Different, but still the same


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Alt 26.01.2006, 11:48   #1 (permalink)
Different, but still the same

Off-Topic:
Dies ist ein Versuch wieder mit dem Schreiben anzufangen. Habe vor einigen Jahren mal mehrere Kurzgeschichten geschrieben und bin nun wieder dabei meine Muse zu finden. Leider fehlt bisher noch das Feedback, was auch erklärt, warum es nur ein Kapitel gibt. Ich will die Story sehr gerne weiterschreiben, brauche aber irgendwie Meinungen... naja, ihr wisst schon^^

//edit: Es handelt sich um die noch nicht überarbeitete Version, sprich Tippfehler und diverses, was übersehen wurde.



Kapitel 1 - Flucht vor der Zukunft

Das Sonnenlicht spiegelte sich im Fluss und erzeugte ein Spiel wie aus tausend zerbrochenen Scherben. Eine leise Brise wehte durch den Wald und erntete weitere Blätter von den Bäumen. Der Herbst kam.
Sima saß unter der großen Trauerweide, ihrem Lieblingsbaum, und beobachtete das Farbenspiel der Natur. Sie war vor den Festlichkeiten geflüchtet, die schon seit Tagen hergerichtet wurden. Bald würde ihre Hochzeit mit Plaron stattfinden. Bei den Gedanken zog sich ihr der Magen zusammen.
Sie sah sich ihre Finger an, die schlanken Glieder und die hellbraune Haut, die einen Hauch grün beeinhaltete. Wieder beneidete sie die, die hier oben lebten, die Menschen. Diese Kreaturen mit der roséfarbenen Haut, dunkle Haare, in Ausnahmefällen blond. Nicht wie ihres, weis wie der Schnee im tiefsten Winter. Aber nicht nur das Aussehen der Menschen war besser – sie wurden nicht einfach verheiratet. Zumindest glaubte Sima dies. Warum sollte man die Menschen auch verheiraten? Ihre Rasse war anmutender, beeindruckender und viel kluger als die Omagons. Sie war in einer primitiven Kultur aufgewachsen, in Höhlen unter der Erde, aus Schutz vor allen anderen Lebewesen. Bis Sima ein ausgewachsener Omagon war durfte sie die unterirdischen Gänge niemals verlassen. So oft waren ältere Familienmitglieder und Freunde von großen Abendteuern heimgekehrt und hatten stolz von ihren Erlebnissen berichtet. Sie hatte dann immer dagesessen und gespannt zugehört. Die Geschichten von seltsamen Tieren, fremden Landgebieten und versteckten Schätzen hatten sie zutiefst fasziniert. Doch nichts war spannender als die Erzählungen von Menschen. Seitdem Sima sich ihrer Selbst bewusst war wollte sie ein Mensch sein.
Bei den Omagons waren die Menschen verhasst, man sah sie als böse und hinterlistig an. Schon seit Jahrhunderten vermied man den Kontakt zwischen den zwei Spezies.
Sima sah in den Himmel und gestand sich ein, dass sie besser wieder zurückgehen sollte. Wenn sie zu lange weg blieb würde ihr Vater wieder halb Omagonien nach ihr schicken. Sie seufzte und richtete sich auf. Es würde das letzte Mal für Tage sein, dass sie die Sonne sah. Mit gemischten Gefühlen machte sie sich auf den Weg nach hause.

„Da ist sie!“ Sima hörte schon den erfreuten Ausruf ihrer Mutter, als sie den großen unterirdischen Bau betrat. Sie klopfte sich den Dreck von der Haut und sah sich einen Moment stumm und erstaunt um. Die fleißigen Helfer ihres Vaters hatten das Erdloch in einen prachtvollen Festsaal verwandelt. Kerzen erhellten jede Ecke, kein einziger Schatten war zu sehen. Es war ein ungewohnter Anblick, der auch irgendwie nicht nach Omagonien passte. In der Stadt der Erdbewohner war alles immer dunkel und schmutzig. Es war ausserhalb der Wohnhöhlen kalt und feucht und Wasser gab es nur selten. Doch dieser riesige Raum erschien in einem ganz neuen Glanze und Sima musste sich, wenn auch heimlich, eingestehen, dass es ihr gefiel. Trotzdem änderte das nichts an der Tatsache, dass sie Plaron eigentlich gar nicht heiraten wollte. Sie ließ ihre Gedanken ein paar Jahre zurückreisen und seufzte.

