Streiken oder nicht?


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Alt 12.03.2006, 10:13   #1 (permalink)
Streiken oder nicht?

Mich würde mal interessieren wie Ihr zum Thema Streik steht, ist ja gerade aktuell. Auch wenn es hier im BP viele Studenten zu geben scheint, werden auch diese Mitmenschen irgendwann vollständig/nur im Arbeitsleben stehen.
Natürlich könnt Ihr auch zum aktuellen Arbeitskampf von ver.di Stellung nehmen.
Meine Meinung werde ich zum gegebenen Zeitpunkt genauer erläutern, vorab nur soviel: Ich bin für diesen (von ver.di) Streik!
So, jetzt können mich die Streikgegner torpedieren .
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»Einschlafen, fühl ich, will das Ding, die Seele,
Und näher kommt die rätselhafte Nacht!«
von Theodor Storm(1817-1888) aus "Ein Sterbender"
Ummon ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.03.2006, 12:19   #2 (permalink)
AW: Streiken oder nicht?

Zitat:
Zitat von Ummon
Mich würde mal interessieren wie Ihr zum Thema Streik steht, ist ja gerade aktuell. .
Also generell sind Streiks eine sinnvolle Waffe im Kampf um mehr Rechte und mehr Lohn.
Allerdings fällt mir auf das die Gewerkschaften irgendwie an Macht und Einfluß verlieren.Oftmals graben die Menschen sich mit einem Arbeitskampf selbst das Wasser ab.
Ein Konzern wie AEG z.B.,der den Vorsatz hat,seine Produktion nach Polen zu verlegen,verliert sicher eine Menge Geld wenn er bestreikt wird.Allerdings dürfte ein solcher Streik nicht förderlich sein.Dieser Streik unterstützt,im Gegenteil,den Beschluß,die Produktion in ein Land zu verlegen in dem die Belegschaft wesentlich pflegeleichter ist.
Mein Bruder hat in seiner Firma in den letzten 6 Jahren Lohneinbußen von ca.600€ gehabt,wohlgemerkt bei gleicher Arbeitszeit und Leistung.
Und weißte,er ist immer noch froh überhaupt Arbeit zu haben.Seine Kollegen und er nehmen das in Kauf,weil sie so mehr Geld verdienen als wenn sie auf der Straße stehen,weil die Firma nach Polen abwandert.
(@coold blood:
um es vorweg zu nehmen,mein Lieber,nein,es hat niemand Lust nach Polen der Arbeit hinterher zu ziehen)
Ich denke, das auf Grund der Globalisierung den Gewerkschaften ein entscheidendes Werkzeug im Kampf um die Rechte der Arbeitnehmer genommen wurde.
Das beste Beispiel dürften die Arbeitsbedingungen in den USA sein.Wirkliche Rechte haben die Menschen nicht mehr,weil es zu wenig Stellen und zu viele Arbeitssuchende gibt.Wenn dir irgendwelche Bedingungen nicht passen...geh doch....es gibt tausende die deinen Job übernehmen.
Und so ist es hier auch.
ArminMeiwesTorsogeil ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.03.2006, 14:37   #3 (permalink)
AW: Streiken oder nicht?

Zitat:
Zitat von ArminMeiwesTorsogeil
Also generell sind Streiks eine sinnvolle Waffe im Kampf um mehr Rechte und mehr Lohn.
Allerdings fällt mir auf das die Gewerkschaften irgendwie an Macht und Einfluß verlieren.
Mir persönlich ist aufgefallen, das die Berichterstattung (und nicht nur in diesem Streik) sehr einseitig erfolgt.
Als Außenstehender hört man meist nur Negatives, übrigens von fast allen Medien, und zwar in einer Form die mit Neutralität nichts mehr zu tun hat.
Ich habe das Gefühl als hätten auch für ihre kritische Haltung bekannte Reporter einen Maulkorb verpasst bekommen.

