Selbstreflexivität


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Alt 14.01.2005, 17:12   #1 (permalink)
Selbstreflexivität

so ich hab wieder ne neue idee zum diskutieren... zum einen dem studium sei dank... ist wohl doch zu etwas gut...

so, vielen von euch wird der begriff selbstreflexivität in bezug auf literatur nur wenig sagen... aber das macht nix... könnt ja gerne mal dazu sagen, was das eurer meinung nach ist... wenn ihr wollt...

mir gehts aber eher darum... die selbstreflexivität des autors in seinen werken... das lässt sich wie folgt kurz und knackig erklären:

jeder hat ja schoma irgendwas geschrieben... sei es ein gedicht, eine kurzgeschichte oder meinetwegen den versuch gestartet einen roman zu schreiben... ob das bewusst oder unbewusst passiert sei mal dahingestellt, aber oft ist es so, dass der autor sich in sein werk miteinbringt... er relfektiert sich hinein sozusagen...

und so kommn wir zur eigentlichen frage:

hbt ihr das auch schon erlebt, dass ihr euch mit in eines eurer werke geschrieben habt? viell ist es am interessantesten in bezug auf prosa, wobei die lyrik ja ebenfalls nicht zu verachten ist, da das lyrische ich nicht gleich auf den autor übertragen werden darf...

so dann lasst mal hören welche erfahrungen ihr damit gemacht habt... bin sehr gespannt...
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Ich glaube eher an die Unschuld einer Hure, als an die Gerechtigkeit der deutschen Justiz!

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Schattentaenzerin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.01.2005, 09:59   #2 (permalink)
AW: Selbstreflexivität

ok dann mach ich wieder den anfang... hab noch n paar minuten ebvor ich zum bahnhof muss...

also die meisten meiner gedächte sind auf jeden fall selbstreflexiv... ich schreibe meist über erfahrungen, gefühle, erlebnisse, was auch immer... übermenschen, die mir nahe stehen und nahe standen... das lyrische ich in den meisten fällen kann ich getrost auf mich selbst beziehen und das ist auch pure absicht... im fall meiner trigger-reihe momenan kann mans auch irgendwo auf mich beziehen... ich befinde mich auf einem trip ausgelöst durch meine derzeitige lieblingsband aus dem industrialbereich... knallharte rhythmen, einschlägige filmsamples... und so... und da ich sowieso eine kranke phantasie hab geht das auch ganz gut... die macht der vorstellung eben...

was die kategorie prosa bzw epik betrifft kann man das nich immer... ich hab einige kurzgeschichten mit personalem er-erzähler geschrieben... sowohl aus männlih wie auch aus weiblicher sicht... da hab ich mich keineswegs hineinreflektiert... das waren bloße ideen, die mir irgendwo mal kamen... oder auf die phantastischen chats bezogen... meine hauptfigur "gwen" ist nicht identisch mit mir... keineswegs... das liegt nicht nur an den verschiedenen spielorten und hintergrundgeschichten... mir ist wzar aufgefallen dass ich immer irgendwo die schlitzerei eingebracht hab bei dieser person aber dennoch hat sie rein gar nichts mit mir zu tun... ebenso mein buch, an dem ich derzeit arbeite... "roxanne" ist bisher viell ich... das liegt an der erfahrung bzw an dem erlebnis das ich momentan darin verarbeite... aber trotzdem nicht identisch mit mir... das einzgie, was eben auf jeden fall auf mich zu reflektieren wäre ist diese geschichte, um die es geht...

meist ach was heisst meist? eigentlich immer... ich bringe mich immer bewusst mit ein... gelegentlich lassen sich parallelen zu mir schließen, die ich gar nicht bemerkte, die entstanden dann aber immer unterbewust ohne mein bewusstes wissen.. sonst schreibe ich mich immer bewusst mit ein... so das wars von mir... jetzt dürft ihr... ich hoffe es kommt noch was... aber ich blicke dem einfach mal positiv entgegen...
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Schattentaenzerin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.01.2005, 16:13   #3 (permalink)
AW: Selbstreflexivität

hm, also wenn ich einen Lebenslauf schreibe, dann bringe ich mich da in gewissem maße mit selbst ein
Ventus ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.01.2005, 18:50   #4 (permalink)
AW: Selbstreflexivität

