Was ist nur geschehen?


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Alt 14.08.2003, 14:38   #1 (permalink)
Rachel
Was ist nur geschehen?

Ich erinnere mich daran, als ob es gestern gewesen wäre, wie ich Menschen, die ich über alles geliebt habe, verloren habe. Das Schicksal hat mich schwer getroffen. Aber ich stelle mich erst einmal vor. Mein Name ist Rachel Storm und dies ist meine Geschichte.

Ich war damals gerade mitten im schlimmsten Teenager - Alter. Ich war 17 und verlor meine Eltern. Wir haben uns ständig gestritten, sie haben mir viel verboten, ich habe sie gehasst. Na ja, nicht so richtig gehasst, wie jemanden, den man nicht mochte oder jemand, der einem etwas Furchtbares angetan hatte, sondern wie das Verhältnis zwischen Teenagern und Eltern das eben einfädelt. Man hätte denken können, ich wäre überglücklich, meine Eltern los zu sein. Doch wer das meinte, lag damit komplett falsch. Ich gab es nicht zu, aber ich trauerte. Noch Monate später ging es mir nicht besser. Ich trug nur noch schwarz, hörte dunklen Gothic Metall und überhaupt, ich rutschte so ganz nebenbei immer tiefer in die Schwarze Szene hinein, ohne es zu merken. Dann tauchte er in meinem Leben auf. Er war ein absoluter Traum und dieser Traum besaß auch einen Namen, den ich euch nicht vorenthalten möchte. Er nannte sich Crüx. Crüx bedeutet Ankh bzw. der Lebendige. Seinen wahren Namen gab er mir erst lange Zeit später preis. Und genau so werde ich mich auch an den Verlauf der Geschichte halten. ;-)

Er war ständig für mich da. Ich war sein kleiner Angel, sein Prinzesschen, später sein ein und alles. Zwischen uns bahnte sich wirklich eine herrliche Liebe an. Er half mir meinen Schmerz zu überwinden, denn er hatte das Selbe durchmachen müssen wie ich und seit dieser Zeit trug er den Namen Crüx. Er war immer so lieb zu mir. Auf der einen Seite war er der große Bruder, den ich nie hatte. Auf der anderen Seite verkörperte er auf sexueller Ebene genau das, was ich wollte. Er war DIE perfekte Mischung! Er bedrängte mich nie, wusste viel vom Leben, gab mir neue Kraft und Hoffnung. Ich wusste, dass ich einen Grund zum Leben gefunden hatte. Er war mein Grund.

Nun werde ich einfach einmal beginnen, alles zu erzählen.

Es war drei oder vier Monate nach meinem 17. Geburtstag als meine Eltern bei einem Autounfall tödlich verunglückten. Viele denken wohl heute noch, ich wäre damals glücklich gewesen. Ich hab meine Eltern regelrecht gehasst, so wie das mit Eltern nun mal so ist, aber ich hatte mir doch nie gewünscht, dass sie sterben! Meine Welt lag in Scherben vor mir. Ich sah keinen Ausweg mehr, was sollte ich denn jetzt tun? Ich hatte ja noch die Schwester meiner Mom in Karlsruhe. Diese nahm mich, das schlanke Goth-Mädel mit den lila Locken und den dunkelbraunen Augen, gerne auf und bei ihr hatte ich all die Freiheiten, die ich brauchte. Ich hing ständig in meinem Zimmer rum. Ich hatte die Rolläden immer unten, zog mir melancholischen Gothic und Metal rein und rauchte wie ein Schlot. Täglich war ich auch im Stall bei meinem Pferd ‚Evil Spirit', einem 7-jährigen Württemberger - Trakehner - Hengst. Ich ging zwar auch täglich zur Schule, war aber dort der totale Aussenseiter, schon allein, weil ich nur schwarz trug. Das störte mich allerdings wenig. So konnte ich wenigstens in Ruhe darüber nachdenken, wie es nun für mich weitergehen sollte. Doch oftmals brach ich während des Unterrichts zusammen. Die Folge war, dass ich das Jahr wiederholen musste, aber selbst das war mir egal. Ich ging mit geschlossenen Augen und einer Leck - mich - am -Arsch - bzw. Das - Leben - ist - scheisse - Einstellung durch die Welt.

Mittlerweile war ich ja schon 18 und Sommerferien hatten wir auch. Die neigten sich langsam ihrem Ende. Am ersten Schultag war es wie sonst auch an dieser Schule. Einfach ätzend. Ätzende Leute, ätzende Lehrer, dummes Geschwätz. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich ein berufsorientiertes Gymnasium besuchte. Ich begab mich in mein Klassenzimmer und verzog mich in die letzte Reihe. Da sah ich ihn das erste Mal. Er setzte sich ohne jegliche Scheu neben mich. Auch er trug schwarz. Hm, und er gefiel mir. Er sah traumhaft gut aus. Lange schwarze Haare, markante Gesichtszüge, große braune liebe Augen, er war groß, schlank, gepierct und tätowiert ohne Ende, ach einfach perfekt! Das erste Mal seit über einem Jahr, dass ich ein anderes Gefühl als trostlose Leere in meinem Innersten spürte. Er stellte sich mir als Crüx vor. Der Name gefiel mir. Ich wusste ja auch, was er bedeutete. Er war zwar ein paar Jahre älter als ich, der Opa der Klasse sozusagen, aber das störte uns nicht. Ich war 18, er 24. Was machte dieser Unterschied schon? Wir verstanden uns einfach hervorragend!

Wir wurden zu einem unzertrennlichen Team. Er verstand, was in mir vorging. Er erzählte mir, dass er seine Eltern auch verloren hatte. Er war damals allerdings jünger als ich. Wir verbrachten jeden Tag sehr viel Zeit zusammen. Ich war kaum noch zu Hause und meine Tante fand das nicht so toll. Sie wusste ja nicht, was ich tat und wo ich war und machte sich eben Sorgen. Das verstand ich ja, aber musste sie mich in den Herbstferien in meinem Zimmer einsperren? Ich fand das ungerecht, aber was sollte ich denn machen?

Meine Tante hatte mich eingeschlossen. Ich saß am Fenster meines Zimmers und rauchte erst einmal eine Zigarette. Ich starrte hinaus. ‚Crüx', dachte ich. ‚Wenn du doch bei mir wärst!' Ich vermisste ihn. Hatte ihn ja seit zwei Tagen nicht mehr gesehen. Meine Tante war einkaufen und ich war ganz allein. Das schien er zu wissen, denn plötzlich stand er unter meinem Fenster. "Angel! Lass uns gehen. Komm runter, meine Kleine!", rief er. "Crüx! Was machst du denn hier? Wie soll ich hier rauskommen? Sie hat mich eingeschlossen!", rief ich hinunter. "Spring!", forderte er von mir. Es waren zweieinhalb Meter. Ich zögerte. "Kleines, ich fang dich auf. Spring endlich!" Ich nickte, machte die Zigarette aus und packte ein paar Dinge zusammen. Ich zog meine Stiefel und meine Lederjacke an und warf meine Tasche runter. Ich schloß die Augen und sprang. Wie versprochen fing er mich auf. Er hielt mich in seinen Armen und sah mir tief in die Augen. Wie ich diesen Mann doch liebte! Ich weiss nicht, ob er es wusste, denn wir waren ja nur Freunde und ich wusste auch nicht, was er für mich empfand.

Er lächelte mich an und sagte: "Komm, lass uns gehen. Was möchtest du machen?" Er packte meine Tasche in sein Motorrad und schloss den Sitz. "Spring rauf. Hier hast nen Helm. Und nun sag, was du machen möchtest." Er reichte mir einen Helm. Ich hatte vor kurzem erst Geld bekommen, ziemlich viel und einen Teil hatte ich ja dabei. Ich grinste ihn an, so wie Frauen nun mal grinsen, wenn es um eine unserer Lieblingsbeschäftigungen geht. "Shopping!", sagte ich nur und grinste weiter. Er seufzte: "Na gut. Spirit und Xtrax? Was anderes trau ich dir nicht zu." Ich war noch nie in diesen Läden, aber das störte mich nicht. Ich brauchte vernünftige Sachen zum Anziehen.

Während der gesamten Fahrt klammerte ich mich an ihn. Seine Nähe war so beruhigend. Bei ihm fühlte ich mich so geborgen und frei. Die Fahrt dauerte zum Glück nicht lange. Er parkte beim Xtrax und zog mich dann an sich. "Angel, meine kleine Angel. Wie froh bin ich dich zu haben.", murmelte er. Er gab mir einen Kuss auf die Stirn. Ich war natürlich total perplex. ‚Was war denn das jetzt?', schoss es mir durch den Kopf. "Komm schon, du willst doch shoppen!", sagte er dann wieder in gewohntem Ton. Er zog mich hinter sich her und wir betraten zusammen den Laden. "Was willst du haben? Kleider, Röcke, Oberteile? Alles, was dein Herz begehrt findest du hier." Er lachte. "Komm, wir suchen dir ein paar Sachen und du probierst sie dann mal." Er zog mich hinter sich her. Seine strahlenden Augen rissen mich mit. Ich probierte alles Mögliche. Kleider, Röcke, Oberteile, Mäntel, Samtjacken. Einfach alles! Ich war total begeistert. Nach über einer Stunde hatte ich mich entschieden. Ich kaufte mir drei Kleider, zwei Röcke, vier Oberteile, einen Samtmantel und eine Samtjacke. Tja, ich konnte es mir ja leisten, das Erbe meiner Eltern war ziemlich groß. Die Verkäuferin sah mich misstrauisch an als ich bezahlen wollte. "Du hast genügend Geld?" Ich hatte für knapp 1000 Mark eingekauft. Ich nickte. Legte ihr das Geld vor. Sie kassierte und packte die Sachen ein. Dabei ließ sie eine Bemerkung ab, die mich sehr verletzte. "Deine Eltern scheinen ja keine Zeit zu haben, wenn sie dich mit so viel Geld abspeisen!" Mir schossen die Tränen in die Augen. Ich stand mal wieder kurz vor dem Zusammenbruch und rannte hinaus. "Angel!", rief Crüx mir hinterher. Er kannte die Verkäuferin. "Das war wieder mal sehr taktvoll von dir, Micha. Ihre Eltern sind vor über einem Jahr gestorben! Leg das Zeug zur Seite, wir holen's später wieder und dann is ne Entschuldigung fällig! Rachel reagiert auf solche Kommentare sehr allergisch!" Er folgte mir. "Rachel! Jetzt bleib stehen.", schrie er mir hinterher. Ich brach zusammen in einem kleinen Park. Ich musste laut Crüx sehr weit gerannt sein. Er setzte mich auf eine Bank. "Meine Kleine! Ist alles okay mit dir?" Er hielt mich in seinen Armen. Mir liefen die Tränen übers Gesicht. Er drückte mich fest an sich. "Ich kann es nicht mit ansehen, wenn es dir so schlecht geht!" Er sah mir in die Augen. Ich konnte sehen, wie die Tränen in seinen Augen glänzten. Diese sensible Seite kannte ich nicht an ihm. "Ich bin doch bei dir, Süsse! Beruhige dich!" Er sah mich so komisch an und kam dann näher. Er küsste mich auf die Wange. Dann berührten seine Lippen meine. Es war, als ob ich schweben würde, als ob ich in Trance wäre. Der Kuss erschien mir endlos lang.

