Rotkäpchen mal anders


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Alt 12.03.2005, 16:09   #1 (permalink)
Rotkäpchen mal anders

Hier einige umgeschrieben Versionen von Rotkäpchen. Auch wenn manche mal wieder eher für Naturwissenschaftler sind...

Zitat:
Rotkäppchen

(Version für Informatiker)

Es war einmal ein kleines, süßes Mädchen, das immer ein Käppchen aus rotem Samt trug. Aufgrund dieses Attributes erhielt es ein Assign unter dem symbolischen Namen "Rotkäppchen". Eines Tages sprach die Mutter: "Rotkäppchen, die Gesundheit deiner Großmutter hat einen Interrupt bekommen. Wir müssen ein Pflegeprogramm entwickeln und zu ihr bringen, um das Problem zu lösen. Verirre dich aber nicht im Wald der alten Sprachen, sondern gehe nur strukturierte Wege. Nutze dabei immer eine Hochsprache der 4. Generation, dann geht es der Großmutter schnell wieder gut. Und achte immer darauf, dass dein Pflegeprogramm transaktionsorientiert ist, damit es die Großmutter nicht noch mehr belastet".

Da der Weg zum Haus der Großmutter reentrent war, traf Rotkäppchen den bösen Wolf. Er tat sehr benutzerfreundlich, hatte im Background jedoch schon einen Abbruch programmiert. Während Rotkäppchen einen Goto ins Blumenfeld machte, ging der Wolf im Direktzugriff zur Großmutter und vereinnahmte sie unverzüglich durch einen Delete. Ohne zu zögern gab er sich den Anschein, kompatibel zu sein und nahm die logische Sicht der Großmutter an. Dann legte er sich in ihren Speicherplatz.

Kurz darauf lokalisierte auch Rotkäppchen die Adresse der Großmutter und trat in den Speicherraum. Vor der Installation des Pflegeprogramms machte Rotkäppchen sicherheitshalber einen Verify und fragte: "Großmutter, warum hast du so große Augen?"

"Weil ich zufriedene Endbenutzer gesehen habe."

"Großmutter, warum hast du so große Ohren?"

"Damit ich die Wünsche der User besser verstehen kann."

"Großmutter, warum hast du so ein entsetzlich großes Maul?"

"Damit ich dich besser canceln kann!"

Sprach's und nahm das arme Ding als Input.

Nach einem Logoff begab sich der Wolf zur Ruhe, schlief ein und begann laut zu schnarchen. Als der Jäger auf seinem Loop durch den Wald am Hause der Großmutter vorbei kam, sah er durch ein Window den Wolf im Bett liegen. "Finde ich dich hier, du alter Error", sprach er, "ich habe dich lange gesucht!" Als Kenner der Szene analysierte er sofort, dass nach den Regeln der Booleschen Algebra die Großmutter nur im Bauch des Wolfes sein konnte. Er nahm sein Messer, teilte den Bauch des Wolfes in mehrere Sektoren und machte, welch' Freude, Großmutter und das Rotkäppchen wieder zu selbstständigen Modulen.

Als Input für den leeren Bauch des Wolfes nahmen sie viele Kilobyte Steine und beendeten die Operation mit einem Close. Als der Wolf erwachte, verursachte ihm sein dermaßen aufgeblähter Hauptspeicher solche Schmerzen, dass er an einer Storage Violation jämmerlich zugrunde ging. Da waren alle vergnügt. Das Pflegeprogramm aktivierte die Großmutter. Rotkäppchen aber dachte: "Du willst dein Lebtag nie wieder einen Goto machen, sondern nur noch strukturierte Wege gehen, wie dir's die Mutter geboten hat."



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Autor: unbekannt

Quelle: "Muenchner Mailbox Presse", Nr. 10

toHTML: 1995-07-20 - Gunnar Anzinger <a@gksoft.com>


Aurora ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.03.2005, 16:11   #2 (permalink)
AW: Rotkäpchen mal anders

Rotkäppchen

(Version für Mathematik-Studenten)

Zitat:
Es war einmal ein Mädchen, dem wurde eineindeutig eine rote Kappe zugeordnet, wodurch es als Rotkäppchen definiert wurde.