Zitat:
Ein Konzern wie AEG z.B.,der den Vorsatz hat,seine Produktion nach Polen zu verlegen,verliert sicher eine Menge Geld wenn er bestreikt wird.Allerdings dürfte ein solcher Streik nicht förderlich sein.Dieser Streik unterstützt,im Gegenteil,den Beschluß,die Produktion in ein Land zu verlegen in dem die Belegschaft wesentlich pflegeleichter ist.
Wäre es denn ohne Streik nicht zu einem Standortwechsel gekommen?
Solch ein Streik soll, unter anderem, ja eben dieses geplante Vorhaben veröffentlichen. Konzerne wie AEG werden solche Pläne nicht veröffentlichen wollen, dies könnte einen Image-Schaden nach sich ziehen.

Zitat:
Mein Bruder hat in seiner Firma in den letzten 6 Jahren Lohneinbußen von ca.600€ gehabt,wohlgemerkt bei gleicher Arbeitszeit und Leistung.
Und weißte,er ist immer noch froh überhaupt Arbeit zu haben.Seine Kollegen und er nehmen das in Kauf,weil sie so mehr Geld verdienen als wenn sie auf der Straße stehen,weil die Firma nach Polen abwandert.
Ist Dein Bruder gewerkschaftlich Organisiert?
Konnten er und seine Kollegen etwas gegen die Lohneinbußen tun? Wenn man solche Lohnkürzungen hinnimmt, wo soll denn daß enden. Bei einem, bisher noch nicht vorhandenem, Mindestlohn? Und wovon will man dann noch Leben?

Zitat:
Ich denke, das auf Grund der Globalisierung den Gewerkschaften ein entscheidendes Werkzeug im Kampf um die Rechte der Arbeitnehmer genommen wurde.
Merwürdig ist, gerade in den heutigen Zeiten, das die arbeitenden Menschen den Gewerkschaften nicht die Türen einlaufen.
Die Globalisierung ist ein beliebt genutztes Instrument der Arbeitgeber/Unternehmer um schlechte Finanzlagen begründen zu können.
Ob sie aber wirklich der Grund ist, bleibt vielen verborgen, da die eigentliche Ursache nicht aufgedeckt werden muß bzw. braucht.
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Ummon ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.03.2006, 15:23   #4 (permalink)
AW: Streiken oder nicht?

Off-Topic:
Ich hätte da mal ne kurze Frage am Rande: Wie ist das wenn man in den Streik tritt (ob man will oder nicht)…muss man sich dafür Urlaub nehmen? Oder wie wird das gehandhabt?

Denn meine Freundin (Arzthelferin) wird von ihrer Chefin zwei Tage in Streik geschickt und muss sich dafür Minusstunden aufschreiben)
overdose ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.03.2006, 16:08   #5 (permalink)
AW: Streiken oder nicht?

Off-Topic:
@ overdose: also, ich kenn mich da nich so aus, aber eigentlich is der sinn eines streiks doch, dass man die arbeit verweigert um seine forderungen durchzusetzen und druck zu machen. außerdem is streiken ein grundrecht, solange es (von gewerkschaften) organisiert wird. ich glaub nich, dass man dafür urlaub nehmen muss, dass würde ja irgendwie dem sinn entgegensprechen...
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,,Wenn du brillant über ein Problem reden kannst, scheint das Problem bereits gelöst zu sein.''

-Stanley Kubrick-
Gulliver ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.03.2006, 17:20   #6 (permalink)
AW: Streiken oder nicht?

Nein, da musst du keinen Urlaub nehmen. Wirst ja auch nicht bezahlt vom Arbeitgeber während du streikst sondern bekommst Streikgeld.
__________________
Ladida
Manni ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.03.2006, 17:40   #7 (permalink)
AW: Streiken oder nicht?

