Oasis - Don't believe the truth


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Alt 05.10.2005, 12:19   #1 (permalink)
Oasis - Don't believe the truth

Vermerk: Die hier verwendeten Namen, Songauszüge etc. sind geistiges wie materielles Eigentum der Band "Oasis" sowie den jeweiligen Plattenlabeln. Die angeführten Kommentare sind die subjektive Auffassung des Verfassers
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So, ich hab’ es doch getan...

Heute kam es an, das mittlerweile sechste Studioalbum der Gebrüder Gallagher. Es ist zwar schon eine Weile draußen, aber ich habe als eingefleischter Oasis-Fan erst mal die Finger davon gelassen, weil ich die erste Single-Auskopplung „Layla“ ziemlich, ähm, „bescheiden“ fand. Aber egal, letzten Endes bin ich dann doch meiner anfänglichen Sucht erlegen und hab’ mir die Scheibe zugelegt. Nun die Einzelkritik:

Trackliste:


1. Turn up the sun – (written by Andy Bell)
Der Opener. Ruhiger Beginn, dann kräftiger Gitarrensound....aber hallo? Ein und dasselbe Schema wird andauernd wiederholt? Der Song plätschert so vor sich hin, das anschließende „Gitarrensolo“ kann nur widerwillig als ein solches bezeichnet werden....hmm, nicht der von mir gewünschte Start in ein gutes Brit-Pop-Album, aber egal, es ist ja erst das erste Stück!

2. Mucky Fingers – (written by Noel Gallagher)

Hier geht es schon was lauter zu. Noel singt zum ersten Mal auf der Scheibe, und man merkt, dass er sich stimmlich verbessert hat. Aber das Stück...na ja...ein- und derselbe Drumrhythmus während des ganzen Stücks, wenig Abwechslung, ich kann mich nicht wehren, aber irgendwie klingt das mehr nach Bob Dylan als nach Oasis...

3. Layla – (written by Noel Gallagher)
Die erste Single-Auskoppelung. Sehr schwach! Nach mehrmaligem Hören vermute ich mal, werde ich mich mit dem Ding anfreunden können, aber als es das erste Mal im TV lief, dachte ich nur: "ups, wie schlecht..."
Hat aber ein paar nette Passagen, die in jeden guten Song reinpassen würden á la:
„She’s the queen of all I’ve seen“ – Simpel, aber eindeutig geil....

4. Love like a bomb – (written by Liam Gallagher/Gem Archer)
Wieder einmal betätigte sich Liam als Songwriter, das Ergebnis ist meiner Meinung nach bescheiden. Das Stück an sich ist purer Gitarrenpop und klingt ganz ordentlich, wenn man einfach textlich davon absieht, dass sich Liam andauernd wiederholt. In der Mitte des Stückes

5. The importance of being idle – (written by Noel Gallagher)

Das Ding ist nur geil. Das ist wieder Oasis. Eingängiger Gitarrenrhythmus, aber auch mit z.T. experimentellen Elementen im Synthesizer-Bereich. Wer das Video kennt, weiß auch, das es endlich mal wieder in `nem vernünftigen Stil umgesetzt worden ist. Das Stück vermittelt ein durchgängiges „I don’t give a fuck“-Feeling, gefällt mir gut! Noels Gesang verdient mal wieder ein Kompliment, unterm Strich macht er seine Sache auf den beiden Stücken bislang besser als Liam...

6. The Meaning of soul – (written by Liam Gallagher)
Hoppala. Das geht ja richtig schnell los. Der Kopf nickt automatisch mit, Liam schreibt „I’m 10 out of 10“, an Selbstvertrauen fehlt es dem Jungen nicht wirklich. Geiles Stück, aber dann: Häh? Nach anderthalb Minuten ist es zuende....schade, daraus hätte man mehr machen können, leider wieder nur ein Lückenfüller.

