04.11.2004, 21:41
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Mein Freund George
Kolumne
von Hannes Stein
Zitat:
Neulich im "Café Einstein" in Berlin. "Auch wenn du mir jetzt hinterher nicht den Tee bezahlst", eröffnete ich meinem Freund George, "muß ich dir sagen: Wenn ich Amerikaner wäre, würde ich George W. Bush wählen." George schnaubte leise, aber feurig. Dazu muß man wissen, daß George ein überzeugter Demokrat aus Michigan ist - in den letzten paar Jahren hat er unter kaum etwas so gelitten wie unter dem Umstand, daß er seinen Vornamen mit dem 43. Präsidenten der USA teilen muß. "Also, ich würde Bush wählen, wenn ich einen amerikanischen Paß hätte", insistierte ich unbarmherzig. "Aber ihr gebt mir ja nicht mal eine Green Card."
"Das ist auch besser so", meinte George. "Eine Stimme mehr für die verfluchten Republikaner, das hätte uns gerade noch gefehlt. Dein Bush hat jeden Ansatz von Sozialstaat und Ökologiebewußtsein zerschlagen, eine Schwulenehe wird es unter diesem reaktionären Präsidenten nie geben ..." - "Eure Innenpolitik macht gefälligst allein", antwortete ich und nahm einen Schluck Tee. "Mich interessiert im Moment nur eins - daß ihr Amerikaner den Krieg gegen den islamischen Fundamentalismus so aggressiv wie möglich führt. Denn das ist eine mörderische und selbstmörderische totalitäre Massenbewegung wie der Nationalsozialismus oder Kommunismus. Und da traue ich Bush einfach mehr zu als dem allzu flotten Kerry." "Höhö", machte George.
"Bisher macht der Krieg gegen den Terror doch ganz gute Fortschritte", setzte ich nach. "Zwei feindliche Regimes wurden gestürzt - in Afghanistan und im Irak. In Afghanistan gab es jetzt zum ersten Mal freie Wahlen. Die Führung Pakistans wurde gezwungen, sich an der Jagd auf Osama Bin Laden zu beteiligen. Die Saudis wissen jetzt, wo der Hammer hängt. Der nukleare Schmuggelring von Abdul Qadir Khan, dem Vater der pakistanischen Atombombe, ist aufgedeckt und zerschlagen. Und so weiter."
"Darf ich dich kurz in die Wirklichkeit zurückholen?" fragte George. "Der Irak versinkt im Chaos. Offenbar haben die Mitglieder dieser tollen Bush-Regierung sich nicht für zwei Cent Gedanken gemacht, was nach Saddam kommen soll. Sie dachten, daß die Iraker nach unserem Einmarsch einfach "Befreit, befreit!" rufen und dann von selbst eine demokratische Gesellschaft organisieren. It is absolutely infuriating. Hast du die Plünderungen nach Saddams Sturz vergessen? Hast du Abu Ghraib vergessen, wo wir selbst zu Folterknechten geworden sind?"
"Ein Punkt für dich", gab ich zu. "Ein bißchen Nachkriegsplanung wäre tatsächlich nicht schlecht gewesen. Aber, George, ich gebe den Irak noch nicht verloren. Denk an Malaysia, da haben die Briten im Krieg gegen die kommunistische Guerilla erst mal drei Jahre lang furchtbar alt ausgesehen. Dann haben sie gewonnen. Heute ist Malaysia ein relativ zivilisiertes Land, mit halbwegs freien Wahlen und einer freien Presse und einer auf hohen Drehzahlen brummenden Wirtschaft - jedenfalls produziert Malaysia nicht jedes Jahr zigtausend arbeitslose junge Männer, die sich durch einen bodenlosen Haß auf den Westen und die Juden abreagieren. So etwas müßte doch auch im Irak hinzukriegen sein."
"Ich hasse Bush!" brach es aus George heraus. "Ich kann diese Fresse nicht mehr sehen! Ich hasse Rumsfeld! Und Condi Rice! Und Wolfowitz! Ich hasse sie einfach!"
"Damit bringst du mich auf mein stärkstes Argument für die Wiederwahl von George W. Es ist eine wunderbare Vorstellung, wer sich alles darüber schwarz und blau ärgern wird! Vor allem natürlich die moslemischen Fanatiker, aber auch linke und liberale Intellektuelle in Europa, die jede Religion verachten außer der islamischen. Und dann noch die UNO, diese schlimmste unter den internationalen Organisationen, deren Antisemitismus und kriminelle Energie nur noch von ihrer Unfähigkeit übertroffen wird ..." In diesem Augenblick schwebte eine blonde Walküre an unserem Tisch vorüber. George nutzte die Ablenkung, um mir seinen Cappuccino über den Kopf zu kippen. Den Rest entscheiden die amerikanischen Wähler.
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Quelle: Welt
Tolle Sache!
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