Phänomen World of Warcraft


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Alt 23.05.2006, 12:34   #1 (permalink)
aKe
Phänomen World of Warcraft

Guten Tag allerseits.

Aufgrund dessen, dass das Phänomen World of Warcraft nun auch für den Boardplaneten alles andere als unbekannt ist (man erinnere sich an den WoW Account Thread mit mehreren tausend clicks am Tag(!) ) möchte ich mich nun auch einmal kurz outen und eine gewisse, allerdings vollkommen ernsthafte, Abhandlung schreiben.

Die letzten 3-4 Monate meiner Arbeitslosigkeit habe ich dieses Spiel genutzt um die letzte Hürde zum Studium zu überbrücken. Denn selbst wenn man reintheoretisch jeden Tag mehrere Stunden auf Jobsuche geht (praktisch ist das sowieso nicht drin, da man irgendwann nach zig Absagen und Frustrationen einer hartnäckigen Antriebslosigkeit verfällt), hängt man dennoch 2/3 des Tages dumm rum und weiss nix mit sich anzufangen. Da ist einem jeder Zeitvertreib recht. Und da sind wir schon bei den positiven Aspekten des Spiels. Besitzt man auch nur eine geringe Affinität für das Genre dieses Spiels so ist man nach spätestens 10 Stunden Spielzeit (nicht zwingend am Stück ) vollkommen fasziniert von dem Mikrokosmos, der sich da vor einem auftut. Eine schön gemachte Fantasywelt, die man mit hunderten von Mitspielern teilt und in der man die verschiedensten Werdegänge und Ziele anstreben kann. Die Atmosphäre ist meiner Meinung nach ebenfalls sehr dicht, sowie die Spielwelt an sich sehr abwechslungsreich gestaltet. Die Spielbalance ist ebenfalls, hingegen der Meinung vieler Miesmacher, astrein und die Abhängigkeit der verschiedenen Charakterklassen zueinander ist ebenfalls sehr genau und unabdingbar gestaltet. Es verlangt also auch mindestens einen gewissen bis, je nach dem was man erreichen will, einen immensen Teamgeist um das Spiel erfolgreich bestreiten zu können. Die Folge davon ist, dass man dem Spiel noch nicht mal eine gewisse soziale Kompetenz als Vorraussetzung für erfolgreiches Spielen abstreiten kann.
Ich selbst habe mir, mal abstrakt gesprochen, auch einen gewissen Freundeskreis aufgebaut, ohne den ich das Spiel wahrscheinlich schon längst wieder liegen gelassen hätte.
Denn da sind wir schon wieder beim nächsten Punkt auf den ich mit diesem Thema auch näher eingehen möchte.
Das Suchtpotential, sowie das Potential für sehr viele Leute ihr wahres Leben ein wenig bis extrem aus den Augen zu verlieren. Was man so alles (mehrfach) von verschiedenen Leuten hört, die man mal hier und da trifft oder mit denen man einfach mal eben das ein oder andere Event bestreitet ist teilweise schon arg erschreckend. Da gibt es Leute, die wegen diesem Spiel in der Schule schonmal sitzen geblieben sind und drauf und dran sind, dass es dieses Jahr nicht schon wieder passiert, oder Leute, denen die Freundinnen davongelaufen sind. Aber selbst das ist vergleichsweise noch harmlos mit den Leuten, die sich mit Errungenschaften, die sie im Spiel erreicht haben, brüsten und sich über andere Stellen, was eine ungemeine Arroganz, Kindlichkeit und soziale Verarmung offenbart.
Zum näheren Verständnis dafür muss man erläutern, dass das Spiel von Blizzard (Hersteller und Betreiber) auch an vielen Ecken und Kanten so ausgelegt ist, dass man viele Dinge nur durch Monate bis Jahrelanges oder durch wochenlanges Hardcorezocken erreichen kann. Sei es die höchste Rufstufe einer Fraktion zu erlangen oder ein komplettes Rüstungsset aus einer der 40 Mann-Schlachtzug-Dungeons oder viele andere Dinge, die einen immensen Zeitaufwand benötigen. Koppelt man das nun mit dem menschlichen Konkurrenzdrang immer besser sein und werden zu wollen als manch andere sowie mit dem Suchtpotential hat man eine gefährliche Kombination, die viele Leute ohne die Fähigkeit der Selbstreflexion (und wir wissen, dass das ein Großteil der Menschheit ist) dazu veranlasst schlicht und ergreifend nur noch für das Spiel zu leben. Die stehen morgens auf, gehen in die Schule wenns sein muss und sitzen dann bis spät nachts vorm PC. Wenn man hier wieder den Punkt des sich über andere Stellens erwähnt, so muss man ebenfalls sagen, dass das Spiel es versteht einem schon am Anfang Erfolgsgefühle zu vermitteln, welche später immer weiter gesteigert werden, sodass man klar erkennen kann, dass es Leute gibt, denen die Erfolge in diesem Spiel klar reichen und teilweise wichtiger sind als viele andere Dinge abseits vom Spielgeschehen. Fragen nach dem letzten Bier mit Freunden, dem letzten Discobesuch u.ä. werden oft mit Zeitspannen beantwortet die jenseits von gut und böse liegen, Fragen nach der Studiums oder Arbeitssuche mit einem schlichten "Hab ich verplant" ...