Fortsetzung wird folgen
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Alt 15.08.2003, 22:10   #2 (permalink)
*gespannt bin wie deine geschichte weiter geht*
deine geschichte gefällt mir...*auf den nächsten teil wart*
LadyPhantasy ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.08.2003, 23:05   #3 (permalink)
Rachel
Fortsetzung

So, hier die gewünschte Fortsetzung, LadyPhantasy. Was findest du denn daran so spannend? Das fände ich wirklich interessant zu wissen.

Fortsetzung

„Entschuldige, Angel.“ Er stand auf. „Wofür entschuldigst du dich?“, fragte ich nur und wischte mir die Tränen aus meinem Gesicht . „Für den Kuss. Du kannst dir nicht vorstellen, was ich für dich empfinde. Aber du scheinst das nicht zu erwidern, darum entschuldige ich mich.“ Er sah mich nicht an. „Ich wünschte, ich könnte aufstehen.“, murmelte ich kaum hörbar. Er setzte sich wieder neben mich, würdigte mich aber keines Blickes. „Wie kommst du nur darauf, Crüx? Seit der ersten Sekunde hab ich versucht mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass zwischen uns nichts anderes als Freundschaft existieren wird, aber ich habe dich vom ersten Moment an geliebt!“, sagte ich kläglich. Ich drehte mich weg. Er zog mich an sich. Ich kuschelte mich eng an ihn. Wir verstanden uns auch ohne Worte. „Komm, mein Engelchen. Lass uns deine Sachen holen und weiter zum Spirit. Da sind die Mädels total nett. Nicht wie Micha. Die hat schon was von mir zu hören gekriegt.“ Er nahm mich in den Arm. „Du kennst sie?“, fragte ich. „Ich kenne hier alle Goths, meine Kleine. Sie gehört zu der Seite, die nicht nennenswert ist.“ , erwiderte er. Er hielt mich ganz fest. Wir gingen zurück, doch ich weigerte mich mit in den Laden zu gehen. Ich wartete auf ihn. Er beeilte sich extra für mich. „Oh je, wie sollen wir die Sachen nur zu dir schaffen?“, fragte er grinsend. „Ich weiss was. Du lässt das Zeug bei mir. Ich wohn ja grad ums Eck. Und dann gehen wir zum Spirit.“ Wir brachten meine Sachen zu ihm nach Hause und wir gingen zu seinem Motorrad zurück. „Süsse, wo willst hin? Wir müssen da lang. De Spirit is direkt unterm Xtra.“ Er grinste mich an. Konnt ich ja schlecht wissen, oder? Wir gingen hinein und ich muss sagen, der Laden gefiel mir von Anfang an. Klein, aber oho. Der Laden war urgemütlich. Vollgestopft mit Accessoires. Mir gingen die Augen über. „Na Angel, geht’s wieder besser?“, fragte Crüx. Ich nickte. „Du hast mich ins Paradies geführt, Crüx.“, sagte ich nur. Die Verkäuferinnen begrüßten uns freundlich, ganz besonders Crüx. Er war wohl wirklich allseits bekannt. „Wie geht’s dir, Crüx?“´, fragten sie. „Gut, sieht man doch, oder?“ Er grinste und zog mich eng an sich. „Deine Neue?“, fragten sie nur. „Was heißt Neue? Ich hatte lang Keine mehr und dieses Mädel ist ein absoluter Traum.“, schwärmte er. Ich sah mich um. „Mh, hast recht. Sieht nett aus. Sehr sympathisch.“, lautete die Antwort. Er kam wieder zu mir. „Und, gefällts dir? Hast schon was Schönes gefunden?“, fragte er und gab mir einen Kuss. Ich nickte. Auch hier kaufte ich wieder ein, was das Zeug hielt. Dieses mal blieb ich bei knapp 200 Mark. Zu meinem Einkauf bekam ich noch zwei pack Räucherstäbchen und ein Feuerzeug. Ich war begeistert. „Komm, wir gehen zu mir, Kleines. `n bisschen ausruhen.“, schlug Crüx vor. Ich nickte.

Es war herrlich bei ihm zu Hause. Urgemütlich! Wir lagen in seiner Kuschelecke, wie ich die Ecke nannte. Vollgestopft mit Kissen, Decken und Matratzen. Wozu braucht man schon eine Couch, wenn man so eine tolle Kuschelecke hat? Ich lag in seinem Arm und wir rauchten erst mal eine. „Was willst du heute abend machen?“, fragte er mich. „Ich hab doch Hausarrest! Wie soll ich überhaupt wieder in mein Zimmer kommen? Meine Tante wird sicher bald anrufen!“, meinte ich nur. „Ich weiss nicht, Kleines, ich kenn deine Tante nicht. Vielleicht ist sie ja sonst ganz nett, aber das kann nicht sein, dass se dich einsperrt. Da hab ich was dagegen. Magst nicht zu mir ziehen? Wir haben den selben Stundenplan, die selben Fächer, von hier aus einen kürzeren Weg, wir verstehen uns gut und hängen doch sowieso täglich zusammen bis spät in die Nacht.“, erklärte er mir. Das klang echt einleuchtend. „Ich werde es ihr sagen, aber du musst mit!“, sagte ich. „Für dich immer, Angel. Für dich immer.“ Er küsste mich. Und was kam dann? Natürlich, meine Tante rief an. Ich ging an mein Handy. „Wo bist du Rachel?“, schrie sie mich an. „Du brauchst mich gar nicht anzuschreien. Ich komm nachher kurz nach Hause, um meine Sachen abzuholen. Ich ziehe aus. Ich hatte es immer gut bei dir, aber einsperren lass ich mich nicht!“ Mit diesen Worten legte ich auf. „Wow, eine starke Vorstellung, Rach.“, sagte Crüx mit Bewunderung in der Stimme. „Lass uns losfahren. Dieses mal hab ich draus gelernt, wir nehmen das Auto.“, sagte er grinsend. Wir machten uns fertig und gingen hinunter zu seinem Auto.

Ich schloss unsere Haustür auf, wo wir schon von meiner Tante erwartet wurden. „Wie kommst du nur auf eine solche Idee?“, fragte sie nur. „Ich lasse mich nicht einsperren. Mom und Dad mussten diese Erfahrung früher auch oft machen.“, erwiderte ich. „Ich bin nur hier, um meine Sachen zu holen. Das ist Crüx. Wir gehen in die selbe Klasse und ab heute wohne ich bei ihm.“ Damit ging ich hinauf auf mein Zimmer und packte alles zusammen, was mir gehörte. Crüx hatte wirklich aus unserem Einkaufsbummel gelernt. Ich hatte viele Sachen. So ist das mit Frauen nun mal. Unten an der Türe warteten Crüx und meine Tante. Er lud meine Sachen ins Auto. „Rachel, bist du sicher, dass das die richtige Entscheidung ist?“, fragte meine Tante besorgt. Ich nickte. „Mach dir keine Sorgen um mich.“, sagte ich. „Ich hab den besten Aufpasser, den es gibt. Ich werde dich trotzdem noch öfters besuchen kommen, aber ich brauche meine Freiheit, das musst du verstehen.“ Sie nickte und umarmte mich. Dann stieg ich zu Crüx ins Auto und wir fuhren wieder nach Hause.

Es ist ein herrliches Gefühl, wenn man mit seinem Freund zusammengezogen ist. Endlich ist keiner mehr da, der rumstresst. Tu dies, tu das, tu blablabla. Endlich hatte ich meine Ruhe. Endlich konnte ich tun und lassen, was ich wollte. Ich fühlte mich wie im siebten Himmel.

