt zu Gleichaltrigen, spielt lieber Instrument / meidet Vereinsleben durch Lügen "ich kann nicht zum Fußball, mein Bein tut weh" / hat in der Schule nur Bücher als Freunde. Ohne die Erfahrungen wird man sich später aber nur schwerlich in ein normales vereinslebenähnliches Muster (wie Uni) integrieren können und kaum partizipieren. Wirklich alle gehen was trinken, nur "der Streber" lernt weiter - so mein ich das.
Aber das ist die Zukunft, zurück zum kleinen Kind: bereits mit 10 ist es lieber in der Natur - alleine.
Je mehr sich nun das ruhige Kind im Wald aufhält, desto intensiver wird es sein späteres Leben darauf ausrichten, Hobbys und Zeit an den Wald anzupassen. Z.B. wird es mit Kamera und Tarnnetz bewaffnet suhlende Wildschweine im Frühnebel aufnehmen.
Aber jetzt haben wir schon ein Wechselspiel. Es weicht anderen Kindern aus und andere Kinder meiden darum dieses Kind. "Der? Der is doch voll komisch!". Es wird nirgendwo eingeladen und wird immer mehr isoliert. Aber da sind wir eigentlich schon einen Schritt zu weit.

Das normale Mittelmaß kann salopp gesagt wochentags die Füße stillhalten und kippt einfach den Schalter um, wegen dem es am Samstag mit ADS-Erscheinungen die Disko stürmt.

In meiner drastischen Darstellung hört man aber nur monoton Mutters „Junge, jetzt such dir doch mal ´nen netten Freund!“. Jeden Tag ist Einzelgang angesagt. Da scheint kein Schalter zu sein. Und auch der 30jährige Single in seiner Wohnung ohne Kontakte zu Frauen oder Freunden hat diesen Schalter nicht mehr in sein Leben einbauen können.
Daher ist eine "ausgewogene" (schlagt mich ruhig für diese schwammige Wortwahl) Entwicklung des Kindes doch aus Elternsicht in diesem Stadium zu erzwingen, wollen sie gegenlenken. Ich will mir aber hier die Beantwortung der Frage "Wer bestimmt, was für die spätere Entwicklung gut ist?" nicht anmaßen. Bislang haben wir als Grenze jedenfalls nur das Jugendamt... das aber nur negativ auffällige Kinder beobachtet. Den verstörten Sohn ohne Freunde überlässt man den Eltern, obwohl hier auch viel falsch läuft. Man weiss halt von nichts. Das Thema wäre einen eigenen Thread wert!

Jetzt kommt erstmal meine Frage: Ist die Entscheidung, sich zu separieren oder eben doch auf allen Hochzeiten zu tanzen, eine bereits so früh selbstgefasste Überzeugung? Geht man so jung bewusst einen Weg, den man später ohne MTV-made nie wieder verlassen wird?
Kann das Naturell des Kindes schon so früh den elterlichen Versuchen zur Separation/Integration trotzen? Meiner Meinung nach erhalten sie ja aus dem familiären Umfeld den meisten Einfluss. Bewusst und unbewusst. Aber es verhält sehr selten so, dass Charakter der Eltern und der Kinder zwingend übereinstimmen. Und sehr aktive Eltern haben völlig gleichverteilt Kinder, die da mitziehen (oder gezogen werden können) und Kinder, die nicht zu motivieren sind und durch ihr Desintresse an der Gesellschaft den bemühten Eltern Kummer bereiten.
Entscheidet also doch das Kind?

03:41, ich bin gespannt, sagt was!
__________________
Nazis raus! Antifa sofort hinterher!
Captain-Subtext ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 27.12.2007, 14:04   #2 (permalink)
AW: Die Einzelgänger-Theorie

Das erinnert fast an die Frage:
Was war zuerst da? Huhn oder Ei?
Bzw. Was ist am Wichtigsten?