Plaron war als junger Omagon schon ein Rüpel. Er liebte es die Mädchen zu necken und mit einem Stock durch die Gänge der Stadt zu rennen, um alle vor bösen, nichtvorhandenen, Dämonen zu beschützen. Sima wusste, dass er es nicht böse meinte, aber trotzdem konnte und wollte sie sich nicht mit ihm anfreunden. Sie ist lieber ihrer Fantasie nachgegangen und hat sich Geschichten ausgedacht, die nie einer zu hören bekam. Schon als kleines Mädchen versank sie in ihrer eigenen Traumwelt und malte sich aus, wie sie irgendwann Omagonien verließ und mit einem Menschen in die Welt hinausging. Immer an der Oberfläche, die Sonne auf der Haut spüren – das war es, was sie sich mehr wünschte, als alles andere. Und dabei wusste sie zu dieser Zeit nicht einmal, wie es „dort oben“ aussah und wie die Sonne sich anfühlte. Trotzdem war sie sich sicher, irgendwann würde sie dem grauen und dunklem Leben entkommen.

„Mädchen, wo hast du dich nur wieder herumgetrieben?“ die tadelnden Worte ihrer Mutter Gudun rissen Sima aus den Gedanken. Sie stand etwa eine Armlänge vor ihr entfernt und musterte sie eindringlich. „Du warst wieder dort oben, nicht wahr?“ Sie sprach die Worte derart abwertend aus, dass Sima ihr am liebsten über den Mund gefahren wäre. Zum Glück betrat ihr Vater gerade den Saal und zog somit alle Aufmerksamkeit auf sich.
„Da ist meine bezaubernde Tochter ja!“ rief Dondrol aus und ignorierte alle anderen Anwesenden. Eines gab es, was Sima immer am Herzen gelegen hatte: Die Liebe ihres Vaters.
Und trotzdem zwang er sie dazu ihr weiteres Leben mit Plaron zu verbringen.
Wie oft hatte sie versucht ihm deutlich zu machen, dass nicht der kleinste Funken Zuneigung, geschweige denn Liebe mit im Spiel war? Sicher, Plaron vergötterte Sima, aber sie kannte auch den einzigen Grund. Sie war mit Abstand das hübscheste Geschöpf in ganz Omagonien und dazu noch die Tochter des Königs. Natürlich würde er mit ihr an seiner Seite viel besser aussehen.
„Ihr werdet ein Traumpaar abgeben.“ Sagte Dondrol und zog seine Tochter in die Arme.
„Vater…“ begann Sima, brachte es aber dann doch nicht übers Herz etwas gegen die Hochzeit zu sagen, als sie die Freude in den Augen ihres Vaters erblickte. Sie befreite sich sanft aus seiner Umarmung und murmelte etwas, wie „Ich habe hunger.“ Und verließ den Festsaal.
Draußen auf den Gängen wurde ihr zum ersten Mal bewusst, wie knapp die Zeit wurde. Am nächsten Tag sollte die Hochzeit stattfinden und danach gab es für sie kein Entkommen. In diesem Moment trat ihr vermeintlicher Bräutigam neben sie, den sie gar nicht hatte kommen gesehen.
„Guten Tag, schöne Frau.“ Grüßte er übertrieben freundlich. Das war eine Sache, die sie an ihm nicht mochte, neben den unzähligen anderen Dingen, die ihr nun durch den Kopf schwirrten, als sie ihn ansah und nach ihrer Zunge suchte, die sie in diesem Moment verschluckt hatte.
„Ich sehe, du bist von mir vollends fasziniert.“ Gab Plaron selbstsicher von sich, als Sima noch immer nichts sagte und ihn weiter anstarrte. Es dauerte gut einige Sekunden, bis sie sich gefangen hatte und fähig war zu antworten. „Ja Plaron, mein wertvollster Schatz aller nicht gewollten Schätze.“ Sie klopfte ihm auf die Schulter und wartete auf seine Reaktion. Er lächelte selbstverliebt und bestätigend. Sie wusste, dass er ihre Worte nicht verstehen würde. Noch ein Charakterzug von ihm, den sie noch nie hatte hinnehmen können, er war dämlich. Er mochte der größte Krieger des Reiches sein, der stärkste Kämpfer im Namen von Omagonien und vielleicht auch der attraktivste aller Höhlenbewohner, doch er war ein Trottel.
Und diesen Trottel sollte sie morgen heiraten.
„Plaron, ich muss los. Schließlich habe ich ja noch viel vorzubereiten für den morgigen Tag.“ Sie zwinkerte ihm zu und erkannte sofort einen erregten Ausdruck in seinen Augen. Mit einem gespielten Lächeln drehte sie sich um und machte sich auf den Weg durch die dunklen Gänge zur Wohnhöhle ihrer Familie.

