Irritation durch Medien nach den Wahlen


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Alt 26.02.2008, 22:06   #1 (permalink)
Irritation durch Medien nach den Wahlen

Nach der Hamburg-Wahl muß ich mich immer wieder wundern wie die Medien eine schwarz-grüne Koaliton herbei zu propagieren versuchen.
Und dies nicht nur weil ich selbst Hamburger bin.
Einerseits werfen die Medien (und diverse Politiker) Frau Ypsilanti Wortbruch vor, was die passive Zusammenarbeit (oder Tollerierung) mit der Linken betrifft, und dies evtl. nicht mal zu unrecht. Andererseits scheinen einige Medien die erste schwarz-grüne Koalition auf Länderebene geradezu herbeizusehnen. Dabei gilt in Hessen etwas "anrüchiges" zu verhindern und in Hamburg im Gegenzug etwas "unzumutbares" zu vereinen.
Hierbei scheint es medial egal zu sein, daß die große Koalition auf Bundesebene, durch SPD und Ypsilanti in Hessen gefährdet würde, aber in Hamburg durch eine schwarz-grüne Koalition nicht einmal einen Kratzer an Schwarz-Rot zu hinterlassen scheint.
Begründungen konnte man schon zuhauf am vergangenen Wahl-Sonntag von den Kandidaten der scheinbar einzigen demokratischen Parteien hören, die da heißen: CDU, FDP, SPD und GAL/Bündnis90 (die Grünen).
Ob die Basis der Grünen sich in Hamburg derart verbiegen will und von ihren Zielen, und somit von ihrem Wahlprogramm, verabschiedet, oder ob Ole seiner CDU soviel von ihrem Programm abringen kann, bleibt abzuwarten.
Ich kann´s mir nicht vorstellen.
Rein von der Wahlprogramm-Problematik betrachtet scheinen mir die SPD, Grünen und die Linke mehr Schnittmengen zu haben.
Aber da man sich ja nicht traut mit den Linken, wird aus einer rot-rot-grünen Bürgerschaft in Hamburg wohl nichts.
Wohl daher, daß diese Konstellation wohl wieder der großen Koalition auf Bundesebene schaden könnte. Jedenfalls klingt es so, wenn ich die Beiträge aus so manchen Medien der letzten Tage revue passieren lasse.
Frau Merkel darf laut einiger Medien sogar über ein schwarz-grünes Model nachdenken und sich zum Vorbild nehmen, wenn dies in Hamburg zu einer "Erfolgsstory" propagiert würde.
Der Springer-Verlag hat schon früher Herrn von Beust attestiert und "Wahlkampf" betrieben. Siehe hier
Das jetzt aber auch die öffentlich Rechtlichen sich an dieser Kampagne beteiligen, riecht nach Meinungsmache im großen Stil.

Das traurigste an der ganzen Sache ist die wachsende Prozentzahl der Partei der Nichtwähler. Die wird es wenig interessieren wer mit wem kann oder eben nicht. Meinungsmachende Medien durchschauen sie scheinbar genauso wie Wahlversprechen.
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»Einschlafen, fühl ich, will das Ding, die Seele,
Und näher kommt die rätselhafte Nacht!«
von Theodor Storm(1817-1888) aus "Ein Sterbender"
Ummon ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.02.2008, 23:48   #2 (permalink)
AW: Irritation durch Medien nach den Wahlen

Kann es sein, dass du etwas überempfindlich bist?

(1) Ypsilanti hatte ganz klar gesagt, dass sie nicht mit Stimmen der Linkspartei gewählt werden möchte, wenn sie eine Koalition von Anfang an öffentlich als möglich bezeichnet hätte, hätten sie wohl deutlich weniger gewählt. Insofern ist da Kritik alias Wortbuch schon angebracht, es sei denn sie nutze die Stimmen der Linken um sich wählen zu lassen und dann Neuwahlen anzusetzen.

(2) Hamburg: Es ist faktisch nur eine große Koalition oder eine Schwarz-Grüne Koalition möglich und natürlich sind die Medien diesbezüglich elektrisiert, da es die erste solche Koalition auf Länderebene wäre und natürlich auch eine Signalwirkung auf den Bund haben würde. Insobesondere da nach Sonntagsfrage nach wie vor keine der herkömmlichen Koalitionen im Bund eine Mehrheit hat. Und da die FDP (die in Hamburg keine Rolle spielt) wohl keine Basis mit der SPD finden wird (erst recht nicht unter dem fast PDS'ler Beck) hängt es letztendlich auch auf Bundesebene von den Grünen ab ob es weiter eine große Koalition oder Schwarz/Gelb/Grün geben wird. Und das ist das spannende für die Medien das eine Koalition von Schwarz-Grün, was früher undenkbar schien jetzt plötzlich möglich ist.