Worauf ich schlussendlich hinaus will ist, dass sicherlich jedes Spiel Suchtpotential und Langzeitmotivation birgt, es bei World of Warcraft aber überdurchschnittlich vorhanden ist. Außerdem ist das Spiel Trend, ein Hype sozusagen, was die Wirkung gesellschaftlich nochmal steigert. Desweiteren gibt es alleine in Europa bereits 1 Million Spieler, stetig wachsend, sodass man durchaus von einem Phänomen sprechen kann mit der Frage, schafft es World of Warcraft als erstes Computerspiel der Geschichte eine Gesellschaft nachhaltig zu prägen? Mehr Arbeitslose, weniger Selbstengagement, weniger Leute, die nach draußen gehen, weitere soziale Verarmung und zurückgehende Kommunikation ohne das Medium Internet? Sicher sind das jetzt etwas voreilige und krasse Thesen, wenn das Spiel allerdings weiterhin soviele Leute in seinen Bann zieht und zu Junkies macht, so wird man das bestimmt irgendwann, irgendwo spüren bzw. es wird allgemein auffälliger.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch noch Gegenbeispiele. Von dem Freundeskreis, von dem ich eben gesprochen habe, haben es jetzt einige Leute geschafft abseits vom Spiel was zu erreichen. Ein Langzeitarbeitsloser (31 Jahre alt) hat wieder zumindest für 4 Monate einen Job, einer hat nen Studienplatz für September bekommen, ich studiere ebenfalls und suche immer noch Arbeit und der Rest von uns hat schon Arbeit, Frau und Kind oder ausreichend Hobbys. Siehe da, die meisten spielen auch deutlich weniger als zuvor, wenn auch regelmäßig, aber nur noch 1-2 Stunden pro Sitzung, statt wie vorher 8 oder mehr...
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aKe ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.05.2006, 13:40   #2 (permalink)
AW: Phänomen World of Warcraft

Online-Spiele mit mehreren Tausend Spielern und mehr sind gerade groß im Kommen. Ich vermute mal dass wir die nächsten Jahre eine stetige Entwicklung in diese Richtung beobachten können. Vielleicht schafft man es demnächst hunderttausende auf einen Server gleichzeitig zu packen. Damit könnte man schon ein ganzes kleines Land oder eine große Stadt simulieren.

Es gab schon vor WoW viele erfolgreiche Massive-Multiplayer-Online-Spiele. Nur ist es in Europa halt das erfolgreichste bisher. In Korea gab es Jahre zuvor schon andere sehr erfolgreiche Spiele (Everquest, Line Age oder wie das heisst).
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Alp.traum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.05.2006, 17:10   #3 (permalink)
AW: Phänomen World of Warcraft

Ich spiele WOW schon seid der Final Beta.