Ich probierte noch einmal meine Sachen an. Crüx meinte dann, ich solle das Kleid, das ich trug, anlassen und mal herkommen. „Setz dich, Angel.“, sagte er. „Du siehst wunderbar aus. Ich werd den Rest übernehmen. Augen zu und nicht zucken.“, befahl er. Ich wusste nicht, was er mit mir vorhatte. „Angel, entspann dich, lass die Seele baumeln und lass mich machen.“, sagte er sanft. Ich ließ ihn tun, was er nicht lassen konnte. Ich ließ mich einfach überraschen. Ich traute meinen Augen kaum, als er fertig war. Der Mann war perfekt in jeglicher Hinsicht! Er konnte kochen, Hausarbeiten machen, waschen, bügeln, perfekt stylen, er war ein perfekter Musiker, sah umwerfend, nein, traumhaft gut aus und hatte den perfekten Charakter. Was wollte ich mehr? „Na, Angel, gefällst du dir?“, fragte er. Ich fiel ihm um den Hals. „Super! Ich wusste gar nicht, dass du das kannst!“, rief ich begeistert aus. Er strahlte übers ganze Gesicht. „Das freut mich, Kleines. Ich mach mich auch nur schnell fertig und dann können wir. Nein, ich sag dir nichts, lass dich überraschen, Prinzesschen.“ Er drückte mir einen Kuss auf die Stirn und ging sich umziehen und stylen. Ich rauchte währenddessen schon wieder. Ich weiss auch nicht, aber wenn ich nicht rauche, dann fehlt mir etwas! Eine halbe Stunde später war er endlich fertig. Ich hatte ihn so noch nie gesehen, vor allem wusste ich nicht, dass er soo viele Piercings hatte. Er hatte eins an der Augenbraue, zwei in der Nase, drei in der Lippe, eins in der Zunge und etliche Ohrringe. Richtig heftig! „Was ist jetzt so interessant?“, fragte er belustigt. „Och, nichts. Hab nur dein Geklimper gezählt. Du bist echt schlimmer als jede Frau.“, sagte ich kopfschüttelnd und lachte.

Wir gingen nach unten, stiegen ins Auto und waren unterwegs ins Nirgendwo. Er wollte mir einfach nicht verraten, was er vorhatte.

Irgendwann hielten wir. „Wo sind wir?“, fragte ich. „Keine Angst, ich wurde eingeladen auf eine Geburtstagsparty der anderen Art und ich kann jemanden mitbringen. Schau net so misstrauisch! Die fressen dich schon net auf! Ich bin doch bei dir.“, beschwichtigte er mein Gemüt. Er drückte mich fest an sich. „Okay.“, war alles, was ich zu sagen hatte. Mir gefiel es hier nicht. Und die Leute gefielen mir erst recht nicht! Sie machten so einen arroganten Eindruck auf mich. So, als ob die was Besseres wären. Das Geburtstagskind, Ricki, war mir dann wiederum doch ganz sympathisch. Sie war grad ein Jahr älter als ich und war schon verlobt. Ausserdem starrte sie mich nicht so arrogant an und redete ganz normal mit mir. Na ja, für solche Fälle trägt man, Pardon, frau, oder halt ich, immer ne Rasierklinge bei sich, bei mir, however; wenn’s ganz schlimm kommen sollte. Es gefiel mir nicht. Ich wusste, ich war unerwünscht. Und dann sah ich sie. Die Xtra – Tussi und eine andere. Beide machten sich an Crüx ran. Das war genug für meine armen Nerven. Ich fragte Ricki, wo ich hier meine Ruhe haben könnte. Sie zeigte in den Wald. ‚Perfekt, dass ich als Kind immer gerne geklettert bin!‘, dachte ich. Mir liefen Tränen übers Gesicht. Crüx bemerkte meine Abwesenheit gar nicht. Er schien sich gut zu amüsieren. Ohne mich. ‚Wozu braucht er schon so ein Kleinstadtmädchen, wenn er die alle haben konnte?‘, schoss es mir durch den Kopf. Ich kletterte auf eine hohe Kastanie, auf der eine Art Baumhaus stand. Hinter den Blättern konnte ich mich gut verstecken, es war eh schon dunkel. Ich zog die Rasierklinge. Einmal, zweimal, dreimal und noch öfters schnitt sie meinen Unterarm auf. Ich sah das Blut und wurde ruhig, ganz ruhig. Ich sackte in mich zusammen. „Jetzt weiss ich, dass ich wirklich lebe. Es war kein Traum. Ach Crüx, ich dachte, du liebst mich.“, hauchte ich, bis ich ohnmächtig wurde.
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Alt 19.08.2003, 11:34   #4 (permalink)
hi ich bins wieder.*gg*
also was ich an der geschichte spannend is???hmmmm....naja ich hab mir halt den ersten teil durchgelesen gehabt un wollt dann halt wissen wies weiter geht.
un nu möcht ich halt gern wissen was mit ihr geschieht.ob crüx sie rettet???oder ob sie in ein kh kommt???weiß ja nich steht ja noch offen.*g*würd halt gern wissen wies weiter geht.
bis jetzt is die geschichte gut!!!!!!!!!!!!
LadyPhantasy ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.08.2003, 23:55   #5 (permalink)
Rachel
Ich erwachte in einem fremden Zimmer. Hier war ich noch nie. Es war aber kein Krankenhaus, keine Entzugsanstalt oder sonst was, nein, es sah eher nach dem Zimmer eines Gothics aus. Ich schlug die Augen erneut auf. Und da sah ich in Rickis freundliches Gesicht. „Rachel. Alles wieder in Ordnung bei dir?“, fragte sie mich ganz lieb. Oh shit! Was hatte ich getan? Ich hatte ihre Party ruiniert. Ganz bestimmt. „Es tut mir leid. Deine Party war sicher wegen mir total im Arsch!“, sagte ich leise. Ich drehte mich weg. „Ach was. Ich wollte keine Party. Freunde haben sie für mich organisiert und zwei drittel der Leute kannte ich gar nicht.“, beruhigte sie mich. „Was war denn los? Als du nach einer halben Stunde nicht zurück warst, hab ich Crüx alles erzählt. Wir sind dich mit meinem Freund sofort suchen gegangen.“ Ich sah sie an. „Wo ist er jetzt?“, fragte ich traurig. „Wer? Crüx? Hm, wie soll ich sagen? Er war total betrunken, nach all dem, was passiert ist und da...“ Ich unterbrach sie. „Und da issa mit so na dummen Schlampe ins Bett gehüpft!“ Ich bekam einen Heulkrampf. „Blödsinn! Pat, mein Freund, war die ganze Zeit bei ihm, hat aufgepasst, dass er nix anstellt. Er hat auch keine Anstalten gemacht, als ob er mit na andern in die Kiste springen würde. Er hat nur von dir geredet.“ Ich sah sie mit großen Augen an. „Er schläft im Wohnzimmer, auf der Couch. Kannst mir glauben, Rachel. Er hat sich betrunken, weil er Angst um dich hatte. Er hat gesagt, es wäre alles seine Schuld. Wenn du stirbst, meinte er, würde er sich umbringen. Der Junge liebt dich, Kleine! Glaub mir! Ich kenn ihn jetzt schon länger und er hatte viele Freundinnen, aber bei keiner war er jemals so. Die anderen waren ihm nicht wichtig, aber du bist ihm wichtig!“, erzählte Ricki mir. „Was war denn überhaupt los?“, fragte sie mich einfühlsam. Ich drehte mich weg, ich war müde, unendlich müde. Ich schloss die Augen und fiel in einen tiefen ruhelosen Schlaf. Als ich wieder zu mir kam, saß Crüx am Bett. Ich wendete mich von ihm ab. „Angel, mein kleiner Angel! Warum tust du mir das an? Warum bestrafst du mich nur so sehr?“, fragte er verzweifelt. Ich sah aus den Augenwinkeln seine Tränen. Ich antwortete nicht, versuchte nach meiner Tasche zu greifen. Er gab sie mir. Ich stand auf, nahm eine weitere Rasierklinge aus der Tasche und rannte. Dass ich nur ein T-Shirt und Shorts trug, störte mich weniger. „Rach, bleib stehen! Verdammt noch mal, halt an! Was hab ich dir Schreckliches getan, dass du mich jetzt hasst?“, schrie Crüx mir hinterher. „Tu`s bitte nicht.“, rief er. Wenn er wüsste, dass man das auch während dem Laufen konnte. Ich schnitt meinen Arm auf, was das Zeug hielt. Und nach einigen weitere Metern – bin ich mittlerweile froh, dass Ricki auf dem Lande wohnt – brach ich bewusstlos zusammen.