7. Guess God thinks I’m Abel – (written by Liam Gallagher)
Das erste ruhige Stück auf der Platte, Liam findet wieder zu seinem guten Gesang zurück…dann aber ist das Stück auch wieder nach drei Minuten vorbei und ich frage mich als Oasis-Fan: Was soll das??

8. Part of the Queue – (written by Noel Gallagher)
Ein toller Song. Endlich mal wieder ein vernünftiger Text, musikalisch wie immer von mindestens zwei Gitarren begleitet. Noel singt darüber, wie sehr man in einer Stadt immer nur Teil einer undefinierbaren Menge sein kann, Individualismus ist nicht möglich. „Every beginning has broken it’s promise“, ein Song über das Ersterben aller guten Vorsätze beim Überschreiten einer bestimmten Schwelle. Zwar eine grundlegend negative Einstellung, aber in diesem Punkt kann ich mich mit ihr anfreunden.

9.Keep the dream alive - (written by Andy Bell)
Das erste Stück des „neuen” Bassisten auf der Platte. Irgendwie verträumt und stilistisch so gar nicht Oasis – oder vielleicht auch doch. Ein netter Song, nix besonderes, aber gut zum Anhören. Kann man während der Autofahrt laufen lassen. Aber mal wieder dieses „Nanananaaa“ ganz zum Schluss. Oasis bleiben ihrer Beatles-Manie hier treu und bringen mindestens einmal pro Album ein „Nananaaa“ rein....langsam nervt es doch ein wenig!

10. A Bell will ring (written by Gem Archer)
So klingt es also, wenn der neue Gitarrist schreibt und rockt. Das Intro wird durch eine Clean-Gitarre begleitet, das Schlagzeug setzt im typischen oasis-Standard Rhythmus ein. Stilistisch wieder nichts neues. Ein eingängiger Pop-Song, geht locker von der Hand, kann man selbst als Gitarrenanfänger nach 5 Minuten mitspielen...

11. Let there be love (written by Noel Gallagher)
Sehr ruhiges Stück, nur eine Gitarre und ein Piano im Hintergrund. Klingt von Stil her wie „Stop cryin’ your heart out“. Noel und Liam singen gemeinsam, auch ne interessante Sache, gab es bisher ja nur bei “Aquiesce”.


Fazit:
Ich habe diese Kritik nach dem ersten Anhören verfasst und muss sagen, dass ich nach diesem doch recht enttäuscht bin! Das sind nicht mehr die Oasis der ersten Stunde. Diese Entwicklung war aber absehbar, wenn man sich die Alben „Standing on the shoulders of giants“ und „Heathen Chemistry“ anhört. Die vielen Besetzungswechsel und Experimente haben zwar zu besseren Texten, aber nicht zu besserer Musik geführt. Der einzig richtig gute Song, der das Zeug zum Evergreen hat, ist, "The importance of being idle", ansonsten vergrößert diese Platte nur die Playlist der Band auf ihren Gigs! Warum machen die Jungs nicht noch mal ein Ding á la „Morning Glory“ ? Ich hatte wohl recht mit meinem anfänglichen Zögern...na ja, was soll’s....jetzt steht die Scheibe hier halt im Plattenschrank.


Ranking: (+ + - - -), leider nur 2 von 5 Sternen....schwach!

P.S.:
Die Gebrüder G. haben für die Studioaufnahmen und die kommenden Live-Gigs Ringe Starrs Sohn Zak Starkey als Drummer „verpflichtet“...so langsam geht die Beatles-Vergötterung in seltsame Bahnen.
__________________
Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird. (Winston Churchill)

Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern daß man nie beginnen wird, zu leben. (Marc Aurel)

Auge um Auge - und die ganze Welt wird blind sein. (Mahatma Gandhi)
Slash ist offline   Mit Zitat antworten

Alt 28.03.2006, 14:17   #2 (permalink)
Ausrufezeichen AW: Oasis - Don't believe the truth