"Kind", argumentierte die Mutter, "werde kreativ, mathematisiere die kürzeste Verbindung des Weges zur Großmutter, analysiere aber nicht die Blumen am Wege, sondern formalisiere deinen Weg in systematischer Ordnung." Rotkäppchen vereinigte einen Kuchen, eine Wurst und eine Flasche Wein zu einer Menge, hinterfragte nochmal den Weg und ging los. Im Walde schnitt ihr Weg den Weg eines Wolfes. Er diskutierte mit ihr über die Relevanz eines Blumenstraußes für die Großmutter und motivierte sie, einen geordneten, höchstens abzählbaren Strauß zu verknüpfen. Inzwischen machte der Wolf die Großmutter zu einer Teilmenge von sich selbst.

Als Rotkäppchen dann ankam, fragte sie: "Großmutter, warum hast du so große Augen?"

"Ich habe grade mein Bafög erhalten!"

"Großmutter, warum hast du so große Ohren?"

"Ich habe versucht, Prüfungsfragen durch die Tür zu erlauschen!"

"Großmutter, warum hast du so einen großen Mund?"

"Ich habe versucht, das Mensaessen zu schlucken!"

Daraufhin machte sich der Wolf zur konvexen Hülle von Rotkäppchen. Ein Jäger kam, sah die leere Menge von Großmüttern im Haus und problematisierte die Frage, bis sie ihm transparent wurde.

Dann nahm er sein Messer und machte aus dem Wolf eine Schnittmenge. Die im Wolf integrierten Personen wurden schleunigst von ihm subtrahiert. Zum Wolf wurde eine mächtige Menge von Steinen addiert. Er fiel in einen zylinderförmigen cartesischen Brunnen, bis seine Restmenge nicht mehr lebte.



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Autor: unbekannt

Quelle: "ftp://www.forwiss.uni-passau.de/pub/doc/hansen/deutsch/mathewitz/rotkaepchen.tex.gz"
(ursprünglich: Friedrich Wille: "Humor in der Mathematik", ISBN 3-525-40730-0)

toHTML: 1995-07-22 - Gunnar Anzinger <a@gksoft.com>


Aurora ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.03.2005, 16:13   #3 (permalink)
AW: Rotkäpchen mal anders

Rotkäppchen

(Version für Beamte)

Zitat:
Im Kinderfall unserer Stadtgemeinde ist eine hierorts wohnhafte, noch unbeschulte Minderjährige aktenkundig, welche durch ihre unübliche Kopfbekleidung gewohnheitsrechtlich Rotkäppchen genannt zu werden pflegt. Der Mutter besagter R. wurde seitens ihrer Mutter ein Schreiben zustellig gemacht, in welchem dieselbe Mitteilung ihrer Krankheit und Pflegebedürftigkeit machte, der Großmutter eine Sendung von Nahrungsmitteln und Genußmitteln zu Genesungszwecken zuzustellen.

Vor ihrer Inmarschsetzung wurde die R. seitens ihrer Mutter über das Verbot betreffs Verlassen der Waldwege auf Kreisebene belehrt. Dieselbe machte sich infolge Nichtbeachtung dieser Vorschrift straffällig und begegnete beim Übertreten des amtlichen Blumenpflückverbotes einem polizeilich nicht gemeldeten Wolf ohne festen Wohnsitz. Dieser verlangte in gesetzwidriger Amtsanmaßung Einsicht in das zu Transportzwecken von Konsumgütern dienende Korbbehältnis und traf in Tötungsabsicht die Feststellung, dass die R. zu ihrer verschwägerten und verwandten, im Baumbestand angemieteten Großmutter eilend war.

Da wolfseits Verknappung auf dem Ernährungssektor vorherrschend war, fasste er den Entschluss bei der Großmutter der R. unter Vorlage falscher Papiere vorsprachig zu werden. Weil diesselbe wegen Augenleidens krank geschrieben war, gelang dem in Fressvorbereitung befindlichen Untier die diesfallsige Täuschungsabsicht, worauf es unter Verschlingung der Bettlägerigen einen strafbaren Mundraub zur Durchführung brachte.