ich studier ja kommunikationswissenschaften.
auf unserem ersti-wochenende hatten wir dann so verschiedene workshops.
ich hab beim kreativen schreiben mitgemacht. wir hatten dann ein paar begriffe und mussten dazu innerhalb von 5 minuten ne kurzgeschichte schreiben und vorlesen.
ich fand es total krass, wieviel da von den eigenen gedanken und einstellungem mit reingebracht wird und wieviele unterschiedliche ergebnisse es zu den gleichen begriffen gab. war irgendwie voll persönlich, das dann vorzulesen. hätt ich nicht gedacht.

und ich denke mal bei gedichten ist es z.b. eigentlich unmöglich, sich selbst da raus zu lassen...es wird immer irgendwo die eigene einstellung etc transportiert oder man stellt sich bzw seine situation irgendwie selnbst dar.
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spaceangel ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.01.2005, 19:22   #5 (permalink)
AW: Selbstreflexivität

Ha! Da ich übernächste Woche mein Wissen beweisen muss, was ich bei meinen spärlichen Besuchen der Literaturwissenschaftsvorlesung erlangt habe (oder auch nicht) kann ich mich hier ja mal selber testen.

Die beinahe einheitlich vertretene Meinung über die Selbstreflexion als Literaturgegenstand ist die, das der Autor nicht ohne die eigenen Erfahrungen und den Bezug auf sich selber (sei's bewusst oder unbewusst) Literatur schaffen kann. In der deskriptiven Poetik wird Literatur ebenfalls immer als ein Nachahmen der Natur beschrieben. Das nennt man dann "Mimesis" und heisst soviel wie "auf der Grundlage bestehender Dinge, ein Werk erschaffen, dass sie nicht imitiert sondern ihnen gerecht wird". Das impliziert sozusagen die Selbstreflexion des Autors, da dieser nur schreiben kann, was er kennt und womit er (interaktive) Erfahrungen gesammelt hat, die sein Wesen beeinflusst haben. Ferner ist der erste Schritt zum Erschaffen eines Werks immer den Impuls, der aus der Erfahrung kommt und die Inspiration zu einer Idee liefert.

Ergo ist Literatur (in welcher Form und Gattung auch immer) ohne Selbstreflexion nicht möglich. Sie kann mehr oder weniger offensichtlich erscheinen, aber auch versteckt. Letzteres zum Beispiel bei Science Fiction.

Wenn ich mal was schreibe, dann hat's immer (nur?) mit mir zu tun. Liegt zum einen daran, dass ich schreibe um Erlebnisse oder Gedanken festzuhalten, zum anderen weil es für mich eine Möglichkeit ist, meine Situation klarer zu erkennen. Demnach spielt der Threadtitel bei mir immer eine grosse Rolle, die mir sehr bewusst ist.
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Spreeward ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.01.2005, 00:12   #6 (permalink)
AW: Selbstreflexivität

Zitat:
Zitat von Spreeward
Die beinahe einheitlich vertretene Meinung über die Selbstreflexion als Literaturgegenstand ist die, das der Autor nicht ohne die eigenen Erfahrungen und den Bezug auf sich selber (sei's bewusst oder unbewusst) Literatur schaffen kann.
oh doch, das kann der autor sehr wohl... als beispiel möchte ich hier ernst jüngers roman "sturm" aufführen... der protagonist leutnant sturm ist keineswegs mit dem autor ernst jünger identisch... da sprechen zu viele aspekte dagegen... es mag sein, dass man erfahrungen miteinbringt, aber in diesem fall, und es sollte ja größtenteils einen bezug zu sich selbst haben, autor=person im roman sozusagen, ist dem nicht nur... das einzig identische daran ist das szenario... der krieg... mehr nicht... sturm ist reine fiktion... und so könnte man auch gleich wieder zur autorschaft übergehen, aber ich möchte hier niemanden überfordern, da autorschaft zu einem bösen thema werden könnte und wenn man ndl nicht unbedingt studiert wirds komplizeirter... darum lass ich das vorerst mal...