[
Zitat:
Als Außenstehender hört man meist nur Negatives, übrigens von fast allen Medien, und zwar in einer Form die mit Neutralität nichts mehr zu tun hat.
Ich habe das Gefühl als hätten auch für ihre kritische Haltung bekannte Reporter einen Maulkorb verpasst bekommen
.

könnte ja daran liegen das Menschen die 70,80std und mehr in der Woche arbeiten müssen,das Verständmis für die Streikenden fehlt


Zitat:
Wäre es denn ohne Streik nicht zu einem Standortwechsel gekommen?
Solch ein Streik soll, unter anderem, ja eben dieses geplante Vorhaben veröffentlichen. Konzerne wie AEG werden solche Pläne nicht veröffentlichen wollen, dies könnte einen Image-Schaden nach sich ziehen.
warscheinlich nicht,es wäre zwar zu einer massiven Maßenentlassung gekommen,doch es hätte eine Chance bestanden,den Betrieb zu erhalten.



Zitat:
Ist Dein Bruder gewerkschaftlich Organisiert?
Konnten er und seine Kollegen etwas gegen die Lohneinbußen tun? Wenn man solche Lohnkürzungen hinnimmt, wo soll denn daß enden. Bei einem, bisher noch nicht vorhandenem, Mindestlohn? Und wovon will man dann noch Leben?
Mein Bruder ist LKW-Fahrer.In dieser Branche gibt es so gut wie keine Lobby.Er arbeitet teilweise mehr als 90 Std die Woche,steht ständig mit einem Bein im Knast.

Zitat:
Merwürdig ist, gerade in den heutigen Zeiten, das die arbeitenden Menschen den Gewerkschaften nicht die Türen einlaufen.
Die Globalisierung ist ein beliebt genutztes Instrument der Arbeitgeber/Unternehmer um schlechte Finanzlagen begründen zu können.
Ob sie aber wirklich der Grund ist, bleibt vielen verborgen, da die eigentliche Ursache nicht aufgedeckt werden muß bzw. braucht
Da ist gar nichts merkwürdiges dran.Die Menschen tun alles um bei ihrem Arbeitgeber nicht negativ aufzufallen (siehe auch rückläufige Krankmeldungen).
Wenn du nicht funktionierst kannst du gehen...sind doch genug Leute vor der Tür die deinen Job machen können...

@overdose:
Ob gestreikt wird oder nicht wird in einer Ur-Abstimmung festgelegt.Ab dem Tag der Arbeitsniederlegung wird auch kein Lohn mehr gezahlt.
Streik ist ein unbezahlter Ausstand,d.h.die Streikenden müssen eigentlich von ihrem Ersparten leben.Das hieße für Arbeitnehmer ohne Rücklagen eigentlich das sie keine Möglichkeit zum Streik haben.
Da nicht jeder Arbeitnehmer über diese Möglichkeit verfügt,und damit die Arbeiter trotzdem die Möglichkeit zum Streik haben,ohne ihre Existenz zu verlieren,haben die Gewerkschaften eine Streikkasse.Daraus bekommen die Arbeiter im Ausstand Geld.Ist die Kasse irgendwann leer....sieht´s schlecht aus.
Urlaub wird nicht abgezogen...gibt schließlich auch kein Urlaubsgeld.
ArminMeiwesTorsogeil ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.03.2006, 14:25   #8 (permalink)
AW: Streiken oder nicht?

Zitat:
Zitat von ArminMeiwesTorsogeil
könnte ja daran liegen das Menschen die 70,80std und mehr in der Woche arbeiten müssen,das Verständnis für die Streikenden fehlt
Also wenn Arbeitnehmer 70 oder sogar 80 Stunden die Woche arbeiten würden, müssten sie dann ja über 14 Stunden am Tag (bei einer 5-Tage-Woche) arbeiten.
Das ist aber laut Arbeitszeitgesetz nicht zulässig (ArbZG § 3).
Ich wollte aber auf das negative Bild, welches die Presse/die Medien meiner Ansicht nach von diesem Streik malen, hinweisen.