Da Meinungsmache zu sehen, finde ich übertrieben.
Cold Blood ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 27.02.2008, 08:10   #3 (permalink)
AW: Irritation durch Medien nach den Wahlen

Ich muss Ummon auch zustimmen.
Die Medien zeichnen hier ein Bild, welches einfach so nicht korrekt ist.

Frau Ypsilanti will immernoch eine Koaltion zwischen der FDP und den Grünen. Hat aber auch gesagt sie würde sich mit Hilfe der Linken wählen lassen, würde aber nie mit ihnen gemeinsame Sache machen. Es war nie von einer Zusammenarbeit, gar von einer Koalition mit den Linken die Rede.

In Hamburg ist die Sache so, dass die die Parteien CDU- FDP und SPD- Grüne jeweils in dieser Kombination Wahlkampf gemacht haben. Noch kurz vor den Wahlergebnissen hieß es, das es so, und nur so geht.

Der Verlierer der ganzen Sache ist die FDP, in Hamburg (wieder) nich dabei und in Hessen, aufgrund der starken Blockadehaltung und Vorgaben der Bundes-FDP wohl nicht an der Regierung beteiligt.
Wenn Westerwelle nicht so stur wäre und auf Krampf an der Zitze der CDU hängen würde, dann hätten er und seine Partei schon lange ne akzeptable Rolle in der Politik zu spielen.

Der Gewinner der letzten Wahlkämpfe ist eindeutig die Linke.
Sie haben die Kabinetslandschaft verändert. Mehrheitsregierungen sind nun nur schwer möglich, ohne das die Parteien sich teilweise extrem verbiegen müssen.
Wenn die Linke das Ergebnis halten kann, müssen die Linke über kurz oder lang (und mit einem gemäßigteren Profil) an der Regierungsbildung beteiligt werden, bzw. ernsthaft angesprochen werden.
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Der Himmel ist deshalb so grau, weil alles Blaue schon heruntergelogen wurde.
richieguitar ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 28.02.2008, 20:23   #4 (permalink)
AW: Irritation durch Medien nach den Wahlen

Zitat:
Zitat von Cold Blood Beitrag anzeigen
Kann es sein, dass du etwas überempfindlich bist?
Überempfindlich...
Ich versuche nur die Eindrücke die mir Politiker und Medien vermitteln auszudrücken. Ich kann nichts für meine subjektive Sichtweise.
Ich glaube aber nicht als einziger diese Beobachtung gemacht zu haben.

Zitat:
...Insofern ist da Kritik alias Wortbuch schon angebracht, es sei denn sie nutze die Stimmen der Linken um sich wählen zu lassen und dann Neuwahlen anzusetzen...
Kritik ist angesichts ihrer Blockadehaltung vor der Wahl wohl angebracht.
Was aber wenn, sie wie schon andere Politiker vor ihr, auf diese Kritik pfeifft und sich dennoch für ein rot-rot-grünes Bündnis entscheidet?
Hessen´s CDU (trotz hohen Verlusten dennoch knapper "Wahlsieger") meldet sich jetzt aus ihrer Starre zurück und versucht wie Ole in Hamburg auf den schwarz-grünen Zug aufzuspringen. Wieso erst jetzt diese Töne?
Kann es sein das hier ein Zusammenhang zwischen dem Hamburger-Ergebnis und der schwarz-grün Kampagne aus Tageszeitung und Fernsehen besteht?
Beschädigt dies etwa nicht die Zusammenarbeit der großen Koalition?
Wird Frau Ypsilanti für etwas angeprangert und Herr von Beust darf koalieren, ungestraft von den Medien, mit wem ihm beliebt?


Zitat:
(2) Hamburg: Es ist faktisch nur eine große Koalition oder eine Schwarz-Grüne Koalition möglich und natürlich sind die Medien diesbezüglich elektrisiert, da es die erste solche Koalition auf Länderebene wäre und natürlich auch eine Signalwirkung auf den Bund haben würde.
Wieso nur schwarz-grün oder große Koalition?
Was wenn keiner mit Ole spielen möchte?