Zitat:
In der deskriptiven Poetik wird Literatur ebenfalls immer als ein Nachahmen der Natur beschrieben. Das nennt man dann "Mimesis" und heisst soviel wie "auf der Grundlage bestehender Dinge, ein Werk erschaffen, dass sie nicht imitiert sondern ihnen gerecht wird".
sehr schön... also dass du was gelernt hast merkt man...

Zitat:
Das impliziert sozusagen die Selbstreflexion des Autors, da dieser nur schreiben kann, was er kennt und womit er (interaktive) Erfahrungen gesammelt hat, die sein Wesen beeinflusst haben. Ferner ist der erste Schritt zum Erschaffen eines Werks immer den Impuls, der aus der Erfahrung kommt und die Inspiration zu einer Idee liefert.
diesen teil möchte ich mal frecherweise auf mich selbst beziehen... man kann auch ohne jegliche erfahrung schreiben... als beispiel dafür führe ich einfach mal diverse trigger-gedichte aus meiner feder stammend auf... mit dieser art hab ich definitiv null erfahrung, schreibe aber als lyrisches ich... ich wurde bisher nie aufgeschlitzt, misshandelt oder verbrannt... aber durch mine kranke phantasie kann ich trotzdem darüber schreiben... und das ruft bestimmt die bösen geister der autorschaft auf den plan... auch auf irgendwelche filmerlebnisse ist das nicht zurückzuführen, da ich filme nicht mag... meine lieblingsfilme sind größtenteils komödien, gibt zwar auch n paar nette splatter/horror aber naja, wie gesagt, filme haben mich noch nie beeinflusst... das passt nicht zu mir... also kann mand as so nicht direkt sagen... das soll nur mal widerlegen dass es auch anders geht... da diese drei themen, wenn ich das so bezeichnen darf, hauptgegenstände meiner trigger sind... null erfahrung, also darf man nicht immer vom erfahrungswert ausgehen...

Zitat:
Zitat von spaceangel
und ich denke mal bei gedichten ist es z.b. eigentlich unmöglich, sich selbst da raus zu lassen...es wird immer irgendwo die eigene einstellung etc transportiert oder man stellt sich bzw seine situation irgendwie selnbst dar.
auch das funktioneirt bestens... ich gehe in solchen dingen immer zu erst von mir aus... studien hin oder her... ich kann mich für alles mögliche als beispiel nehmen, dass es auch anders geht... hm das wär doch ein nettes thema für meine abschlussarbeit zum studienende hin... *g* lang ists hin... jedenfalls kann ich von mir behaupten, dass es auch anders geht.... nicht alles was ich schreibe hat auch nur den geringsten bezug zu mir... mittlerweile erkennt man das nur nicht, weil ich schon ewig nicht mehr in diese richtung auf halbwegs anständigem wege geschrieben habe... aber eingie ältere gedichte aus dem vergangenen jahr oder vom vorletzten müssten das belegen können... mir fällt jetzt zwar auf anhieb nix ein, aber is ja scho spät oder früh am morgen... mitten in der nacht oder wie auch immer... es geht jedenfalls... da soll mir mal ein dozent kommen und mir beweisen, dass das bei mir nicht der fall ist so wie ich mich jetzt erklärt hab... da wäre ich gespannt... *g*

aber schön, dass sich doch noch n paar beteiligen...
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Schattentaenzerin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.01.2005, 05:20   #7 (permalink)
AW: Selbstreflexivität

also ich bin auch der meinung das man sich nicht in allen werken selbst reflektiert, das es manchmal einfach themen gibt die ein werk von mir verlangen. natuerlich muss ich sagen das es einfach ist sich selbst in seinen werken zu reflektieren, aber halt nicht immer. ich habe auch schon einige male geschrieben ohne wirklich erfahrung mit dem thema gemacht zu haben.
deswegen schreibe ich eigentlich auch nicht in der ich form - da es halt falsch verstanden werden koennte, oder wenn es auf mich zutrifft muss ees ja auch nciht immer jeder wissen. die leute die mich kennen wissen was erfahrung und was "nur" geschrieben ist.
ich habe das gefuehl das ich jetzt jede menge bloedsinn geschrieben habe und mich keiner verstehen wird, aber gut vielleicht sind meine gedanken im moment nur wirr und der text ist einiger massen verstaendlich...
okomi ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.01.2005, 09:53   #8 (permalink)
AW: Selbstreflexivität