Sie sah sich in ihrer Schlafhöhle um. Ihre Mutter hatte das Hochzeitskleid fertig und nun hang es provozierend an der Wand. „Dich, werde ich morgen bestimmt nicht anziehen.“ Sagte Sima und wusste in dem Augenblick noch nicht einmal genau, was sie damit andeuten wollte. Doch kaum hatte sie die Worte ausgesprochen kreisten tausend Gedanken in ihrem Kopf. Sie sah sich selbst, in diesem Kleid, neben ihr ihren Vater, der sie an Plaron übergab, welcher sie dann küsste. Sie sah sich selbst, wie sie aus dem Saal rannte, wie sie im Sonnenschein floh und nach einem Versteck suchte. All diese Bilder flogen ihr in wenigen Sekunden durch den Kopf und dann wusste sie, was sie tun musste.

Die Nacht in Omagonien kündigte sich durch einen lauten Glockenschlag an. Wenn es auf der Oberfläche dunkel wurde, wurde es auch dort unten Nacht. Die Nacht bedeutete jedoch nichts anderes, als dass alle Frauen und Kinder in ihre Wohnhöhlen gingen, aßen, sich noch ein par Geschichten erzählten und dann schliefen. Die Männer hingegen gingen an die Oberfläche und jagten und sammelten Nahrung.
Sima hatte sich oft nachts weggeschlichen und immer wieder aufs Neue die Gegend erforscht. Es war keine Schwierigkeit für sie, sich vor den anderen versteckt zu halten, die sich nachts oben herumtrieben. Und auch in dieser Nacht hatte sie vor nach oben zu gehen.
Sie packte einige Kleidungsstücke in einen Stoffbeutel, dazu einige Früchte, die sich heimlich organisiert hatte und zu guter letzt einen Anhänger, in Form eines Eies, aus purem Gold und mit seltsamen Zeichen, das sie als kleines Mädchen von ihrer Urgroßmutter bekommen hatte, bevor diese starb.
Sie sah sich noch einmal um und ihr Blick haftete ungewollt auf dem Kleid, das sie zur Trauung tragen sollte. Dieser stumme Moment festigte ihren Entschluss nur noch mehr. Auf leisen Sohlen schlich sie sich durch die Wohnhöhle, vorbei an ihrer schlafenden Mutter und hinaus auf die Gänge, die jetzt wirkten, als gehörten sie zu einer Geisterstadt.
Ihr fröstelte und sie hätte fast laut geflucht, weil sie alles eingepackt und nichts zur Vorsicht übergezogen hatte. Trotz der Kälte, die ihre Haut herauf kroch eilte sie den Gang entlang und sah sich dabei immer wieder um, ob auch niemand ihre Flucht bemerkte.
Am Höhlenausgang angekommen musste sie sichergehen, dass Dondrol keine Wachen aufgestellt hatte und die Männer nicht schon vom Jagen zurückkamen.
Sie hatte Glück und konnte ungesehen in eine Böschung schleichen. Dort harrte sie aus, bis sie sicher sein konnte, dass kein Omagon mehr auf der Oberfläche war. Keiner mehr außer ihr.
Als auch der letzte verschwunden war trat sie aus ihrem Versteck und überlegte einen Moment in welche Richtung sie gehen sollte. Ein Ziel hatte sie nicht wirklich, aber die Distanz zu Plaron sollte sich möglichst vergrößern.

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dynastia ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.01.2006, 14:30   #2 (permalink)
AW: Different, but still the same

Grundsätzlich hast du ja eine ganz alte Geschichte ausgebudelt. Superhübsche Tochter eines Königs soll verheiratet werden, will aber nicht.

Aber ich finde du hast es schön verpackt. Es lässt sich gut lesen und die Omagon-Sache gefällt mir, obwohl es mich ein bissel an Shrek erinnert. Weiß auch nicht wieso.

Du solltest vielleicht noch an 1 oder 2 Formulierungen arbeiten und aufpassen, dass dich nicht zu viele Floskeln benutzt. Das hört sich immer so "langweilig" an...

Aber ich bin gespannt, wie es weiter geht. Vielleicht ein paar unerwartete Wendungen?! So dass es manchmal aus dem Märchen-Style ausbricht?
Ninchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.01.2006, 14:56   #3 (permalink)
AW: Different, but still the same

Wow, meine erste Kritik Danke!

Ja, ich weiß es ist ein altes Schema, aber es ist ja auch der erste Versuch "ohne vorgegebenen Hintergrund".
Überarbeitet wird die Story auf jeden Fall noch, vielleicht erst wenn sie fertig ist, vielleicht auch vorher zwischendurch mal.
Und die unerwarteten Wendungen kommen noch Ideen habe ich ja^^
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dynastia ist offline   Mit Zitat antworten

Alt 09.02.2006, 15:11   #4 (permalink)
AW: Different, but still the same

Hier nun das zweite Kapitel, leider etwas kürzer ausgefallen, als erwartet und der Titel gefällt mir auch nicht so wirklich (für Vorschläge bin ich offen )

Kapitel 2 – Leben ohne Sinn

Peer konnte nicht schlafen und so ging noch einmal in den Stall um nach dem Rechten zu sehen. Die Schafe schliefen und auch von den Hühnern kam kein Laut. Diese Stille beruhigte und ängstige ihn zugleich. In ihrer Welt war alles in Ordnung. Er setzte sich auf einen Heuballen und dachte über den vergangen Tag nach.
Wieder hatte Paula, seine Stiefmutter mit allem Mitteln versucht ihm das Leben zur Hölle zu machen, wie jeden Tag. Wie jeden gottverfluchten Tag seit dem Tod seines Vaters.
Manchmal wünschte sich Peer er hätte seinen Vater an dem Tag vor mehr als 9 Jahren begleitet.
Edward, von allen liebevoll Ed genannt, war zum Fischen an den großen See gefahren. Zuversichtlich auf einen guten Fang hatte er sich mit Tjordas, einem guten Freund aus dem Dorf, auf den Weg gemacht. Peer war daheim geblieben und hatte sich um die Pferde gekümmert, die sie damals noch hatten. Er erinnerte sich noch, als wäre es erst gestern, wie das Unwetter über dem Dorf einbrach. In großer Sorge um Tjordas und seinen Vater hatte er immer wieder überlegt selbst zum See zu gehen, um zu sehen, ob es beiden gut ging. Wäre er nur gegangen. Am Abend kam die traurige Nachricht.
Der Tod von Edward schockierte das ganze Dorf und selbst aus dem Königlichen Hause kam eine Beileidsmeldung. Peer war am Boden zerstört und hatte nicht nur einmal den Gedanken, seinem Vater in den Tod zu folgen.
Doch es gab noch den Hof. Und Paula. Jemand musste sich um alles kümmern. Das ganze Dorf hatte Ed geliebt, er hatte keine Feinde und alle sahen in Peer seinen verstorbenen Vater. Es war es dem Dorf, sich selbst und vor allem seinem Vater schuldig, dessen Werk weiterzuführen.
Einige Jahre bemerkte keiner, wie die Anzahl der Tiere langsam abnahmen, als Peer das letzte Pferd verkaufte, erzählte er, dass es krank war und gestorben sei. Niemand sollte mitbekommen, was wirklich geschah. Dass Paula hinter all dem steckte, würde ohnehin keiner glauben.
Ed hatte Paula geheiratet, als Peer drei Jahre alt war. Seine Mutter war bei seiner Geburt gestorben und er hatte sie somit nie kennengelernt. Sein Vater hatte ihm oft erzählt, wie wundervoll sie gewesen war, aber er wollte nicht, dass sein Sohn ohne Mutter aufwachse und somit hatte Paula ihren Platz eingenommen.
Zu Lebzeiten seines Vaters fiel Peer öfter auf, wie hinterlistig Paula war, zu ihm selbst hatte sie nie richtig Bezug genommen, er war nicht ihr eigener Sohn und somit hatte sie ihn nie geliebt. Im Gegenteil, seit Edwards Dahinscheiden hatte sie ihr wahres Gesicht und somit ihren ganzen Hass gegenüber Peer gezeigt und machte es ihm Tag für Tag deutlich.
„Du bist ein Nichts, genauso wie dein Vater.“ Hatte am Abend vor dem Zubettgehen gesagt. Es war noch eines der nettesten Dinge, die Peer von ihr in den letzten neun Jahren gehört hatte.
Wie er so auf dem Heu saß und seinen Gedanken nachging kam ihm wieder, zum unzähligsten Male, der Gedanke seinen Stolz zu ignorieren und endlich wegzugehen, weit weg, weg von all der Heuchelei, weg von den anderen Dorfbewohnern, die nicht verstanden, dass er er selbst und nicht sein Vater war, weg von Paula. Er war nun einundzwanzig, im heiratsfähigen Alter, konnte unabhängig sein eigenes Leben führen, doch das schlechte Gewissen, dass er Edwards Erwartungen nicht erfüllen würde plagte ihn. Er konnte seine Stiefmutter nicht wegschicken, auch einem unerfindlichen Grund hatte sein Vater sie geliebt. Er hatte ihr alles gegeben, was sie wollte, ihr jeden Wunsch von den Augen abgelesen, ohne, dass sie ihn aussprechen musste – und er hatte geglaubt, dass sie ihn auch liebte. Der arme Edward war gestorben während er sich selbst belog. Diese Vorstellung schmerzte Peer fast noch mehr als das Leben, das er jetzt führte.

Er hatte nicht bemerkt, wie er einschlief.
„Du nichtsnutziger Bengel!“ Paula schrie und schlug mit einem Besen auf ihn ein. „Du bist zu nichts zu gebrauchen, ein Stück Dreck, genauso wie dein Alter!“ sie war ausser sich und hechelte nach Luft, während wie weiter den Besen in der Luft wirbelte und dieser immer wieder auf Peers Rücken aufkam. Peer war völlig benommen, als er registrierte, was gerade geschah, blitzschnell erhob er sich und versuchte vor der wildgewordenden Furie in Sicherheit zu gelangen.
„Paula! Hör auf!“ rief er und flüchtete aus ihrer Reichweite. „Mutter“ nannte er sie nur, wenn andere dabei waren. „
Paula wirbelte noch immer durch den Stall, bis Peer eine Möglichkeit fand ihr geschickt den Besen aus der Hand zu reißen.
„Es reicht jetzt. Du bist nicht ganz klar bei Verstand.“ Sagte er und sah sie bemitleidend an.
„Ich bin sehr wohl bei Verstand! Noch mehr als je zuvor. Du liegst hier und schläfst friedlich, während ich auf mein Frühstück warte, das Hausgeputzt werden muss und wir nachher die Haldans erwarten. Oh, wäre deine Mutter nur nie gewesen! Diese Hure!“
„Was ist mit meiner Mutter?“ Peer war gelähmt vor Erstaunen. Es war das erste Mal, dass Paula etwas über seine Mutter gesagt hatte.
„Wäre sie nicht gewesen gäbe es dich jetzt nicht! Ich hätte deinen Vater sofort geheiratet und du wärst nie geboren. Ohne sie wäre dein Vater auch noch am Leben, wenn…“ sie verschluckte die letzten Worte, als Peer ihr eine schallende Ohrfeige versetzte.
Beide sahen sie sich geschockt an, Peer darüber, dass er sie geschlagen hatte, wozu er nie dachte, dass er imstande gewesen wäre und Paula, weil ihr deutlich wurde, dass sie einen Moment die Kontrolle über ihren Stiefsohn verloren hatte.
„Raus!“ sie brach das Schweigen mit diesem Wort.
„Raus aus meinem Haus, runter von meinem Hof! Ich will dich hier nie wieder sehen!“
Ohne zu zögern lief Peer ins Haus um seine Habseeligkeiten zusammen zu klauben. Ohne zu zögern und ohne sich bewusst zu sein, was er überhaupt tat.
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