![]() |
|
Hugo von Hofmannsthal - Terzinen I - IVGedichte und Geschichten Unser Forum für bekannte Gedichte und Geschichten. Bitte unbedingt die Ankündigung(en) beachten! |
|
|
![]() |
|
|
Themen-Optionen |
|
|
#1 (permalink) |
|
Hugo von Hofmannsthal - Terzinen I - IV
Hugo von Hofmannsthal
Terzinen I, II, III und IV I Über Vergänglichkeit Noch spür ich ihren Atem auf den Wangen: Wie kann das sein, dass diese nahen Tage Fort sind, für immer fort, und ganz vergangen? Dies ist ein Ding, das keiner voll aussinnt, Und viel zu grauenvoll, als dass man klage: Dass alles gleitet und vorüberrinnt. Und dass mein eignes Ich, durch nichts gehemmt, Herüberglitt aus einem kleinen Kind Mir wie ein Hund unheimlich stumm und fremd. Dann: dass ich auch vor hundert Jahren war Und meine Ahnen, die im Totenhemd, Mit mir verwandt sind wie mein eignes Haar, So eins mit mir als wie mein eignes Haar. II Die Stunden, wo wir auf das helle Blauen Des Meeres starren und den Tod verstehn, So leicht und feierlich und ohne Grauen, Wie kleine Mädchen, die sehr blass aussehn, Mit großen Augen, und die immer frieren, An einem Abend stumm vor sich hinsehn Und wissen, dass das Leben jetzt aus ihren Schlaftrunknen Gliedern still hinüberfließt In Bäum und Gras, und sich matt lächelnd zieren Wie eine Heilige, die ihr Blut vergießt. III Wir sind aus solchem Zeug, wie das zu träumen, Und Träume schlagen so die Augen auf Wie kleine Kinder unter Kirschenbäumen, Aus deren Krone den blassgoldnen Lauf Der Vollmond anhebt durch die große Nacht. ...Nicht anders tauchen unsre Träume auf, Sind da und leben wie ein Kind, das lacht, Nicht minder groß im Auf- und Niederschweben Als Vollmond, aus Baumkronen aufgewacht. Das Innerste ist offen ihrem Weben; Wie Geisterhände in versperrtem Raum Sind sie in uns und haben immer Leben. Und drei sind eins: ein Mensch, ein Ding, ein Traum. IV Zuweilen kommen nie geliebte Frauen Im Traum als kleine Mädchen uns entgegen Und sind unsäglich rührend anzuschauen, Als wären sie mit uns auf fernen Wegen Einmal an einem Abend lang gegangen, Indes die Wipfel ahnend sich bewegen Und Duft herunterfällt und Nacht und Bangen, Und längs des Weges, unsres Wegs, des dunkeln, Abendschein die stummen Weiler prangen Und, Spiegel unsrer Sehnsucht, traumhaft funkeln, Und allen leisen Worten, allem Schweben Der Abendluft und erstem Sternefunkeln Die Seelen schwesterlich und tief erbeben Und traurig sind voll Triumphgepränge Vor tiefer Ahnung, die das große Leben Begreift und seine Herrlichkeit und Strenge.
__________________
Gruss faulwurf |
|
|
|
|
|
|
|
|
#2 (permalink) |
|
Bitte schreibe Deine Meinung zu diesem Gedicht
Du kannst dieses Gedicht (diesen Beitrag) auch bewerten, indem Du auf antworten klickst -> einen Kommentar schreibst, und unten bei Dieses Thema bewerten, Deine persönliche Bewertung auswählst! Vielen Dank ![]()
__________________
Gruss faulwurf |
|
|
|
|
![]() |
| Themen-Optionen | |
|
|
Ähnliche Themen
|
||||
| Thema | Autor | Forum | Antworten | Letzter Beitrag |
| Hugo von Hofmannsthal - Dein Antlitz | Schattentaenzerin | Gedichte und Geschichten | 0 | 15.03.2004 13:25 |
| Hugo von Hofmannsthal - Weltgeheimnis | Schattentaenzerin | Gedichte und Geschichten | 0 | 02.05.2003 18:39 |
| Hugo von Hofmannsthal - Im Grünen zu singen | faulwurf | Gedichte und Geschichten | 1 | 16.02.2003 19:49 |
| Hugo von Hofmannsthal - Weltgeheimnis | faulwurf | Gedichte und Geschichten | 1 | 15.02.2003 14:25 |
| Hugo von Hofmannsthal - Was ist die Welt? | faulwurf | Gedichte und Geschichten | 1 | 15.02.2003 14:24 |