Ferner täuschte das Tier bei der später eintreffenden R. seine Identität mit der Großmutter vor, stellte ersterer nach und in der Folge durch Zweitverschlingung der R. seinen Tötungsvorsatz unter Beweis.

Der sich auf einem Dienstgang befindliche und im Forstwesen zuständige Waldbeamte B. vernahm Schnarchgeräusche und stellte deren Urheberschaft seitens des Tiermaules fest. Er reichte bei seiner vorgesetzten Dienststelle ein Tötungsgesuch ein, das dortseits zuschlägig beschieden und pro Schuss bezuschusst wurde. Nach Beschaffung einer Pulverschießvorrichtung zu Jagdzwecken gab er in wahrgenommener Einflussnahme auf das Raubwesen einen Schuss ab. Dieser wurde in Fortführung der Raubtiervernichtungsaktion auf Kreisebene nach Empfangnahme des Geschosses ablebig.

Die gespreizte Beinhaltung des Totgutes weckte in dem Schussgeber die Vermutung, dass der Leichnam Menschenmaterial beinhalte. Zwecks diesbezüglicher Feststellung öffnete er unter Zuhilfenahme eines Messers den Kadaver zur Totvermarktung und stieß hierbei auf die noch lebhafte R. nebst beigehefteter Großmutter. Durch die unverhoffte Wiederbelebung bemächtigte sich beiden Personen ein gesteigertes, amtlich nicht zulässiges Lebensgefühl, dem sie durch groben Unfug, öffentliches Ärgernis erregenden Lärm und Nichtbeachtung anderer Polizeiverordnungen Ausdruck verliehen, was ihre Haftpflichtigmachung zur Folge hatte.

Der Vorfall wurde von den kulturschaffenden Gebrüdern Grimm zu Protokoll genommen und starkbekinderten Familien in Märchenform zustellig gemacht. Wenn die Beteiligten nicht durch Hinschied abgegangen und in Fortfall gekommen sind, sind dieselben derzeitig noch lebhaft.



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Autor: Thaddaeus Troll

Quelle: "Muenchner Mailbox Presse", Nr. 10

toHTML: 1995-07-20 - Gunnar Anzinger <a@gksoft.com>
Aurora ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.03.2005, 16:13   #4 (permalink)
AW: Rotkäpchen mal anders

Haha, echt gut. Hab mal in nem deutschbuch eine Anmachgeschichte gelesen, die war auch so.
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--------- UNDER DESTRUCTION ---------
Mikklu ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.03.2005, 16:15   #5 (permalink)
AW: Rotkäpchen mal anders

Rotkäppchen in der DDR

Zitat:
Es gab vor einiger Zeit in Thüringen noch ein riesiges Waldstück, das noch nicht zu einem volkseigenen Erholungsgebiet für die werktätigen Massen umfunktioniert war. In diesem Waldstück lebte ein reaktionärer Wolf, den man nach der Kapitulation des faschistischen Hitler-Regimes nicht in eine staatliche Heilanstalt eingewiesen hatte.

An einem schönen Sommertag - man feierte gerade das 25-jährige Bestehen der sozialistischen Deutschen Demokratischen Republik - ging ein fortschrittliches Rotkäppchen ganz allein durch den Wald. Es trug ein blaues Hemdchen, ein gelbes Halstuch und ein rotes Käppchen auf ihrem Haar. Es wollte an diesem Festtag der linientreuen Großmutter dem Sozialismus zu Ehren russischen Wodka des sowjetischen Brudervolkes schenken.

Plötzlich begegnete ihm der böse faschistische Wolf. Er hatte eine rote Zunge, damit niemand etwas von seinen volksverhetzenden Absichten merkte. Rotkäppchen ahnte auch nichts Böses, weil sie meinte, einen ganz normalen proletarischen Hund vor sich zu haben.

"Es lebe Iljitsch", sagte der Wolf. "Wo gehst du denn hin?"

"Ich gehe zu meiner Großmutter in den Veteranenclub der Volkssolidarität", antwortete Rotkäppchen.