Die Frage ob die Vererbung oder die Sozialisation die größere
Rolle für den Charakter und das Verhalten spielt , hält die
Wissenschaft (Epigenetik) ganz schön auf Trab.

Wer will da die Grenze ziehen? Das Verhalten eines Einzelgängers begründet
sich neben frühkindlichen Traumen , evtl.Wahrnehmungsstörungen oder
auch nur einer abweichenden Interessensbildung sicher auch auf einer
grundsätzlichen genetischen Grundausstattung. Und diese beeinflusst eben
wiederum auch die Wahnehmung in der Sozialisation.

Kurzum: Ich weiss es nicht! (Sonst wohl auch keiner so wirklich)
Dennoch bleibt das eine sehr interessante Frage!!!

Fraya ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.12.2007, 15:52   #3 (permalink)
AW: Die Einzelgänger-Theorie

Mir fehlt gerade etwas die Zeit um ausführlich zu antworten, aber das Thema ist interessant genug, dass ich zumindest mal eine Meinung abgeben möchte.

Um deine Frage zu beantworten: Ja und Nein.

Ja, Gene (um das mal ins Spiel zu bringen) und unsere Umwelt während der ersten 10 Jahre prägen uns maßgeblich. Jemand der praktisch zum schüchternen Kind erzogen wird, ist tendenziell auch im späteren Leben eher schüchtern.
Allerdings auch nein, denn man ist ja nicht auf diese Vorprägung festgelegt sondern kann seinen Charakter jederzeit ändern. Wenn jemand sagt er habe keine Freunde weil er zu schüchtern ist auf andere Menschen zuzugehen, dann ist das eine Ausrede, kein Grund. Wenn man es wirklich anders WILL, dann kann man sich selbst überwinden.

Das gleiche gilt für fast alle Bereiche des Lebens: Die Gene und ersten Jahre geben eine Vorprägung aber letztendlich ist doch jeder für sich selbst verantwortlich.
Cold Blood ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.12.2007, 09:24   #4 (permalink)
AW: Die Einzelgänger-Theorie

Also unsere Interessen sind in dem Maße vorbestimmt als das unsere körperlichen Voraussetzugnen uns Interessenswelten verschliessen oder eröffnen.
Ich bin jedoch ein Verfechter der Prägung durch die Erziehung, das Umfeld und Ereignisse in der Biografie.

Einzelgänger werden meiner Meinung nach nicht gebohren.
Und ich glaube das selbst der Wildschweinfotograf sich gern in ne Gruppe integriert, solange sie ihn nicht von vorneherein ausstoßen und vielleicht sogar gleiche Hobbies haben wie eben dieser.
Das Bedürfnis nach Integration und Gemeinschaft ist eines der Grundbedürfnisse des Menschen.

Meine Meinung ist, man sollte niemanden von vorneherein verurteilen, nur weil er anders ist. (Ich weiß, leichter gesagt als getan)
Einzelgänger sind oftmals auch nur deshalb Einzelgänger, weil sie nicht in die vorherrschende Gesellschaft passen, in eine randeren Gesellschaft jedoch würden sie aufblühen.

(Da Empfehle ich mal das Buch von Morton Rhue: "The Wave")
__________________
Der Himmel ist deshalb so grau, weil alles Blaue schon heruntergelogen wurde.
richieguitar ist offline   Mit Zitat antworten

Alt 28.12.2007, 10:15   #5 (permalink)
AW: Die Einzelgänger-Theorie

Sind wir nicht (ab einer gewissen Grundentwicklung) grundsätzlich
nur Spiegel unser Umwelt? Und wenn diese Spiegel halt leer sind,
wirds enorm schwer Gesichter reinzuzuabern. Ich denke Grund-
sätzlich sucht sich kein Mensch das Alleinesein aus. Und wenn, dann
aufgrund vergangener Geschehnissen.

Obwohl ich es gut nachvollziehen kann, warum man keinen Bock auf Menschen als solches hat. Manche Exemplare machens einem auch nicht leicht.
overdose ist gerade online   Mit Zitat antworten
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