ich tippe mal, dass deine gedanken allenfalls wirr sind... ich verstehe sehr gut was du meinst... ist bei mir ja eigentlich auch nicht anders.. nur wirds bei mir etwas komplizierter je nach thema herauszulesen, was fiktion und was reele erfahrung ist... das wird mittlerweile nicht mehr ganz deutlich... vor allem, wer hier oder generell welcher leser kann sagen dass er mich zu 100% kennt und weiss, das war so und das nicht... ich weiss, was fiktiv ist und was nicht... allerdings wundere ich mich manchmal auch...

das lyrische ich ist doch toll! man kann so wunderbar verwirrung damit stiften, da jeder aus reflex dieses lyrische ich auf den autor bezieht... einer der größten und meinetwegen schlimmsten fehler, die man nur machen kann... ich benutze es mittlerweile sehr, sehr gerne... so wird es etwas verschwommener, ob ich das nun wirklich bin oder ob das einfach nur fiktion ist.. das gefällt mir so sehr daran... auf die er-form kann ich mittlerweile allerdings kaum noch zurückgreifen... irgendwie ist mir diese form zuwider, jedenfalls wenn ich schreibe...
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Schattentaenzerin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.03.2005, 16:52   #9 (permalink)
AW: Selbstreflexivität

...so, ich hol mal das thema hoch...interessant, was man hier so liesst, besonders das von spreeward... hatte so was noch nie bewusst irgendwie gedacht und wenn einem das so konkret vorgehalten wird, muss man selbst gestehen, dass es wirklich so ist.

auch gerade eben wegen der selbstreflektivität werden alle gedichte unikat und so besonders...und das ist überhaupt das schönste daran =))

zu taenzerin
...dass mit der er-perspektive:
am anfang hab ich das auch nie benutzt...die gedichte waren mir dadurch einfach zu fern und fremd... aber in letzter zeit benutzt ich das häufiger... um es objektiver zu sehen... um es von einem wegzuhalten... das klingt zwar etwas komisch, aber es ist irgendwie auch beruhigend...
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You'll never know if you don't go
You'll never shine if you don't glow...
Callisto ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.07.2005, 16:33   #10 (permalink)
AW: Selbstreflexivität

Ich definiere Selbstreflexivität mal folgendermaßen:

Jeder Autor, egal ob von einem Gedicht, einer Geschichte o.ä. bringt sich selber ein. Mehr oder weniger - es kann sein, dass z.B. die Hauptfigur in einer Geschichte dem Autor sehr oder (auch möglich) überhaupt nicht ähnlich ist.
Gedichte kann man, finde ich, kann man nur schreiben, wenn man etwas beschreibt, was man selber erlebt hat bzw. was man sich (aufgrund ähnlicher Erfahrungen vielleicht?) gut vorstellen kann (um Mal auf Schattentaenzerins Bemerkung zurückzukommen, sie wisse auch ohne aufgeschlitzt oder ähnliches worden zu sein, wie weh das tun muss. )
Damit erübrigt sich die dann die Frage der Selbstreflexivität.

(Ich habe auch schon Gedichte geschrieben, die keinerlei emotionalen Hintergrund hatten; selbige waren qualitativ aber auch schlechter als die anderen.)

Wenn ich schreibe...suche ich bei GEDICHTEN:
Eine Sitaution, Emoition,ein Erlebniss und bgeinne, draufloszuschreiben....
bei GESCHICHTEN sind es wahrscheinlich Dinge im Unterbewusstsein, die ich gerne Erlbenewürde/erlebtes, was ich einbaue. Charaktere sind bei MIR (wie ich im Nachinein feststelle) so aufgebaut, dass sie in Sitautionen, wo ich überfordert wäre, richitg handlen; gewissemaßen spielt eine Menge Wunschdenken hinein.

Man sieht - ich komme ohne diese Art der Selbsreflexivität gar nicht aus.
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[danichmehrsolangedagweesenregelnichgeleseundja]
Demima ist offline   Mit Zitat antworten
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