Halt, halt! Das kann man so auf keinen Fall stehen lassen. Ich bin ebenfalls Oasis-Fan und als solcher bereits geübt darin, mich für das neue Album der Jungs zu rechtfertigen. Und das fiel mir bei früheren Alben wesentlich schwieriger als bei vorliegendem.
Nach der großen Oasis-Zeit mit dem bestverkauften Debüt-Album aller Zeiten in England "Definitely Maybe" und "Morning Glory", dem Album für die Ewigkeit, waren die Ansprüche an die Band natürlich gigantisch. Dass sie's immer noch sind, finde ich ziemlich krass. Man sollte sich einfach klarmachen, dass "Morning Glory" auch deswegen so ein fantastisches Album ist, weil man nicht erwarten kann, dass es sehr viele dieser Klasse geben wird...noch dazu von ein und derselben Band.
Nach dem wenig inspirierten, dennoch recht guten "Be here now" und dem völlig orientierungslos überproduzierten "Standing on the shoulder of Giants" schien Oasis fast schon am Ende zu sein. Sie rafften sich schließlich doch noch zusammen, um mit "Heathen Chemistry" ein Album aufzunehmen, das wieder Hoffnung verlieh. Zwar ohne das ganz große Selbstbewußtsein, das ja für den typischen Oasis-Sound so wichtig ist, aber dennoch mit Perlen wie "Hindu Times", "Force of Nature", "Stop crying your heart out" und dem unvergleichlichen "Songbird". Dass sich Oasis, noch recht konservativ bei den ersten drei Alben, sich in den letzten drei Alben musikalisch ein bisschen umgeschaut haben, können doch eigentlich nur Puristen schlecht finden, für die ich persönlich kein Verständnis haben kann.

Und an dieser Stelle kommt "Don't believe the Truth", schon vom sinnlos-überheblichen Titel her ein Album, das wieder die alte Oasis-Attitüde transportiert, allerdings musikalisch sicherlich das ausgereifteste seit "Morning Glory" ist. Heraus ragen das tatsächlich unglaubliche "The Importance of being idle" und das an "Golden Brown" erinnernde "Part of the Queue". Begeistern kann jedoch auch das unglaublich stampfende "Mucky Fingers". Vielleicht gehen Oasis ihren Weg mit diesem Lied am konsequentesten weiter; denn wen Noel voller Insbrunst singt: "I'm fed up with life in the city/ 'cause all the phoneys have blown my mind/ When I go, you look like you'd miss me/ so come along with me, but don't ask why/ cause it's all mine!", dann fühlt man sich doch wieder in beste "Rock 'n Roll Star" oder "Cigarettes&Alcohol"- Zeiten zurückversetzt.
Aber auch die anderen Songs auf dem Album brauchen sich nicht zu verstecken. "Turn up the sun", "Love like a bomb", "Guess God thinks I'm Abel", "Keep the dream alive" und "A Bell will ring" klingen viel lockerer und verspielter als die alten Oasis-Sachen und haben dadurch auch wesentlich mehr Swing als die teilweise verbissen gearbeiteten BritPop-Opern, beispielsweise auf "Be here now". Wer altes Zeug will, soll sich eben die unvermeidliche und mal wieder gigantische Ballade "Let there be love" anhören. Auch mit "The Meaning of Soul" packen Oasis nochmal alte Rock-and-Roll-Tugenden aus. Die scheinen sie aber tatsächlich so schnell wie möglich hinter sich bringen zu wollen.
Offenbar haben Oasis endlich den Schock ihres phänomenalen Starts in die Musikwelt verdaut und sind bereit zu neuen Taten. Bleibt nur zu hoffen, dass ihnen die Fans weiterhin folgen. Sie könnten einiges verpassen.
__________________
"Die Trombone bei Moon River, wie sie die Hoffnung erhält;
die Geigen bei Wonderful World:
Ich lebe mich durch eines der schönsten Leben mit den schönsten Songs der Welt!"
Tomte
Philskow ist offline   Mit Zitat antworten
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