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Naturgewalt - Teil I – Sturmflut
Naturgewalt - Teil I – Sturmflut
Die Sonne scheint mir in mein Gesicht und ich spüre die Wärme der Strahlen. Es ist Frühjahr. Ungewöhnlich hoch ist die Temperatur für einen Tag im Januar. Einzig der Wind, der recht kräftig von dem Land Richtung Meer weht, bringt mich zum Frösteln. Im weißen, feinkörnigen Sand stehe ich und schweife mit meinem Blick über das marinenblaue Meer. Kristallklar liegt es vor mir. Wellen schlagen leicht auf den Sand und beginnen dabei etwas zu schäumen. Das Wasser leuchtet durch die Einstrahlung der Sonne. Der stärker werdende Wind verhindert, dass die wellen weiter vordringen und übertönt das harmonische Rauschen des Wassers. Während ich meinen Blick gen Himmel schweifen lasse, erblicke ich dunkle Wolken über dem Meer, die sich bedrohlich wie eine graue Katze über den Himmel verbreiten. Die Sonne, die gerade noch am Horizont war, wird wie in einen grauen Schlund gezogen. Wo die Strahlen mein Gesicht erwärmt haben, befindet sich nur Schatten. Es ist kühler geworden. Ein unbehagliches Gefühl beginnt in mir zu keimen. Auch das Meer scheint meine Gefühle zu teilen, denn es wird unruhiger. Die Wellen sind nicht mehr so seicht und klein. Ich bemerke, dass sich der Wind schlagartig gedreht hat, und mir jetzt trotzig ins Gesicht weht. Angetrieben durch den Wind werden die Wellen größer und schneller. Ein großes Stück weiter treffen sie in den Sand, wo sie dann sich schäumend wieder zurückziehen. Das Tosen und Rauschen der Wellen verschmilzt mit dem Pfeifen des Windes. Der Himmel ist mittlerweile von einem Meer aus dunkelgrauen Wolken bedeckt. Es beginnt zu regnen. Erst nur ein paar Tropfen, die auf die Wasseroberfläche treffen, und dort sofern man es erkennen kann, eine kleine Kreiswelle verursachen. Am Horizont ziehen noch dunklere, ja schon schwarze, Wolken auf, die mit viel Druck die grauen Wolken Richtung Landesinnere voranschieben. Die Wellen wachsen weiter an und erreichen meine Schuhe. Deutlich sind die Wellenhügel im Meer zu erkennen. Kurz vor dem Land kippt die Oberkante auf den Sand, wobei die Gischt von dem Druck noch ein zwei Meter weiter vorgespült wird. Immer stärker weht der Wind die Wellen gegen den Sand. Unaufhaltsam rücken die schwarzen Wolken vor. Der Regen ist in einen Wasserfluss übergegangen. Völlig durchnässt beobachte ich, wie die Wellen nur einen Meter oder höher sind und kontinuierlich an Kraft gewinnen. Bis zur Tailie reicht das Wasser und steigt unaufhörlich an. Immer wieder schlagen mir Wellen wie eine Faust ins Gesicht und versuchen mich wie gigantische Hände, die an meinen Beinen ziehen, mich unter Wasser zu ziehen. Noch trotze ich dieser unsichtbaren Hand. Dann erreicht der Sturm seinen Höhepunkt. Die ganze Küste ist mittlerweile unter Wasser gesetzt. Noch stehe ich. Wellen, Sturm und Regen toben um mich herum und fressen ganze Landteile. Weit vor mir erblicke ich eine riesengroße blaue Wand, die unaufhaltsam auf mich zu rast. Höher und höher türmt sie sich auf und gewinnt an Stärke. Der Boden fängt an zu vibrieren. In dem Wasser entsteht ein kräftiger Sog, der intensiver wird je näher diese gigantische Welle kommt. Wie ein unnatürliches Ungeheuer steuert sie Richtung Land, um ein großes Stück Land unter sich zu begraben und dem Mensch zu entreißen. Ich spüre die Kraft des Sogs an meinen Beinen zerren wie tausend Hände, die nach mir greifen. Kurze Zeit später trifft die Welle auf mich und der Sog reißt mich in den Wellenberg. Wie in dem Rachen eines gigantischen Ungeheuers werde ich nach unten gezogen. Wenige Sekunden später saugt mir die Welle die letzte Luft aus der Lunge und mein Körper erschlafft. Ich bin eins mit dem Wasser. Die Welle setzt ihren Weg fort.
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