"Aha", sprach der Wolf, "dann bringe ihr doch zu Ehren unserer proletarischen Bewegung ein Blumensträußchen mit, das du im nahen von Jungpionieren angelegten Lenin-Park pflücken kannst."

Das tat Rotkäppchen dann auch. Der faschistoide Wolf jedoch eilte in den Veteranenclub, fraß den bürgerlich-korrupten Portier, verschlang die sozialistische Großmutter, schlüpfte in ihre Kleider, steckte sich die Aktivistennadel an und legte sich ins Bett.

Da kam auch schon das Rotkäppchen zur Tür herein und fragte: "Nun, liebe fortschrittliche Großmutter, wie geht es dir?"

Der Wolf versuchte die volksnahe Stimme der Großmutter nachzuahmen und antwortete: "Gut, mein liebes Kind."

Rotkäppchen fragte erstaunt: "Warum sprichst du heute so bürgerlich-kapitalistisch zu mir?"

"Ach, die Rednerausbildung am Vormittag hat mich zu sehr beansprucht", antwortete der Wolf.

"Aber Großmutter, was hast du für große Ohren?"

"Damit ich das Geflüstere der imperialistischen Volksfeinde besser hören kann."

"Was hast du denn für große Augen?"

"Damit ich die CIA-Schergen besser sehen kann."

"Was hast du denn für einen großen Mund?"

"Du weißt doch, dass ich im ZK der Partei tätig bin!"

Und mit diesen Worten fraß der Wolf das arme Rotkäppchen, legte sich wieder ins Bett, schlief in seiner verantwortungslosen Art sofort ein und schnarchte laut.

Da ging draußen eine Delegation der FDJ vorbei, ein munteres sozialistisches Lied auf den Lippen. Die FDJler hörten das Schnarchen des Wolfes und dachten: "Wie kann eine volksdemokratische Großmutter nur so imperialistisch-subversiv schnarchen?" Und als der Delegationssprecher nachsah, fand er den Wolf, ließ eine Kalaschnikow holen und schoss ihn - obwohl er nicht in der Betriebskampfgruppe war - auf eigene Verantwortung tot.

Dann schlitzte er ihm den Bauch auf und fand Großmutter und Rotkäppchen noch lebend. Um den bourgeois-dekadenten Portier kümmerte er sich nicht, der war ja auch schon fast verdaut.

War das eine Freude! Der Wolf wurde dem VEB Konservenkombinat zugewiesen und zu Fleisch im eigenen Saft verarbeitet. Der Delegationssprecher durfte an der Uniform den Orden "Held der sozialistischen Arbeit" tragen, Rotkäppchen kam auf die Einheitsliste der Nationalen Front und ist heute Kandidatin des ZK der SED, und die Großmutter durfte in einem sozialistischen Freundschaftslager in der VR Kuba vier Wochen lang Feldarbeit für den sozialistischen Aufbau leisten.



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Autor: Michael Moeskes

Quelle: "ftp://www.forwiss.uni-passau.de/pub/doc/hansen/deutsch/witz/rotkaeppchen-ddr.gz"

toHTML: 1996-08-11 - Gunnar Anzinger <a@gksoft.com>
Quelle für alle: http://www.gksoft.com/a/fun/

Die DDR Version finde ich persönlich nicht sooo lustig, war aber nun mal in der Reihe mit drin.
Aurora ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.03.2005, 18:28   #6 (permalink)
AW: Rotkäpchen mal anders

alt
alt
alt

Ich hab das schon gut zwei Jahre auf meienr platte liegen und hab dazu noch eine Version vom Adolf und von Ringelnatz.

Nunja egal, erfreut euch dran.
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Der Himmel ist deshalb so grau, weil alles Blaue schon heruntergelogen wurde.
richieguitar ist offline   Mit Zitat antworten

Alt 13.03.2005, 18:33   #7 (permalink)
AW: Rotkäpchen mal anders

Spielverderber :|
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--------- UNDER DESTRUCTION ---------
Mikklu ist offline   Mit Zitat antworten
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