Und deinen Argumenten kann ich nur anschließen, aKe.
Es macht echt süchtig. Nach dem Release hab ich das Spiel mehrere Stunden am Tag gezockt. Heutzutage kann ich das auch noch. Aber ich schaff es auch mal ne Woche gar nicht zu spielen.

So wie ich es Ende letzten Jahres hatte, wo ich in 5 Monaten nur sehr sporadisch (vl 1-2 Std im Monat) on war und fast gar net gezockt habe.
Lag evtl auch an der Klasse, die ich mir beim Release gewählt habe. (Find den Jäger, nachdem ich ihn mehrere Monate gespielt hab einfach nur Langweilig und würde auch nie wieder einen anfangen.)

Mittlerweile hab ich wieder mehr Lust am Spiel und das leb ich auch aus.
Aber ich weiß trotzdem wo meine Grenzen sind und auch wann ich aufzuhören hab. Aber diese Itemgeilheit bei dem Spiel geht mir aufen Sack.
Das sie Leute damit rumprollen müssen, was sie schon alles erreicht haben.
Die meisten Leute, die im Spiel einen auf dicke Hose machen, können keinen graden Satz schreiben und sind im wahren Leben die größten Looser.
Aber um Rang 14 im PVP-System zu erreichen muss man schon krank im Kopf sein, weil das ist echt mal heavy.

Aber in Japan und Korea ist es noch extremer. Da hat ne Familie ja ihr Baby sterben lassen, weil das Spiel wichtiger war.
Und es ist einer an dem Spiel gestorben, weil er 5 Tage lang nix gegessen und getrunken hat.
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K-Dog ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.05.2006, 17:44   #4 (permalink)
AW: Phänomen World of Warcraft

So ähnlich ging es mir damals auch mit 'Dark Age Of Camelot'. Das könnte man als Vorgänger von WoW betrachten.

Ich habe eigentlich nix anderes gemacht als DAOC gezockt, wenn ich nicht gearbeitet oder geschlafen habe.
Die Zeit die ich mir zum Schlafen genommen habe war auch sehr knapp bemessen. Kaum mehr als 4 Stunden Schlaf um nicht mehr als 30 Minuten zu spät in die Arbeit zu kommen. Ausser am Wochenende, da musste dann wieder etwas Schlaf aufgeholt werden, um nicht ganz einzugehen.
Aber irgendwann, ich weiss auch nicht mehr warum, habe ich dann schlagartig aufgehört. Ich glaube das war bei der Beta für Shadowbane, was dann nicht so getaugt hat.
Den Betakey für WOW habe ich dann nach reichlichen Überlegungen verschenkt, da ich nicht wieder so eingehen wollte. *gg*
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Xaicon ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.05.2006, 18:04   #5 (permalink)
AW: Phänomen World of Warcraft

Zitat:
Zitat von K-Dog
Die meisten Leute, die im Spiel einen auf dicke Hose machen, können keinen graden Satz schreiben und sind im wahren Leben die größten Looser.
Das ist wohl der meistgesagteste Satz von neidischen genervten Zockern. Ein tolles Vorurteil aber ich sag mal das kann keiner wissen! Lieber mal davon ausgehen dass die Leute im RL korrekte Leute sind.

Zur Thematik: Ich kenn das auch nur zu gut. Wenn ich mich in ein Spiel hineinsteiger bin ich extrem davon eingenommen und konzentriere mich mit voller Kraft darauf. Meine beiden Paradebeispiele: Inselkampf (Browsergame *g*) und Diablo 2 (alt aber knackig!). Aber immerhin konnte ich noch bei Ebay Kohle dabei rausschlagen hehe. Hab mit Absicht nicht mit WoW angefangen. Dafür spielt's meine Freundin und mein WG-Kollege. Nur nicht ganz so exzessiv glücklicherweise
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Alp.traum ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.05.2006, 12:15   #6 (permalink)
AW: Phänomen World of Warcraft

Zitat:
Zitat von Alp.traum
Das ist wohl der meistgesagteste Satz von neidischen genervten Zockern. Ein tolles Vorurteil aber ich sag mal das kann keiner wissen! Lieber mal davon ausgehen dass die Leute im RL korrekte Leute sind.
Das hat nix mit neidisch oder genervt zu tun.