Und ein weiteres Mal erwachte ich in Rickis Zimmer. Dieses Mal saß Crüx neben mir. Ich sah ihn nicht an. „Cherrie, was hab ich dir so furchtbares getan? Wieso strafst du mich so?“, fragte er leise. „Du hast mich einfach links liegen lassen! Ricki war die Einzigste, die sich um mich gekümmert hat. Du hattest lieber deinen Spass mit dieser Xtra-Tussi!“, schrie ich ihn an. Ich war tierisch sauer und eifersüchtig, aber es tat mir auch leid. „Warum hast du nichts gesagt? Warum nur? Ich konnte das doch nicht wissen.“, sagte er betroffen. „Die Leute haben mich eh so von oben herab angeschaut, so als ob sie was Besseres wären. Wenn ich das gewollt hätte, dann hätt ich auch in Heilbronn bleiben können. Dort war es auch so, nur hatte ich dort auch Leute, die sich um mich gekümmert haben, Freunde eben. Aber hier? Ich fühle mich ausgeschlossen!“, sagte ich. Mir liefen die Tränen übers Gesicht. „Warum hast du mir das nicht schon eher erzählt? Dann hätte ich mehr auf dich eingehen können.“, meinte er leise. „Siehst du überhaupt einen Sinn in unserer Beziehung? Du hattest eh viel mehr Spass gestern mit den anderen Weibern als mit mir!“, brach es aus mir heraus. „Angel!“, rief er. „Nein, lass mich jetzt in Ruhe! Lass mich jetzt allein.“, schrie ich ihn an. Ricki kam herein. „Crüx, geh zu Pat, lass sie ein wenig in Ruhe. Ich kümmere mich um sie.“, sagte sie. Und als er ging, flüsterte sie ihm zu: „Du warst echt nicht sehr nett zu ihr. Du weißt gar nicht, was sie für dich empfindet.“ Dann setzte sie sich zu mir. „Lass mich mal sehen. Mädel, warum tust du das? Das hätte ins Auge gehen können!“ Sie sah sich meinen Arm an. „Was bringt dir die Schlitzerei?“, fragte sie weiter. „Schmerzverdrängung? Und im nächsten Moment wird es nur noch schlimmer? Das bringt nichts. Du verlierst massig Blut und dein Körper wird immer schwächer. Red mit mir und sag mir, was dir das bringt!“, rief sie. Ich sah sie nicht an. „Schau dir meine Arme an! Ich hab das auch gemacht. Es hätte mich beinahe umgebracht. Es wäre fast zu spät gewesen, bis ich es geschnallt hab. Ich hätte beinahe alles verloren, doch als meine beste Freundin plötzlich an dieser Schlitzerei gestorben ist, wachte ich auf. Wir nahmen damals Drogen und schlitzten leidenschaftlich gerne, um den Schmerz zu verdrängen. Wir waren nur noch Schatten unserer selbst. Sie starb in der Nacht zu ihrem 18. Geburtstag. Hör auf damit! Crüx liebt dich. Aber wenn du so weiter machst, sucht er sich ne andere. Er war schon einmal verlobt, mit meiner besten Freundin, die damals starb. Er fühlte sich so hilflos. Er ließ keinen mehr an sich ran. Eine richtige Freundin hatte er schon lange nicht mehr. Er war lange allein, aber dann bist du ihm über den Weg gelaufen. Er wollte von der Liebe nichts mehr wissen. Eine Affäre hier, eine weitere da. So lief das damals. Aber für dich würde er über Leichen gehen. Er ist mein Bruder, musst du wissen.“ Sie sah mich erwartungsvoll an. „Bitte, hör auf damit! Simon zeigt es nicht, aber seine Sensibilität könnte ihn irgendwann umbringen.“ Ich musste erst einmal alles verdauen, was Ricki mir erzählt hatte. Ich hatte die tiefen Narben an ihren Armen gesehen. Simon? Wen meinte sie damit? Crüxs Schwester. In meinem Kopf drehte sich alles. „Rachel, bleib ganz ruhig. Soll ich Simon holen? Mir scheint, es gibt viel zu bereden.“, sagte Ricki. Ich nickte. „Ricki?“, hauchte ich kraftlos. Sie drehte sich um. „Ja? Was gibt’s? Kann ich was für dich tun?“, fragte sie. „Kann ich ne Kippe haben?“, fragte ich sie. „Klar, hier. Ich rauch aber nur blaue Gauloises. Nicht jedermanns Sache.“ Sie legte mir eine Schachtel Kippen, ein Feuerzeug und einen Aschenbecher auf den Nachttisch. „Genau meine Marke.“, sagte ich und steckte mir eine zur Beruhigung an. Sie lächelte und ging hinaus. ‚Wer soll dieser Simon sein?‘, schoss es mir durch den Kopf. „Ich kenne keinen Simon.“, sagte ich laut in Gedanken versunken. „Angel, natürlich kennst du einen Simon.“, Crüx kam herein. Ich schrak zusammen. „Ich bin Simon. Hat Ricki das nicht gesagt?“ Er sah mich erwartungsvoll an. Ich konnte mich nicht erinnern, ob sie das gesagt hatte. „Wir haben auch unsere Eltern verloren, sie hat auch sehr viel geschlitzt. Ich hätte sie beinahe verloren. Genau wie ihre beste Freundin, meine Verlobte damals. Ich habe sie geliebt, sogar sehr. Wir wollten heiraten und sie starb in der Nacht zur Volljährigkeit. Ich konnte es mir nicht verzeihen, dass ich nicht helfen konnte und genauso wenig kann ich es mir verzeihen, dass du so tiefe Wunden trägst, wegen mir. Wenn du es nicht überlebt hättest, hätte ich mir das niemals wieder verzeihen können. Du bist das erste Mädchen seit damals, das ich wirklich liebe. Ich hatte nur Affären, hier eine, da eine, mehrere gleichzeitig. Was meinst du, weshalb ich so viele Leute kenne? Aber Liebe? Nein, das wollte ich nicht mehr, bis du eben in mein Leben getreten bist! Da hat es wieder gefunkt. Versteh mich doch, ich habe Angst, dass ich wieder so versagen könnte! Denn wenn das noch einmal passiert, dann bring ich mich auch um. Dann hat mein Leben keinen Sinn mehr.“, erzählte er mir mit unendlicher Trauer in der Stimme. „Bitte, tu mir das niemals wieder an, ich will dich nicht verlieren. Ich hab dir weh getan, ohne es gemerkt zu haben und das tut mir leid. Ich liebe dich doch, mehr als mein Leben. Für dich würde ich mein Leben geben.“ Er sah mir direkt in die Augen. Ich sah, wie ihm die Tränen in die Augen stiegen. ‚Ich bin ein kompletter Vollidiot!‘, schoss es mir durch den Kopf. Ich drehte mich von ihm weg. „Ich wollte dir nicht weh tun! Aber ich halte den inneren Schmerz nicht aus! Darum muss ich schlitzen, damit er nachlässt und vergeht, wenigstens für den Augenblick.“, sagte ich bedrückt. „Das hab ich auch gedacht. Was meinst du, weshalb Ricki und ich geschlitzt haben? Unsere Eltern waren tot, wir hatten nur noch uns, aber wir hatten ja noch Messer.“ Er schob seine Ärmel hoch und streckte mir seine Arme entgegen. Da fiel mir auf, dass er noch nie ein T-Shirt oder etwas Ähnliches getragen hatte. „Das sind alles Narben von damals. Ich nahm damals mit meiner Schwester und meiner Verlobten Drogen, kam aber vor ihnen wieder auf den rechten Weg und plötzlich starb Chrissi. Sie wurde keine 18 Jahre alt. Sie hatte ihr Leben noch vor sich. Das war vor zwei Jahren. Und jetzt hätte sich beinahe das selbe noch einmal abgespielt! Ich hatte Angst, furchtbare Angst um dich! Vielleicht verstehst du jetzt, weshalb ich alles hinter mir gelassen hab, weshalb du nie meinen richtigen Namen wusstest, weshalb ich den Namen Crüx trage, weshalb ich mittlerweile versuche, das Beste aus meinem Leben zu machen und dann spielte sich der Alptraum erneut vor meinen Augen ab.“, erzählte er. Erst jetzt bemerkte ich seine Tränen. „Es tut mir so leid, aber du weißt nicht wie furchtbar alles für mich ist! Ich hab doch fast keinen!
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Alt 20.08.2003, 23:57   #6 (permalink)
Rachel
Ich hab keine Geschwister, die mir da raushelfen. Ich hab eine Tante, die sich nur um mich kümmert, wenn ich ständig weg bin. Du schleppst mich auf eine Party, auf der ich von fast jedem wie der letzte Dreck behandelt werde. Das hab ich alles schon so oft durchmachen müssen, aber da hatte ich wenigstens noch meine Freunde.“ Ich schwieg. Er sah mich an. „Warum hast du mir das nie gesagt? Du tust immer so stark. Ich hab nie irgendwelche Narben an deinen Armen gesehen. Konnte ich da ahnen, dass du psychisch labil bist und nur so stark tust?“, fragte er. „Ach, jetzt ist wieder alles mein Schuld oder wie soll ich das sehen? So nicht, mein Lieber, so nicht! Meine Narben sieht man aus gutem Grund nicht. Wozu gibt’s Make-Up oder Schmuck? Langärmlige Klamotten? Ich bin nicht dumm und verarschen lass ich mich schon zwei mal nicht.“, schrie ich ihn an. Ich stand auf, wollte mich anziehen. Da kam Ricki rein. Ich hatte keine Chance zu entkommen. „Ich geb dir doch nicht die Schuld, Angel. Ich meinte, hätte ich das gewusst, dann hätte ich gestern die Anzeichen klar erkennen müssen und es wäre nie so weit gekommen!“, erwiderte Crüx. „Das ist mir jetzt echt egal. Du hast mich zu tiefst verletzt. Ich dachte, du liebst mich, das hast du gestern Mittag noch selbst behauptet. Am Abend sah es aber wieder ganz anders aus.“, war alles was ich ihm zu sagen hatte. „Ich hab mich oft genug verarschen lassen. Noch mal mach ich das nicht mit. Und jetzt entschuldigt mich, aber ich gehe.“, fügte ich hinzu.


„Rachel, wo willste denn hin?“ fragte Ricki besorgt. „Wen hast du denn noch?“ Ich sah beide wütend an. „Ich gehe und wohin ich gehe, kann euch egal sein!“, schrie ich nur hysterisch. Ich wollte gerade gehen, da packte Crüx mich von hinten, so dass ich mich nicht mehr wehren konnte. „Rach, du bleibst! Ich lass es nicht zu, dass du weiterschlitzt, ich lass das nicht zu! Dafür liebe ich dich zu sehr! Es tut mir so leid, meine Kleine, bitte verzeih mir! Ab jetzt werde ich immer gut auf dich aufpassen. Verzeih mir bitte!“, schluchzte er in mein Haar. Er ließ mich nicht mehr los. Ricki ging wieder. Sie stand wohl Schmiere, damit ich nicht abhauen konnte.