Zitat:
Die Menschen tun alles um bei ihrem Arbeitgeber nicht negativ aufzufallen (siehe auch rückläufige Krankmeldungen).
Wenn du nicht funktionierst kannst du gehen...sind doch genug Leute vor der Tür die deinen Job machen können...
Was meinst Du mit "rückläufige Krankenmeldungen" ?
Dieser Begriff ist mir nicht geläufig.
Klar, man tut viel um nicht negativ aufzufallen, aber wieviel kann/will man selbst ertragen, und wie weit lässt man diesen Mißbrauch an der eigenen Person und den Kollegen zu? Hier ist die Solidarität der Beschäftigten untereinander gefordert. Dies ist mit Gewerkschaften natürlich einfacher.
Kleine und mittelständische Betriebe aber können evtl. nicht mal einen Betriebsrat gründen um die Interessen der Beschäftigten zu wahren,
daß schmälert die Erfolgchancen die eigenen Interessen mit genügend Nachdruck zu bestärken.
Ungenügend Arbeitsplatzangebote und eine steigende Anzahl der Arbeitssuchenden verlängern den Hebelarm der Arbeitgeber und führen dazu, daß auch große Gewerkschaften, wie z.B. ver.di oder IG-Metall, Kompromisse eingehen müssen, welche sie lieber scheuen würden, um die vorhandenen Arbeitsplätze zu sichern.
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Ummon ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.03.2006, 16:21   #9 (permalink)
AW: Streiken oder nicht?

Zitat:
Also wenn Arbeitnehmer 70 oder sogar 80 Stunden die Woche arbeiten würden, müssten sie dann ja über 14 Stunden am Tag (bei einer 5-Tage-Woche) arbeiten.
Das ist aber laut Arbeitszeitgesetz nicht zulässig (ArbZG § 3).
Sorry,da bist du aber etwas fern der Realität.Die zulässige Schichtzeit(nicht Lenkzeit),also der Arbeitstag darf bei einem LKW-Fahrer 15 Stunden betragen.Davon darf er mit Unterbrechungen 9 bzw.10 Stunden täglich fahren.Die restlichen 5 -6 Stunden verteilen sich auf Be-u.Entladetätigkeiten,sowie Pausen.Bei einer Arbeitswoche von 6Tagen (Beginn Sonntag Abend 22.00Uhr bis Samstag Nachmittag) komme ich mal locker auf 90(!!!!) Stunden wöchentlich.
Erschwerend kommt hinzu,das Überschreitungen der Lenk-u.Ruhezeiten im internationalen Fernverkehr ,trotz strenger Ahndung,absolut die Regel bilden.
Fahrer sitzen nicht selten bis zu 30 Stunden ununterbrochen am Steuer.Die Fahrer stehen ständig mit einem Bein im Gefängnis.Da kann es sich kaum einer leisten sein Pensum nicht zu schaffen.So ein LKW kostet ca.12-13000€/mtl.
Da hat der Unternehmer aber noch kein Geld verdient.Die Kohle mußt du erst mal reinfahren....(gnadenloses Preisdumping,Spritpreis und LKW-Maut machen es den Fahrern zusätzlich schwer).

Zitat:
Was meinst Du mit "rückläufige Krankenmeldungen" ?
Dieser Begriff ist mir nicht geläufig.
Der Begriff ist gar nicht neu.Die Krankenkassen stellen ja nun mal zu allem und jedem Statistiken auf.Unter anderem hat man als einen Grund der Rekordgewinne der jüngsten Vergangenheit festgestellt,das sich die Anzahl der Krankmeldungen/Krankenscheine um >18% abgenommen hat.
Der bei vielen Arbeitnehmmern so beliebte "Montag-Morgen-Arzt-Besuch",oder die Verlängerung des Wochenendes ,"Freitag-Morgen-Arzt-Besuch",- das traut sich kaum noch jemand.
Im Gegenteil,die Menschen gehen heutzutage noch mit wesentlich stärkeren Krankheitssymptomen weiter arbeiten,als vor 3-4 Jahren.Kannst du alles nachlesen,diese Statistiken sind öffentlich (links kenne ich leider nicht).

Zitat:
Klar, man tut viel um nicht negativ aufzufallen, aber wieviel kann/will man selbst ertragen, und wie weit lässt man diesen Mißbrauch an der eigenen Person und den Kollegen zu? Hier ist die Solidarität der Beschäftigten untereinander gefordert.
Wenn du die Frage erlaubst,welchen Beruf hast du?
Wenn du eine Familie hast,Kinder,Schulden,vielleicht noch ein Haus gebaut,
evtl.Unterhaltsverpflichtung bei Scheidung,...wie weit wirst DU denn gehen?
Wie solidarisch verhälst du dich in einer solchen Lebenssituation (vielleicht droht ja noch eine kleine Entlassungswelle in deiner Firma -Kostenoptimierung wg.Aktiendividenden ) gegenüber deinen Kollegen?
Oder wird ein Kollege für dich auf seinen Arbeitsplatz verzichten?
Wo bleibt denn da die Solidarität?
Im Ergebnis sind wir uns einig.Am Ende steht eine Macht-u.Handlungsunfähige Gewerkschaft.Sicher nicht Morgen---aber sicher in nächster Zukunft.
Der Sozialismus hat sich selbst überholt.Beim Kapitalismus dauert das ungleich länger,ist aber ebenso unausweichlich.
ArminMeiwesTorsogeil ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.03.2006, 21:39   #10 (permalink)
AW: Streiken oder nicht?

Zitat:
Zitat von ArminMeiwesTorsogeil
Sorry,da bist du aber etwas fern der Realität.Die zulässige Schichtzeit(nicht Lenkzeit),also der Arbeitstag darf bei einem LKW-Fahrer 15 Stunden betragen.Davon darf er mit Unterbrechungen 9 bzw.10 Stunden täglich fahren.Die restlichen 5 -6 Stunden verteilen sich auf Be-u.Entladetätigkeiten,sowie Pausen.Bei einer Arbeitswoche von 6Tagen (Beginn Sonntag Abend 22.00Uhr bis Samstag Nachmittag) komme ich mal locker auf 90(!!!!) Stunden wöchentlich.
Ich habe lediglich im Arbeitszeitgesetz gelesen und es als Vorlage genommen.
Trotz Deiner obigen Aussage kann ich mir immer noch nur schwer vorstellen das dies so zulässig ist, aber da ich kein Hintergrundwissen zum Thema "Arbeitszeiten für Lkw-Fahrer" habe bleibt mir nichts anderes übrig als Dir zu glauben.

Zitat:
Wenn du die Frage erlaubst,welchen Beruf hast du?
Wenn du eine Familie hast,Kinder,Schulden,vielleicht noch ein Haus gebaut,
evtl.Unterhaltsverpflichtung bei Scheidung,...wie weit wirst DU denn gehen?
Wie solidarisch verhälst du dich in einer solchen Lebenssituation (vielleicht droht ja noch eine kleine Entlassungswelle in deiner Firma -Kostenoptimierung wg.Aktiendividenden ) gegenüber deinen Kollegen?
Oder wird ein Kollege für dich auf seinen Arbeitsplatz verzichten?
Wo bleibt denn da die Solidarität?
Ich habe eine Lehre im elektrotechnischen Bereich absolviert und bin, sagen wir mal, möglichst Berufsnah eingesetzt.
Ich bin bei einem Streik mitgelaufen, obwohl ich nicht in der dafür zuständigen Gewerkschaft Mitglied war. Meine Gewerkschaft hat, solange ich berufstätig bin, bisher noch nicht gestreikt (zu meinem Unwillen).
Ich bin zwar ledig aber nicht schuldenfrei und würde nicht nur für mich selbst, sondern für alle meiner Kollegen, bei einem Arbeitskampf, auf die Straße gehen. Mein Arbeitgeber hat schon mehrfach mit betriebsbedingten Kündigungen gedroht, und meine Gewerkschaft hat sich jedesmal auf einen Kompromiss eingelassen, welcher die vorhandenen Arbeitsplätze gesichert hat.
Bei einer Sozialauswahl in unserem Betrieb wäre ich wohl einer der Ersten die sich arbeitslos melden müssten. Mir würde es gegen den Strich gehen mich einfach hinzusetzen und abzuwarten, wenn es zu betriebsbedingten Kündigungen oder einem Sozialplan kommen würde, um mich dann am Ende zu ärgern weil ich nichts getan habe.
Ich gehe lieber mit "Pauken und Trompeten" unter, als mich gleichgültig (oder aus Angst) zu fügen. Leider gibt es nur wenige Querulanten wie mich.
Wer nicht kämpft kann auch nicht Gewinnen.
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Und näher kommt die rätselhafte Nacht!«
von Theodor Storm(1817-1888) aus "Ein Sterbender"
Ummon ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.03.2006, 06:47   #11 (permalink)
AW: Streiken oder nicht?

Streiken halte ich generell für sehr wichtig, da es einem Arbeitnehmer die Möglichkeit gibt Druck auf den Arbeitgeber auszuüben. Dies macht natürlich nur Sinn, wenn die Forderungen im sinnvollen Verhältnis liegen. Außerdem gibt es für mich Grenzen, wenn
(1) in die Rechte anderer eingegriffen wird, daher wenn z.B. Autobahnspuren oder Zugänge zu fremden Grundstücken blockiert werden, dann ist das für mich Hausfriedensbruch und die Polizei hat meiner Meinung nach das Recht (und die Pflicht), diese Blockaden aufzulösen.
(2) wenn dadurch andere Menschen gefährdet werden, wenn also beispielsweise im tiefsten Winter die Schneebereinigung streikt.

Aber abgesehen davon bin ich wie gesagt für Streiks.
Ich bin allerdings kein Fan der Gewerkschaften. Meiner Meinung nach vertreten die Gewerkschaften nur ein Interesse: ihr eigenes. Wenn sich dieses zufällig mit denen der Arbeitnehmer deckt, profitiert der AN davon. Wenn nicht, dann hat er Pech gehabt...
Cold Blood ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.03.2006, 11:20   #12 (permalink)
AW: Streiken oder nicht?

[quote=Ummon]
Zitat:
Ich habe lediglich im Arbeitszeitgesetz gelesen und es als Vorlage genommen.
Trotz Deiner obigen Aussage kann ich mir immer noch nur schwer vorstellen das dies so zulässig ist, aber da ich kein Hintergrundwissen zum Thema "Arbeitszeiten für Lkw-Fahrer" habe bleibt mir nichts anderes übrig als Dir zu glauben.
Diese Arbeitszeiten sind nicht zulässig....es drohen sogar ganz massive Strafen,die für den betroffenen Unternehmer schnell 5-6Stellige Höhen erreichen.Das Problem ist,das vielen Firmen keine andere Wahl bleibt -und den Fahrern ebenso wenig.



Zitat:
Ich bin bei einem Streik mitgelaufen, obwohl ich nicht in der dafür zuständigen Gewerkschaft Mitglied war. Meine Gewerkschaft hat, solange ich berufstätig bin, bisher noch nicht gestreikt (zu meinem Unwillen).
Das ist sehr lobenswert.Allerdings hast du da ja nicht viel Risiko getragen.In großen Konzernen mag die Möglichkeit,sich gegen diverse Mißstände aufzulehnen ja durchaus legitim sein,doch das sieht ganz anders aus,wenn bei einem mittelständischen Unternehmen mit 8 Beschäftigten nur 2 in der Gewerkschaft sind.Da kannst du ja mal versuchen dich mit deinem Chef anzulegen.

Zitat:
Ich gehe lieber mit "Pauken und Trompeten" unter, als mich gleichgültig (oder aus Angst) zu fügen. Leider gibt es nur wenige Querulanten wie mich.
Wer nicht kämpft kann auch nicht Gewinnen.
Als Alleinstehender kannst du dir das auch leisten.Du hast meine Frage aber nicht beantwortet.
Wärest du auch bereit mit Pauken und Trompeten unter zu gehen wenn die Existenz deiner Familie daran hinge?
Oder würdest du deiner Kinder zu liebe eher den Mund halten,um z.B.das anstehende Weihnachtsfest zu retten?

@cold blood
soso,wenn du denkst das Arbeitgeber heute wirklich noch massiv unter Druck zu bringen sind,durch Streik,hast du die vorhergehenden Beiträge entweder nicht gelesen oder nicht verstanden.
ArminMeiwesTorsogeil ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.03.2006, 18:24   #13 (permalink)
AW: Streiken oder nicht?

Zitat:
Zitat von ArminMeiwesTorsogeil
Du hast meine Frage aber nicht beantwortet.
Wärest du auch bereit mit Pauken und Trompeten unter zu gehen wenn die Existenz deiner Familie daran hinge?
Oder würdest du deiner Kinder zu liebe eher den Mund halten,um z.B.das anstehende Weihnachtsfest zu retten?
Gegenfrage: Auf wieviel Geld kann man denn als Familienvater überhaupt verzichten wenn es hart auf hart kommt? Und wie lange kann man seinen Lohn nach unten drücken lassen?
Ich kann nur mutmaßen. Selbst wenn ich Familienvater wäre, würde sich wohl mein Temprament nicht ändern und somit auch nicht meine kämpferische Einstellung. Damit würde ich mir wohl des öfteren Probleme einhandeln. Außerdem würde es mich maßlos ärgern, wenn ich nichts täte und die Verschlechterungen einfach nur hinnähme.

Zitat:
Zitat von Cold Blood
...wenn dadurch andere Menschen gefährdet werden, wenn also beispielsweise im tiefsten Winter die Schneebereinigung streikt
Es ist doch nicht das erste Jahr in dem es im Winter schneit. Nur weil man sein Auto mit Winterreifen ausrüstet, bedeutet das noch lange nicht das man an seinem Fahrverhalten nichts ändern muß.
In Deutschland haben sich die Menschen einfach daran gewöhnt, das die Straßen von Schnee befreit und gestreut werden. Wenn jetzt aber eben dieser Winterdienst streikt, um seine Arbeitsplätze zu sichern, und somit den jahrelang erbrachten Service zu erhalten, so geht ein medialer Aufschrei durch das Land und jeder bildet sich schnell sein Urteil ohne an die möglichen Konsequenzen zu denken. Schlechterer Service bedeutet für mich immer noch weniger (oder nicht rechtzeitig) geräumte und gestreute Straßen.
Daß wäre dann wirklich eine Gefährdung für Menschen im Straßenverkehr!
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»Einschlafen, fühl ich, will das Ding, die Seele,
Und näher kommt die rätselhafte Nacht!«
von Theodor Storm(1817-1888) aus "Ein Sterbender"
Ummon ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.03.2006, 21:42   #14 (permalink)
AW: Streiken oder nicht?

Zitat:
Gegenfrage: Auf wieviel Geld kann man denn als Familienvater überhaupt verzichten wenn es hart auf hart kommt? Und wie lange kann man seinen Lohn nach unten drücken lassen?
Ich kann nur mutmaßen. Selbst wenn ich Familienvater wäre, würde sich wohl mein Temprament nicht ändern und somit auch nicht meine kämpferische Einstellung. Damit würde ich mir wohl des öfteren Probleme einhandeln. Außerdem würde es mich maßlos ärgern, wenn ich nichts täte und die Verschlechterungen einfach nur hinnähme.
Darum geht es doch gar nicht.Es geht doch viel mehr darum,wie die anderen Abeitnehmer denken.Triffst du eine falsche Entscheidung sitzt vielleicht jemand anderes auf deinem Platz.Es gibt unzählige die durch unser Ellenbogensystem nur auf ihre Chance warten.Das bedeutet,das du auf der Strasse stehst,und für bessere Bedingungen kämpfst,während andere (Streikbrecher) deine Arbeit übernehmen.Deine Kampfbereitschaft wird dann zu deinem größten Nachteil.

Ich will dir ja nichts,im Grunde bin ich deiner Meinung.Die Verhältnisse im Arbeitsleben sind so absurd geworden,nicht deine Meinung,oder meine.Sieh dir doch mal die Bedingungen an unter denen Menschen z.B.bei LIDL arbeiten.Die Belegschaft einer Berliner Filliale ttrat der Gewerkschaft bei.Das Ergebnis:diese Filliale wurde wegen angebl.Unwirtschaftlichkeit geschlossen.
LIDL hat noch nicht mal einen Betriebsrat.Jetzt erklär mir mal wie du da kämpfen willst?!
ArminMeiwesTorsogeil ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.03.2006, 18:26   #15 (permalink)
AW: Streiken oder nicht?

Zitat:
Zitat von ArminMeiwesTorsogeil
Sieh dir doch mal die Bedingungen an unter denen Menschen z.B.bei LIDL arbeiten.Die Belegschaft einer Berliner Filliale trat der Gewerkschaft bei.Das Ergebnis:diese Filliale wurde wegen angebl.Unwirtschaftlichkeit geschlossen.
LIDL hat noch nicht mal einen Betriebsrat.Jetzt erklär mir mal wie du da kämpfen willst?!
Bei diesem Beispiel ist es sehr schwierig, bis gar unmöglich, so zu kämpfen wie es die Gewerkschaften und Betriebs- bzw. Personalräte einem ermöglichen.
Trotzdem müssen sich die Beschäftigten von Lidl nicht alles gefallen lassen.
Wenn solche Umstände publik werden, und das sind sie ja, so ist der Image-Schaden vorprogrammiert. Kunden könnten sich umorientieren und zu Aldi einkaufen gehen. Täten sie dies, so würde ein gewinnorientiertes Unternehmen, und das ist die Lidl-Kette, wohl einlenken.
Öffentlicher Druck ist über die Jahre stets stärker geworden.
Natürlich muß dieser öffentliche Druck auch direkt in Verbindung mit den Mißständen in solch einem Unternehmen gebracht werden.
All das, was ich hier geschildert habe ist nicht zwingend ein Garant der zum Erfolg führen wird, aber die Solidarität der Kunden, im Zusammenhang mit den direkten Dienstleistern, wird wohl eher zum Gesamterfolg führen als wenn alle Beschäftigten nur die Köpfe einziehen und im Stillen hoffen, das es schon besser wird. Ich setzte dabei aber auch Einigkeit unter den Beschäftigten vorraus. Ansonsten wird das nix.
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Ummon ist offline   Mit Zitat antworten

Alt 19.03.2006, 22:23   #16 (permalink)
AW: Streiken oder nicht?

Zitat:
Zitat von Ummon
Trotzdem müssen sich die Beschäftigten von Lidl nicht alles gefallen lassen.
Wenn solche Umstände publik werden, und das sind sie ja, so ist der Image-Schaden vorprogrammiert. Kunden könnten sich umorientieren und zu Aldi einkaufen gehen. Täten sie dies, so würde ein gewinnorientiertes Unternehmen, und das ist die Lidl-Kette, wohl einlenken.
.
Aber genau da liegt ja der Hase im Pfeffer.Nachdem die Angestellten der LIDL-Filiale einen Betriebsrat gegründet hatten,der sich auch prompt mit diversen Anliegen an die Geschäftsleitung wandte,kam die Kündigung.Für alle!

Um es vorweg zu nehmen,das Arbeitsgericht entschied auf Wiedereinstellung.

Darauf hin erst stellte man im LIDL-Vorstand entsetzt fest,das ausgerechnet diese Niederlassung durch Unregelmäßigkeiten auffiel,und durch rote Zahlen.
Das war das aus.8 Angestellte,die eidern zusammen hielten...ZONK...aus dem Rennen.
LIDL läßt sich durch evtl.Umsaatzeinbußen (zumal nur Regional bedingt) mal gar nicht beeinflussen.
Da gibt es noch viel groteskere Geschichten...führt hier aber zu weit.

Ausschlaggebend für die heutige Situation ist,das LIDL keine Außnahme bildet.
Dieses Verhaltensmuster zieht sich durch die gesamte Marktwirtschaft.
Lieber Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen,aber keinen Schritt vom eigenen Standpunkt weichen.Auch das Abgleiten ins Illegale stellt da kein Hinderniss mehr da,Es gibt praktisch keine Hemmschwelle mehr.

This´s the golden age of grotesque... Marilyn Manson
ArminMeiwesTorsogeil ist offline   Mit Zitat antworten
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