Aber wenn man sich mal die Chats etc in Ruhe durchliest dann kommt einem schonmal das grauen. Tippfehler sind können passieren.
Aber manche Sachen sind echt schon hart.
Und durch Teamspeak bekommt man auch die ausdrucksweise von manchen Leuten mit und kann sich davon schonmal n kleines Bild machen.
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K-Dog ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.05.2006, 12:39   #7 (permalink)
AW: Phänomen World of Warcraft

Off-Topic:
darum gehts doch jetzt hier echt nich oder? können ja gleich wieder diskutieren ob hiphopper dümmer sind als metalheads usw.....


@topic. hmph. also erstmal langweile ich wieder mit meiner einstellung, dass computerspiele nicht süchtig machen, sondern jeder das selber in der hand hat.

zweitens möchte ich zu bedenken geben, dass ja gerade die faulheit der leute in kombination mit machtgier der schlüssel zur motivation, eine beschäftigung im rl zu suchen, sein kann: ok, ich könnte siebenhundert stunden spielen um endlich die donnerklinge of death (dmg +666 *r0xx0rz*) zu kriegen, oder ich geh 10 stunden arbeiten, und kauf sie mir auf ebay.²

desweiteren zitiere ich meinen führer jarod lanier, der den begriff virtual reality überhaupt erst geprägt hat³:

"The great thing about crummy software is the amount of employment it generates. In 20 years, we're talking about a planet of help desks."²³
src

umgelegt auf wow heißt das natürlich: für jeden wow spieler braucht man 3 coder, um frustrationen und suizidgedanken bei den usern zu vermeiden, falls mal wieder n server d0wn is. schließlich will man die zu melkende kuh nicht aus dem sinnbildlichen stall scheuchen etc.

daraus folgt: wenn alle wow spielen würden, hätten wir bald vollbeschäftigung erreicht! h41|.

_____
² waffenbezeichnung und schadensangabe entstammen meiner fantasie,
ich kenn mich nur mit pen&paper rpgs ein wenig aus

³ (pure 0wn4g3)
²³ deutsch etwa: "Die große Sache über miese Software ist die Menge von Beschäftigung, die sie erzeugt. In 20 Jahren sprechen wir über einen Planeten der Hilfe Schreibtische."
__________________
Das Benzin des Wassers wird proportional am Feuer gemacht.
Aaron T. Richter


man brauch keine jacke um ne Hopper-Mütze aufzuhaben
asiatisches Sprichwort
vergeben
Dexter ist offline   Mit Zitat antworten

Alt 08.10.2006, 12:49   #8 (permalink)
AW: Phänomen World of Warcraft

Zitat:
Shawn Woolley (1980 - 22 November 2001) was an avid player of the computer game EverQuest, an MMORPG, who committed suicide at the age of 21 years old. He shot himself and was found dead at his computer, which was still running EverQuest. [.....]

Elizabeth Woolley says that EverQuest is dangerous and addictive by design, which is what she claims led to her son's suicide, "I think the way the game is written is that when you first start playing it, it is fun, and you make great accomplishments. And then the further you get into it, the higher level you get, the longer you have to stay on it to move onward, and then it isn't fun anymore. But by then you're addicted, and you can't leave it."

In order to deal with her son's death and help other gamers avoid his fate, Woolley created On-Line Gamers Anonymous, a twelve-step program support web site devoted to helping online gamers quit gaming.


http://en.wikipedia.org/wiki/Shawn_Woolley
hm. irgendwie déjà-lu
__________________
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Dexter ist offline   Mit Zitat antworten
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