„Kleines, ich versteh dich doch! Wir haben alle das gleiche Schicksal, alle das gleiche durchmachen müssen. Ich kenne deinen Schmerz! Ricki auch. Du weißt doch, ich bin immer für dich da! Das gestern tut mir furchtbar leid. Ich dachte, du hättest auch deinen Spass. Das ist in Baden nun mal so. Wir sind lockerer als ihr Schwaben. Daran musst du dich gewöhnen, aber ich verspreche dir, dass ich mich in diesem Punkt bessern werde. Aber bitte hau nicht ab! Bleib hier. Red mit mir! Ich liebe dich und bin trotzdem noch dein bester Kumpel, mit dem du über alles reden kannst. Daran wird sich niemals etwas ändern!“, beteuerte er mir verzweifelt. Ich hielt nicht mehr gegen ihn. Jetzt hatte er mich. Das waren die Worte eines Mannes, der es ernst mit mir meinte. Keiner, der mich verarschen und ausnutzen wollte. Ich sank in mich zusammen. „Rach!“, rief er besorgt. „Alles okay?“ Ich wandte ihm mein Gesicht zu und sah ihn an. Dann fiel ich ihm um den Hals und begann hemmungslos zu heulen. Ich konnte einfach nicht mehr. „Es tut mir leid! Du warst so lieb zu mir und ich hab mich einfach noch nicht unter Kontrolle. Und darum mache ich das halt. Wenn mir was nicht passt, dann schlitz ich einfach mal ein bisschen. Dann geht es mir besser. Es tut mir so leid! Verzeih mir, Crüx! Ich liebe dich doch auch!“, schluchzte ich. Er hielt mich fest in seinen Armen, nahm mich hoch und legte mich auf Rickis Bett. Er nahm mich in seine Arme und streichelte mein Gesicht und meinen Kopf.

„Wo wolltest du denn hin? Zurück zu deiner Tante? Wieder in deinen goldenen Käfig?“, fragte Crüx. Ich schüttelte den Kopf. „Aber ich muss heute wieder zu ihm.“, sagte ich. „Zu wem?“, fragte er eifersüchtig. „Ich muss zu meinem Evil. Er wartet bestimmt schon auf mich.“, erwiderte ich. Dabei musste ich mich echt beherrschen nicht laut loszulachen. Crüx platzte schier vor Eifersucht. „So ein dämlicher Name! Ruf ihn an und sag ab!“, sagte er wutentbrannt. Er sah mich böse an. „Mann, reg dich net auf! Hm, okay, ich würde ihn ja anrufen, aber erstens hat ein Pferd aus Prinzip kein Handy und zweitens kann ein Pferd die menschliche Sprache nicht.“ Ich begann zu lachen. Er sah mich beleidigt an. „Komm, wir fahren nach Hause. Ich muss mich umziehen und zu Evil. Er wartet sicher schon ganz ungeduldig auf mich.“, sagte ich, stand auf und zog die Sachen von gestern an. Er nickte. Crüx legte den Arm um mich. „Geht ihr?“, fragte Ricki. „Aber ihr kommt heute abend vorbei, oder?“ Sie zwinkerte Crüx zu. „Klar, kannst dich drauf verlassen.“, antwortete er. Dann gingen wir.

Wir fuhren nach Hause und zogen uns um. Dann fuhren wir los zum Stall. Ich musste dringend eine rauchen. Ich fuhr. „Ich hoffe, du hast keine Angst vor Pferden. Er ist nämlich n ziemlich großer, kräftiger Bursche.“ Ich grinste. Sein Blick sprach Bände. „Wir sind gleich da. Ich schätz mal, er steht auf der Koppel. Muss heut noch n bissl mit ihm arbeiten, sonst wird er zu dick. Er is n Sportlerpferd und darum muss ich ihm helfen, an seiner Kondition und Fitness zu arbeiten. Er wird dir sicher gefallen. Ein bildschöner Rappe mit einer Flocke auf der Stirn.“, erzählte ich ihm, aber ich merkte, dass er keine Ahnung hatte, wovon ich überhaupt redete. Kurz darauf kamen wir an. Ich parkte, wir stiegen aus und ich nahm Evils Halfter vom Rücksitz.

so ladyphantasy. das ist mal eine doppelte fortsetzung für dich. tja wie du siehst bin ich noch hier, also denk nach wie die geschichte weitergeht. *lach*
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Alt 21.08.2003, 11:35   #7 (permalink)
ja doppelte fortsetzung
gibts die beim nächsten mal auch???*gg*
*schon drof wart*
aber ich denk mir mal das crüx angst vor pferden hat oder so oder zumindestens vor evil.
was is es denn für ne rasse wenn ich fragen darf???*g*
pferde sin die schönsten tiere dies gibt!!!*weiter of fortsetzung wart*
LadyPhantasy ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.08.2003, 11:49   #8 (permalink)
Rachel
Steht oben, ist ein Württemberger-Trakehner.

hm ma schaun vielleicht gibts ne doppelte fortsetzung vielleicht aber auch nicht. lass dich überraschen.

„Na, komm schon, Crüx. Auf geht’s!“ Ich zog ihn hinter mir her. Wir liefen zur Koppel. Ich pfiff auf zwei Fingern und da kam mein Pferd wie ein Schoßhündchen angetrabt mit stolz erhobenem Haupt. „Das ist er!“, sagte ich. „Eine wahre Schönheit, oder?“ Ich sprang über den Zaun. Okay, ich versuchte über den Zaun zu springen, gestern wär es mir noch gelungen, aber nach dem Blutverlust? Ich landete auf dem Boden. Crüx stieg über den Zaun und half mir hoch. „Alles in Ordnung, Angel? Ein Prachtpferd hast du.“, sagte er begeistert. Ich legte meinem Pferd sein Halfter an und sagte zu Crüx : „Mach uns bitte das Tor auf, Schatz.“ Er öffnete uns das Tor und ich zog mein „Schoßhündchen“ hinter mir her. Evil schnoberte durch meine Haare und zupfte an meinem Hemd rum. „Ja Dicker, du kriegst ja gleich was.“, sagte ich zärtlich. Er stupste mich in die Seite. „Du verrückter Gaul!“ Ich streichelte ihn. Ich band ihn vor seiner Box an und gab ihm erst einmal ein Leckerli. „Magst du ihm auch eins geben? Er ist ganz lieb. Er beisst dich schon nicht.“ Ich zog Crüx heran. Ich holte meinen Putzkasten aus meinem Schrank und putze Evil gründlich. Dann holte ich sein Sattelzeug und sattelte und trenste ihn. Zum Schluss legte ich meinem Pferd noch Gamaschen an und nahm eine Springergerte mit. Ich ging mit ihm zur Halle. „Crüx, komm schon. Steh nicht so dumm rum.“ Im Vorbeilaufen nahm ich noch meine Kappe und Handschuhe mit und dann konnte es losgehen. In der Halle schloss ich erst mal die Tür und Crüx setzte sich in die Ecke. Ich gurtete nach und stieg auf.

Es war herrlich wieder im Sattel zu sitzen. Ich ritt Evil warm und trabte dann an. Es war so befreiend. Ich genoss das gesamte Training. Den ruhigen schwingenden Trab, den schwungvollen Galopp, es war wie eine Erleichterung. Ich stieg ab und lies ihn einfach frei herumlaufen, während ich ein paar Hindernisse aufbaute. Ich musste ihn danach allerdings wieder einfangen. Ich stieg wieder auf und ritt los. Evil und ich waren ein super Team. Ich drückte ihm sanft die Versen in die Flanken und trieb ihn auf das erste Hindernis. „Auf Dicker, spring!“, flüsterte ich leise. Er spielte mit den Ohren und sprang sauber ab. Er war so wunderbar. „Rach, das war super!“, rief eine mir bekannte Stimme. Ich parierte durch zum Stehen und sah mich um. Es war der Stallbesitzer Thomas. „Danke. Evil macht aber auch Wahnsinnsfortschritte. Er hat sich toll gemacht, seit wir hier sind.“, sagte ich grinsend. „Wäre mal Zeit ihn auf einem Turnier zu testen, ob er schon so weit ist. Oder was meinst du?“, fragte er mich und trat an Evil heran. Aus den Augenwinkeln sah ich, dass Crüx vor Eifersucht schier platzte. „Klar, warum nicht. Wüsste ja auch gern, wie er sich macht. Ob er schon reif genug dazu ist. Du weißt ja, wie verspielt mein Dicker doch ist.“ Thomas nickte. Ich werde dich mal zu einem Turnier anmelden und werd dir nächstes Mal, wenn du da bist Bescheid sagen. Du solltest aber in nächster Zeit mehr trainieren. Alles andere ist nicht wirklich wichtig vor einem Turnier, aber das weißt du ja selber. Mach schön weiter, muss mal nach meinen Gören schauen, ob sie auch trainieren. Muss denen ja ein bisschen Feuer unterm Arsch machen.“ Er lachte und ging hinaus. Ich sammelte Evil wieder und ritt auf das nächste Hindernis. Wir sprangen den Parcours noch einmal komplett durch und ich parierte ihn zum Schritt durch. „Crüx, kannst du mal anfangen abzubauen? Ich helf dir gleich.“, bat ich ihn. Ich sprang von Evils Rücken und sattelte und trenste ihn ab. „So Dicker, das haste dir jetzt verdient.“, sagte ich. Ich brachte sein Sattelzeug in den Stall und nahm sein Halfter mit. Dann half ich Crüx beim Abbau. Er zog mich an sich. „Süsse, ich lieb dich so sehr.“ Er sah mir tief in die Augen und küsste mich. Danach pfiff ich nach meinem Pferd. Evil kam angetrabt. Ich legte ihm das Halfter an und brachte ihn in seine Box. Ich gab ihm seine Belohnungsleckerli und schüttete sein Futter in den Trog. Dann gingen wir.

Ich war müde. Zu Hause legte ich mich erst mal in die Kuschelecke zum Entspannen. Crüx wickelte meinen Verband ab und sah sich die Schnitte an. Sie bluteten fast alle noch immer. „Bitte schrei jetzt gleich nicht, egal wie sehr es schmerzt, aber ich mach dir was zur Blutstillung drauf.“, sagte er einfühlsam. „Nein, bitte nicht!“, rief ich als ich das Zeug sah. „Bitte lass das. Ich kenn das und es tut höllisch weh! Bitte, tu mir das nicht an!“ Ich sah ihn mit großen Augen an. Er wurde weich und sagte: „Nun gut, weil du es bist, aber ich mach dir nen neuen Verband drauf.“ Darauf bestand er und er hatte recht, wie sah das denn aus? Und durch die offenen Wunden konnten Infektionen auftreten. Danach legte er sich zu mir, nahm mich in die Arme und wir schliefen ein.

Am Abend erwachten wir aus einem tiefen Schlaf. Wir lagen noch eine Weile zusammen bis wir uns aufraffen konnten. Ricki erwartete uns ja. Crüx küsste mich sanft auf die Stirn. „Hast du gut geschlafen, Angel?“, fragte er mich. Ich gähnte und nickte anschließend. Er drückte mich vorsichtig an sich und murmelte irgendetwas unverständliches in mein Haar. „Komm, Prinzesschen, zieh dich um und mach dich etwas frisch. Ich verspreche dir, heute Abend gehöre ich ganz dir, sie hat sonst niemanden eingeladen.“, versicherte er mir mit herzerweichendem Blick. Ich zog mich um, schwarze Jeans, ein Trägeroberteil aus Samt und eines von Crüxs Hemden. Meine lila Mähne ließ ich offen, unterstrich die Blässe. Ich nahm meine Lederjacke und setzte mich noch mal auf die Matratzen bis Crüx endlich fertig erschien. - Ich sags euch, er ist in Sachen Eitelkeit sogar fast schlimmer als nen Weib! Na ja, typisch Mann eben. – Er half mir vorsichtig wieder hoch, er wollte mir ja nicht weh tun. Dann gingen wir runter zum Auto und fuhren zu Ricki.

Während der ganzen Fahrt schwieg ich, ich war total in Gedanken, nur woran ich dachte, weiss ich selbst heute noch nicht, genau so wie damals. Ich zündete mir eine Zigarette an und sah Crüx von der Seite aus an. „Was ist, Kleines? Alles in Ordnung?“, fragte er mich. Ich schrak hoch. Er wiederholte seine Fragen. Ich nickte nur. Er sah so nachdenklich aus, ich wusste nur nicht warum. Ich konnte es mir zwar denken, aber ob es auch so war? War ich der Grund? Tausend Fragen schossen durch meinen Schädel, doch keine einzige Antwort wurde dazugeliefert.

Bald kamen wir bei Ricki an. Es war mir regelrecht unangenehm ihr wieder unter die Augen zu kommen, nach allem was war. Aber zum Glück war ich noch stark benebelt, so dass nur Crüx richtig zu mir vordringen konnte. Ich war sehr kraftlos an diesem Abend, ich schaffte es nicht einmal aus dem Auto. Crüx kam rüber zu mir, sah mir in die Augen und meinte: „Komm, ich trag dich, ich weiss, wie du dich fühlen musst.“ Er hob mich hoch und trug mich rein.

Ich bekam nicht viel mit von den Gesprächen, die Crüx, Ricki und Pat führten. Ich war viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt. Ich rauchte schon wieder eine. Dabei dachte ich an meine Vergangenheit. Was würde Crüx sagen, wenn er wüsste, dass ich nicht das erste Mal geschlitzt hatte? Dass ich schon mal soweit war, wie das letzte Mal? Und das war damals nur aus Spass. Er würde das sicher nicht verstehen. Gut, es war nicht wirklich aus Spass, vielleicht mit einer großen Portion Depressionen und Langeweile gemischt, aber trotzdem aus keinem triftigem Grund. Ich war so in Gedanken, dass ich Ricki nicht hörte. Erst nachdem Crüx leicht an meiner Schulter rüttelte, kam ich wieder zu mir.

Ich sah ihn mit großen Augen an, wusste nicht, was passiert war und wo ich mich befand. „Bist du in Ordnung? Du siehst so blass aus, Kleines. Ich mach mir Sorgen um dich.“, sagte er leise. „Ich bin in Ordnung, ich war nur in Gedanken und ich glaube, es gibt da etwas, was du wissen musst.“ Ich sah ihn nicht mehr an. Wendete meinen Blick ab. „Was denn, ist irgendetwas nicht okay?“, fragte er besorgt. „Hm, so könnte man das nicht sagen. Ich werde es dir später sagen, sobald wir zu Hause sind.“, sagte ich nur noch und kuschelte mich dann an ihn, ohne auch nur noch ein Wort zu verlieren. Dann schlief ich wieder ein.

Ich erwachte im Auto. Es war etwas holprig, wie immer eben dieser Feldweg nunmal war. Wir fuhren wohl schon zurück. Crüx merkte, dass ich wieder wach war. „Na, gut geschlafen?“, fragte er mich. „Ja. Was ich dir sagen wollte, wäre folgendes...“ Ich begann zu reden und zu reden, erzählte ihm, dass ich seit über zwei Jahren aus purem Spass an der Freude schlitzte und dass Blut auf mich eine beruhigende Wirkung hatte. Er hörte sich schweigend alles an. „Es ist nun mal etwas anders als bei euch. Ich hab meinen Spass dran gehabt. Vor allen möglichen Arbeiten und Prüfungen hab ich auch geschlitzt, hat besser als jedes Beruhigungsmittel gewirkt und die Wirkung hat es beibehalten. Ich bin süchtig nach diesem Schmerz, ich kann einfach nicht damit aufhören. Verstehst du? Aber umbringen? Nicht absichtlich und dazu muss ich nen kompletten Filmriss und Ausraster haben.“ Ich sah ihn sn und zitterte. Ich spürte, dass ich meine Rasierklinge brauchte, doch ich konnte vor seinen Augen nicht schlitzen. Er sah mich verständnislos an. „Aber warum? Was bringt dir das?“, erwiderte er. „Es bringt mir die Ruhe. Es ist nun mal anderst in so nem scheiss Kaff aufzuwachsen, wo du der Arsch für jeden bist. Irgendwas hab ich halt gebraucht. Das wollte ich dir nur sagen, mehr nicht. Du solltest halt darüber bescheid wissen.“ Er fragte: „War es jemals so schlimm wie jetzt? Hattest du jemals so tiefe Schnitte, die dich fast das Leben gekostet hätten?“ Ich schüttelte den Kopf. „Nein, nicht wirklich. Ich wollte es dir nur sagen, aber nichts davon weiter hören.“ Das war mein letztes Wort zu diesem Thema.
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Alt 21.08.2003, 11:50   #9 (permalink)
Rachel
ok, weil du es bist kriegst noch einen teil, mach da heute einmal eine ausnahme.

Zu Hause angekommen zog ich mich um, und rauchte noch eine Zigarette bevor ich schlafen ging. Crüx setzte sich zu mir und legte seinen Arm um mich. „Ich versteh dich nicht, warum tust du das? Ich kann das nicht verstehen. Wie kann ich mit dir zusammen sein und ständig die Angst mit mir rumschleppen, dass du dich jeden Tag umbringen könntest?“, sprach er traurig. Er sah mich mit glänzenden Augen an. Er wandte sich von mir ab und legte sich hin. Ich rauchte fertig und legte mich dann zu ihm. Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Er rührte sich nicht, sagte nichts und sah mich auch nicht an. Ich kuschelte mich ganz eng an ihn, ja, ich drückte mich regelrecht an ihn. Er reagierte nicht. „Warum redest du nicht mit mir? Liebling, was ist denn los mit dir?“, fragte ich. Ich beugte mich über ihn und sah ihn an. Ich erschrak. Stumme Tränen liefen über sein Gesicht. Ich konnte es nicht verstehen. „Was verdammt noch mal ist los?“, fragte ich ihn eindringlich. Nach einer Ewigkeit des Schweigens und des Wartens sah er mich an. „Hör auf damit!“, flüsterte er heiser. „Lass es sein! Bitte, mein Engel, hör auf damit, ich ertrage diese Vorstellung einfach nicht!“ Ich war total entsetzt. Ich wusste natürlich was er meinte – meine Schlitzerei. Er drehte sich wieder weg. Mir schossen tausend Gedanken durch den Kopf. „War es richtig, dass wir eine Beziehung führten? Warum kann ich die Zeit nicht zurückdrehen? Warum gibt es nur noch Stress? Ich hab keinen Bock mehr!“ Ich fasste mir an den Kopf. Er dröhnte geradezu. Ich stand auf, nahm meine Tasche und ging hinaus. - Eine absolut kuriose Vorstellung: Gothbraut nur in T-Shirt und Shorts und Stiefeln. Ich muss sagen, das ist der absolute Brüller! Ja, heute lache ich selbst darüber, aber damals? Da wäre ich nicht mal im Entferntesten auf die Idee gekommen zu lachen. - Ich ging wortlos. Es tat so weh. „Crüx, ich liebe dich, aber aufhören? Das kann ich nicht, noch nicht!“, murmelte ich vor mich hin. Ich lief Richtung Auto, zu meinem Auto und fuhr dann los. Im Rückspiegel sah ich Crüx. Mein Herz krampfte sich zusammen, denn ich wusste, was das bedeutete. Ich hatte mich schon seit langer Zeit nicht mehr unter Kontrolle. Und ich wusste, dass diese Nacht meine letzte sein könnte. Voraussichtlich, Crüx würde mich noch rechtzeitig finden. Ich fuhr zu Evil, wollte meinem Dicken Adieu sagen. Er stand auf seiner Koppel, wie eigentlich fast jede Nacht in letzter Zeit, das tat ihm gut. Ich streichelte seinen Hals und drückte mich an ihn. „Ich werde dich nie vergessen, mein Dicker. Ich hoff, dass du’s auch weiterhin gut hast.“ Mir liefen Tränen übers Gesicht. Dann setzte ich mich ans hinterste Ende der Koppel, zündete mir meine „Henkerszigarette“ an und nahm meine Klinge aus der Tasche. Ich streifte langsam über meinen anderen Arm. Ich begann langsam mir Crüxs Namen einzuritzen. Zu erst ganz vorsichtig, dann immer heftiger und blutiger. Ich nahm einen weiteren Zug und blies den Rauch aus. Ich war total hysterisch. Ich versuchte mich zurückzuhalten. Ich schloss die Augen, nahm den letzten Zug und warf die Kippe weg. Ich atmete ein letztes Mal tief durch und hob den Arm, um die Klinge in meinen Arm zu rammen. Ich spürte wie mein Arm sich immer rasender senkte. Die Klinge berührte schon mit der Spitze meine Haut, war kurz davor sie zu durchstechen. Doch bevor sie richtig tief in meinem Arm steckte, wurde der Fall gebremst. Eine Hand packte mein Handgelenk und riss sie weg. Ich spürte eine weitere Hand im Gesicht. Ich schrak zusammen und öffnete die Augen. Ich blickte auf und sah in Crüxs Gesicht. Ich sah ihn ungläubig an. „Es tut mir leid!“, hauchte er. „Ich wollte dich nicht schlagen!“ Ich sah auf meinen Arm und sah ihn wieder an. Er nahm mich in seine Arme und er begann zu weinen. Ich konnte meine Tränen nicht mehr zurückhalten. ‚Wieso tat ich das ständig?‘, schoss es mir durch den Kopf. Sollte es nicht langsam mal mit mir bergauf gehen? Was war ich nur für ein Idiot? Ich hatte einen Mann wie Crüx echt nicht verdient! Ich bereitete jedem nur Kummer! Ich war total am Ende. Ich stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Dann spürte ich aber wieder Crüxs Nähe, wie er mich fest an sich drückte und da begann ich mich wieder zu beruhigen.

An vieles in diesem Zeitraum kann ich mich gar nicht mehr so genau erinnern. Ich merkte nur, wie ich mal wieder bewusstlos wurde. Diesmal erwachte ich zu Hause. Crüx saß neben mir, hielt meine Hand. Meine Güte, sah der Kerl fertig aus! Ich war echt entsetzt. Er sah mir tief in die Augen. Was seine Augen mir aber sagten, gefiel mir nicht. Ich konnte so viel Schmerz darin lesen und Trauer. Er fühlte sich wie ein Versager, das spürte ich. Ich schloss meine Augen wieder und ließ mich fallen in eine tiefe Meditation. Ich musste nachdenken. Doch woran ich dachte, weiss ich heute nicht mehr. Und während der gesamten Zeit meiner geistigen Abwesenheit hielt er meine Hand ganz fest. Das spürte ich einfach.

Ich musste einen Ausweg finden, mit dem wir beide zufrieden waren. Ich musste schon allein ihm zu liebe von der Schlitzerei loskommen, aber wie? Ich wollte keine Therapie machen, das war mir echt zu blöd. Aber was gab es sonst für Möglichkeiten? Einfach aufhören, ohne wenn und aber? Das konnte ich nicht. Für solche Aktionen war ich einfach zu labil. Aber was blieb mir denn anderes übrig? Ich wusste weder ein noch aus. Ich öffnete die Augen und sah ihm direkt ins Gesicht. Kurz darauf sagte er:„Ich weiss es nicht, Liebes, ich weiss nicht.“ Er hatte wohl in meinen Augen gesehen, was mir auf der Seele brannte. „Du musst davon loskommen, aber du bist schon so tief drinnen, ich wüsste nicht wie ich dir da noch helfen könnte. So war es bei meiner Verlobten damals auch. Nur ihr war das nie so bewusst wie dir. Sie wusste nicht, was sie da tat, aber du weißt es und das ist das Furchtbare daran. Am liebsten würde ich dir die Klingen wegnehmen und wegschmeissen. Aber du würdest dir sicher neue kaufen.“ Er sprach ohne jegliche Hoffnung in der Stimme. Er hatte mich schon aufgegeben. Das enttäuschte mich zu tiefst. „Ich dachte, du willst mir helfen, aber du machst mich mit deinen Worten nur fertig! Hätte ich dir etwas davon erzählt, wenn ich dir nicht vertrauen würde? Nein! Und vertraue ich dir etwa nicht? Gut, ich vertraue dir nicht grenzenlos, aber ich hab noch nie jemandem so sehr vertraut wie dir. Ich will doch Hilfe, aber wie? Wie soll ich aufhören? Warum willst du mir nicht helfen? Wieso gibst du mich auf?“ Ich begann zu weinen. Ich konnte nicht mehr. Diese Enttäuschung raubte mir die Sinne. Er sah mich nur an, ich spürte seine Blicke förmlich. „Ich wünschte, ich könnte dir helfen, aber du musst es selber wollen. Erst dann kann ich dir helfen.“, sagte er mit einem Ton, der es mir eiskalt über den Rücken laufen ließ. „Ich will deine Hilfe doch, verstehst du das nicht? Aber du musst auch darauf eingehen, sonst geht’s nicht!“, schrie ich ihn an. Daraufhin packte er mich, damit ich nicht durchdrehen konnte. „Wo sind deine Klingen, Liebes?“, fragte er dann und ließ mich los. „In meiner Tasche.“, sagte ich mit großen Augen. Er nahm sie und warf sie weg. „Ich passe auf dich auf, mein Schatz. Ich will nicht, dass du stirbst.“ Er nahm mich in seine Arme und drückte mich ganz fest an sich. Ich schlief in seinen starken Armen ein mit dem Wunsch, nie wieder zu schlitzen und ihn dadurch nie wieder zu enttäuschen.

Es ging bergauf mit mir. Langsam aber sicher fing ich mich wieder. Es begann eine glückliche Zeit für mich. Crüx und ich waren glücklich vereint. Wir hatten keine Probleme, weder in der Beziehung, noch in der Schule, noch sonst wo. Ich war einfach glücklich. Es wunderte mich, dass in der Schule alles so gut lief. Schlechtestenfalls bekam ich mal eine vier, aber sonst? Es wunderte mich auch, da ich ab und zu wegen Turnieren fehlte. Aber Evil war in Höchstform und das konnte ich mir doch nicht entgehen lassen! Ab und zu kam es sogar vor, dass ich meine Tante besuchte. Es war einfach eine wunderbar harmonische Zeit, auf die ich auch weiter eingehen werden möchte.

Seit zwei Monaten hatte ich meine Arme nicht mehr mit scharfen, spitzen Gegenständen in Berührung gebracht. Ich war richtig stolz darauf, denn seit ich mit dem Schlitzen begonnen hatte, gab es keine Woche, in der das nicht mal vorkam. Aber Crüx hatte auch viel dazu beigetragen. Alleine hätte ich das wohl niemals geschafft.
Crüx war ein absoluter Gentleman. Er war so lieb zu mir, verhielt sich so fürsorglich und zärtlich, ich hatte wirklich das Gefühl, als ob ich mich in einem wunderschönen Traum befinden würde. Doch es war real und das war das Schönste daran. Wir spielten uns praktisch immer höher und höher. Wir befanden uns im siebten Himmel.

Auch mit meinem Pferd lief es super. Evil hatte eine Spitzenkondition und war in absoluter Siegerlaune. Beim Training spielte er immer die Prima Ballerina, aber er sprang trotzdem perfekt.
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Alt 21.08.2003, 12:29   #10 (permalink)
*of die weiter fortsetzung wart*
gibts wieder n doppel pack???*gg*
büddö büddö.*g*
deine geschichte is gut rachel, gefällt mir.
LadyPhantasy ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.08.2003, 12:34   #11 (permalink)
Rachel
hm okay, kriegst noch einmal eine doppelte, aber das letzte mal vorerst, nicht dass mir der stoff ausgeht... soll doch enigstens noch etwas spannung bleiben... *g*

Ich erinnere mich noch an eines unserer Spitzenturniere. Es war ein Freitag morgen. Ich war im Stall und begann alles vorzubereiten. Evil frass, Crüx saß in der Schule - ;-P - und ich suchte all meine Sachen zusammen. Thomas hatte den Transporter auf den Hof gestellt. Ich verteilte etwas Stroh in ihm und ging zurück in den Stall. Ich packte Evils Sattelzeug in meine Truhe, auch das Putzzeug, Schabracken, Gamaschen und die Trense räumte ich rein, alles, was ich halt brauchte. Ich wollte mich erst dort umziehen und sah aus wie der letzte Stallbursche. Wir luden die Truhe in Thomas` Auto. Dann holte ich Evil. Er war bester Laune. Hob den Kopf hoch und tänzelte freudig neben mir her. Er stupste mich an, wollte ein Leckerli. „Bist du soweit, Rach?“, fragte Tommi, so nannte ich ihn immer. „Gleich, muss ihn nur noch schnell einladen und festbinden. Dann können wir.“, rief ich nach vorne. Ich legte Evil ein paar Karotten in seinen Futtertrog, klopfte ihm den Hals und legte ihm eine Decke auf. Während ich mich noch schnell um mein Pferd kümmerte, lud auch Tommis Tochter ihr Pferd ein. Sie sollte heute auch teilnehmen. Ich ging vor und setzte mich neben Tommi. Ich zündete mir eine Kippe an und atmete genüsslich aus. „Na, holt ihr uns heute wieder den Sieg?“, fragte er. „Na logisch, was denkst du denn?“, sagte ich belustigt. „Ich finde das so amüsant, dass Crüx jetzt gerade im Unterricht hockt und ich nicht.“ Ich lachte. „Rauch nicht so viel, Kleine.“, mahnte er. „Ach wo. Ich bin doch eh schon scheintot und nur zu faul zum Umfallen. Das weisste doch!“, sagte ich grinsend.

Eine Stunde später kamen wir auf dem Gelände an. Ich sprang nach hinten und lud Evil aus. Er hatte schon wieder Pfeffer ohne Ende. „Jetzt beruhig dich, Dicker. Das kennst du doch schon! Ruhig jetzt!“, mahnte ich ihn. Er sah mich an, seine Ohren spielten in alle Richtungen. „Komm mit, du Blödmöhre.“, sagte ich zärtlich zu ihm und schleifte ihn förmlich zu unserem Platz. Ich band ihn im Schatten an und begann ihn zu putzen. Dabei stupste er mich die ganze Zeit in die Seite und wollte mir das Putzzeug wegnehmen. Er war schon eine einmalige Nummer. Dann ging ich mich umziehen. Ich kam in weißen Reithosen, weißem Hemd, schwarzen Stiefeln und so weiter und sofort zurück, trug den lila Blazer über dem Arm. Ich band meine Haarpracht noch schnell zusammen und ging wieder zu meinem verrückten Gaul. Ich legte ihm den Sattel auf den Rücken und schloss den Sattelgurt. Danach legte ich ihm die Gamaschen an und trenste ihn. Es war kurz vor elf und in einer Stunde sollten wir an der Reihe sein. Ich setzte meine Kappe auf, streifte die Handschuhe über und gab Tommi meinen Blazer. „Los, steig auf, ich bring euch zum Aufwärmplatz.“, sagte Tommi. Ich steckte noch schnell meine Springergerte in den Stiefelschaft und stieg auf. Er schien nervös. Aber wohl eher wegen seiner Tochter als wegen mir. Es war ihr drittes oder viertes Turnier, aber die vorherigen waren ein absolutes Desaster. Mal ganz ehrlich: so wie sie ritt und ihr Pferd behandelte, brauchte er sich gar nicht zu wundern, dass ihr „Shining Star“ bockte und stieg. Sie hatte ihn gründlich verdorben und das würde die sicher nicht mehr hinkriegen. Und Star wurde schon wieder stur. Kaum waren wir auf dem Platz fing er an zu bocken. Er wollte nicht so wie sie. Ich grinste mir wegen ihr innerlich einen ab. Ich trabte nach ein paar Schrittrunden hochnäsig mit Evil an ihr vorbei. Irgendwann gab ich ihm die Galopphilfe und sprang zwei Oxer. „Brav so! Hast du fein gemacht!“, lobte ich ihn und gab ihm ein kleines Stück Karotte. Dann ritt ich zu Tommi. Er sah entsetzt aus. „Rach, tu mir nen Gefallen und reit Star warm. Sonst wird das niemals was.“, bat er. Dann rief er seiner Tochter zu: „Sandra, komm mal her.“ ‚Dumme kleine blonde Schlampe! Du tust dem Gaul weh!‘, dachte ich mir. „Bist du wahnsinnig den Dicken mit Kandare zu reiten? Der ist das doch gar nicht gewohnt.“, brüllte ich sie an. Einer der Stallburschen, Daniel, war auch da. „Dani, holst mir bitte meine Zweittrense aus meiner Truhe? Das Ding ist ja eine Zumutung!“ Er nickte. „Klar, für dich doch immer, Schönheit!“, sagte er lachend. Sandra sah mich wütend und neidisch an. Ich wusste, dass sie heimlich in Dani verliebt war, er sie aber nicht ausstehen konnte. Einige Minuten später kam er mit meiner Trense. „Ja, wird ja alles gut Star. Ist ja alles wieder in Ordnung. Siehst du, jetzt hast du eine normale Trense. Die tut dir nicht weh.“ Ich streichelte seinen Hals und gab ihm auch ein Leckerli. Evil sah schon ganz eifersüchtig rüber. „Bleibst du ruhig, du Viech!“, rief ich ihm zu. Er wieherte. „Ist ja in Ordnung, bin ja gleich wieder bei dir, Blödmöhre.“ Ich stellte mir die Bügel ein und schwang mich auf Stars Rücken. Es war ein ganz anderes Gefühl als bei Evil. Stars Rücken entspannte sich langsam. Ich ritt ihn langsam warm und locker. Nach zehn Minuten trabten wir an. „So ist brav, Kleiner.“, flüsterte ich. Dann galoppierten wir an. Ich wollte wissen, was in ihm steckte und lenkte ihn auf den ersten Oxer. Er sprang federleicht ab und landete sicher auf der anderen Seite. Wir galoppierten weiter und nahmen das nächste Hindernis mit einer Leichtigkeit, dass Sandra schier die Augen aus dem Kopf fielen. Dann parierte ich ihn wieder zum Schritt und übergab ihn Tommi. Ich stieg ab und sagte: „Er hat gute Ambitionen, die allerdings fast ruiniert sind. Er reagiert nicht sofort auf die Hilfen und versucht zu bocken. Zieh seine Anmeldung zurück. Das bringt nichts. Er wurde total verritten.“ Dabei warf ich einen zynischen Blick auf Sandra. Ich nahm Evils Zügel wieder in die Hand. Er schnoberte in meinen Haaren. „Nein Dicker, jetzt gibt’s nix mehr. Brauchst gar net meinen, alter Freßsack.“ Ich klopfte ihm den Hals. „Meinst du Rach?“ Er sah mich unschlüssig an. „Ist besser. Wenn du willst, dass er nicht vollends verritten wird, dann lass es heute. Und such dir jemand mit mehr Erfahrung, der ihn ein wenig in Beritt nimmt. Sonst macht sie ihn noch ganz kaputt. Tut mir leid, aber so ist die Wahrheit.“ Damit drehte ich mich um und holte meine Startnummer. Dani begleitete mich. „Der hast’s aber gegeben! Reife Leistung. So ein Wahnsinnsgaul und so eine untalentierte Schnepfe.“ Er lachte. Wir waren relativ früh dran, aber das machte nichts. Dann konnten wir wenigstens ordentlich vorlegen. Ich begab mich wieder auf den Aufwärmplatz. Ich war zuversichtlich, dass wir wieder einen der vorderen Plätze holen würden.

Ich sah auf die Uhr. Noch zwanzig Minuten. Ob Crüx es noch schaffen würde? Naja, egal. Darüber durfte ich mir gar keinen Kopf machen. Ich band Evil wieder an, lockerte den Sattelgurt und zündete mir noch eine Zigarette an. Das raubte mir die Nervosität. Dani gesellte sich zu mir. „Na, beginnst du mit deinem Ritual?“, fragte er mit einem Blick auf meine Kippe. Ich grinste. „Logisch, das muss sein, denn sonst gewinnen wir ja nicht!“ Ich lachte. Und wer kam gerade in dem Moment um die Ecke? Wer hätte das gedacht, es war Sandra. „Kann ich dich mal sprechen, Rach?“, fragte sie. „Für dich immer noch Rachel. Was willst du?“ Ich blickte sie hochmütig an. „Was soll die Scheisse? Warum soll mein Dad mich zurückziehen?“, schrie sie mich an. „Weil du den Gaul verritten hast und eh keine Chance hättest. Du hast nichts auf dem Kasten, nur leider hat das kaum jemand auf dem Hof erkannt.“, sagte ich ganz ruhig und drehte das Radio auf. Noch ein bisschen Das Ich zur Entspannung. Von weitem hörte ich ein Motorrad. ‚Nee‘, dachte ich, ‚das kann nicht sein.‘ Schneller als mir lieb war, stand der Fahrer des Motorrads vor mir. „Crüx! Was machst du denn hier? Du weißt doch, du sollst nicht schwänzten!“, sagte ich lachend und fiel ihm um den Hals. Nun lief auch noch „Gottes Tod“, das passte ja perfekt. Es hagelte zwar bitterböse Blicke, aber wen interessierte das? Mich jedenfalls nicht. „Ich wollte doch nicht verpassen, wie du wieder gewinnst!“, sagte er treudoof. Ich nahm einen letzten Zug und machte den Rest aus. „Rach, auf geht’s, du bist in zehn Minuten dran!“, rief Thomas. Ich gurtete nach, zog den Blazer an und stieg auf. Dani reichte mir Handschuhe und Kappe. Crüx machte die Musik aus und stellte den CD-Player ins Auto. Ich machte einen letzten Probesprung auf dem Aufwärmplatz und wurde kurz darauf aufgerufen. „Startnummer 13, Rachel Storm auf Evil Spirit!“ Wir ritten ein, hielten vor den Richtern und ich grüßte. Dann gab ich Evil Trabhilfen und als die Glocke geschlagen wurde galoppierten wir auf das erste Hindernis. Wir nahmen die 15 Hindernisse mit einer Leichtigkeit, dass dem Publikum der Atem stockte, sagte Crüx später. Wir machten die bisherige Bestzeit. Wir waren im Finale. Das war ja auch klar. Was anderes hatte ich auch nicht erwartet. Ich ritt zurück zu unserem Platz und sattelte Evil ab. Er sollte sich ein wenig ausruhen können.
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Alt 21.08.2003, 12:36   #12 (permalink)
Rachel
Tommi passte auf die Pferde auf, während ich mit Crüx und Dani was trinken ging. „Rach, das war Spitzenklasse. Du hättest Sandras Gesicht sehen sollen, als du gesprungen bist!“, erzählte Dani begeistert. „Darauf muss ich jetzt eine rauchen.“, sagte ich lachend und zündete mir eine Zigarette an. Crüx legte seinen Arm um meine Schultern. Wir setzten uns ins Zelt und tranken was kühles. „Tja, jetzt hab ich erst ma Pause und bis das Stechen anfängt dauert es eh noch ne Weile.“ Ich begann mich zu langweilen.

Endlich hatte das Warten ein Ende. Ich hatte Evil längst wieder gesattelt und war mit ihm auf dem Aufwärmplatz. „Na Blödmöhre, du weißt ja worums jetzt geht! Also streng dich an, mein Dicker!“, sagte ich zärtlich zu ihm. Ich gab ihm ein Leckerli und stieg auf. Er lief am langen Zügel friedlich um den Platz. Die anderen hatten sich auf die Tribüne gesetzt und erwarteten unseren Auftritt voller Spannung. