Nach langer langer (viel zu langer, langer) Zeit wurde mir in einer materiell gewordenen Vision, in Form eines kleinen Silberlings, wieder klar gemacht was mich in meiner Teenzeit dazu gebracht hat Baggyhosen zu tragen!
Fettes Brot, das Trio aus Hamburg war in seiner Karriere schon für viele Überraschungen gut. Und grade jetzt in der doch leicht agressiv, infantilen Zeit des Deutschen Sprechgesanges bleiben die Nordlichter ihrem Stil treu, und dennoch stagnieren sie keines Falls! Das hört man an der neuen Platte auf
Am Wasser gebaut mit dem ersten Ton. Bereits der Opener, das gewohnt selbstbewusst vorgetragene "Wie immer", zeigt exemplarisch, dass Doktor Renz, König Boris und Schiffmeister noch immer jede Menge unverbrauchter Ideen mit sich herumtragen. Auch nach zwölften Jahren im Geschäft lassen die drei Herren nicht das geringste anbrennen und verwöhnen uns mit einer erfreulich unkonventionellen Mixtur aus zupackenden HipHop-Beats, jeder Menge verführerischer Grooves und Melodien, deren Haltbarkeitsdatum nicht schon am ende des Songs abgelaufen ist. Sicher, man ist älter geworden und präsentiert sich nicht mehr ganz so nassforsch wie noch vor wenigen Jahren, doch der Spaß, den Fettes Brot diesmal mit ein wenig mehr Ernsthaftigkeit verbreiten, ist bei jedem Song noch immer extrem groß. Fettes Brot halten sich in Tracks wie "Lauterbach" oder "Kuba" jedenfalls nicht im geringsten zurück und bringen einen wahrlich das ein oder andere mal laut zum Lachen. Herrlichste Selbstironie! Absoluter Höhepunkt des Albums ist aber der Song "An Tagen wie diesen", mit dem sich die Jungs einmal mehr selbst übertroffen haben. Hier werden eben keine billigen Witze auf kosten anderer gemacht, sonder auf eindrucksvolle Weise das Gefühl der eigenen Ohmacht gegenüber einer auf den Fugen geratenden Welt thematisiert.
Eine weitere Kirsche auf dem Sahnebrot ist für mich persönlich
„Die meisten meiner Feinde“, wo in genial ironischer Art und Weise mit einigen Dissen aus Berliner Richtung abgerechnet wird! Der einzige Track den ich geskipped habe war "Emmanula"...erinnert mich irgendwie an "Liebeslied" damals von den Beginnern, wo auch ein Label sagte "Wir brauchen EINEN Song für die Heavy Rotation"...

10 von 10 !!!