Ich finde es schon merkwürdig das Frau Ypsilanti´s Regierungsanspruch bisher von einigen Medien als vollkommen normal ansehen wird, obwohl die stärkste Partei in Hessen die CDU ist, und in Hamburg überwiegend über schwarz-grün berichtet wird. Könnte doch auch mal ein Bericht über rot-rot-grün als mögliche Regierungskonstellation verfasst werden. Selbst wenn die Hamburger CDU eigentlich die Wahl gewonnen hat.


Zitat:
Und da die FDP (die in Hamburg keine Rolle spielt) wohl keine Basis mit der SPD finden wird (erst recht nicht unter dem fast PDS'ler Beck*) hängt es letztendlich auch auf Bundesebene von den Grünen ab ob es weiter eine große Koalition oder Schwarz/Gelb/Grün geben wird. Und das ist das spannende für die Medien das eine Koalition von Schwarz-Grün, was früher undenkbar schien jetzt plötzlich möglich ist.
Warum ist eine schwarz-grüne Koalition erst heute möglich?
Vielleicht weil gerade CDU/CSU-Politiker in der Vergangenheit die Grünen als Kommunisten bezeichnet hat, wie sie es heute mit der Linken tut.

* Wenn Du das wirklich ernst meinen solltest, hast Du Dich schon in den Gebetsmühlen der Medienmacher verfangen.
Wenn nicht war dies Polemik par excellence.
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Ummon ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.03.2008, 14:25   #5 (permalink)
AW: Irritation durch Medien nach den Wahlen

Nachtrag:
Wie um meine Beobachtung zu unterstützen, habe ich auf den NachDenkSeiten folgenden Beitrag gefunden:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=3033#more-3033


Hier mal ein kleiner Auszug aus dem Link:
Zitat:
Vornedran wie immer, wenn es um die Verteidigung des konservativen Machtkartells geht, die BILD-Zeitung:

„Beck soll weg“ hieß es schon am Hamburger Wahlsonntag in Bild am Sonntag

Am Tag nach der Wahl in Hamburg, am 25. Februar, wo es die Linke zum dritten Mal innerhalb von kurzer Zeit in ein Länderparlament geschafft hatte, erklärt BILD zunächst Oskar Lafontaine zum „Staatsfeind“:
„Macht Lafo Deutschland unregierbar?“ stand in Balkenlettern unter einem zur teuflischen Mephisto-Fratze verfremdeten Porträt.

Schon einen Tag später änderte man bei Springer die Strategie, weil man offenbar erkannte, dass linke Regierungsmehrheiten nur dadurch verhindert werden können, dass die SPD davon ja bloß keinen Gebrauch macht. Also wurde die SPD und ihr Vorsitzender ins Visier genommen:

„SPD beschließt Wortbruch“, hieß es unter einem Foto, auf dem nun Kurt Beck ziemlich unsympathisch abgelichtet war.
Und so ging es Tag für Tag weiter:

„Nach Wortbruch. Aufstand der SPD gegen Beck!“ (27. Februar)
„Die SPD darf mit der Linken gar nichts machen!“ (28. Februar), taucht der zwischenzeitlich von der Bildfläche verschwundene Klaus von Dohnannyi wieder auf.
„Abrechnung mit Kurt Beck“ (29. Februar), wird seitenlang aus einem sicherlich nicht zufällig der Presse zugespielten Fax des Schröderianers Michael Naumann zitiert, indem dieser sein eigenes Versagen Kurt Beck in die Schuhe zu schieben versucht.
Unter der Überschrift „Wie lange hält Beck noch durch?“ wird am 1. März über Becks Nachfolger spekuliert.
„SPD plant Putsch gegen Beck“ heißt es in Bild am Sonntag vom 2. März. Steinbrück, Platzeck und Müntefering, wollten laut „Spiegel“ Steinmeier als Kanzlerkandidat ins Rennen schicken.
Oder dies hier:
Zitat:
Das wissen natürlich alle Maulhelden auch, die jetzt über Beck herfallen, er strebe eine Öffnung der SPD gegenüber der Linken an oder er wolle gar einen Linksruck bei den Sozialdemokraten hin zu den Kommunisten einleiten. Siehe dazu das Titelblatt des neuesten Spiegel:
Angehängte Grafiken
Dateityp: jpg 20080303_spiegel.jpg (103,8 KB, 7x aufgerufen)
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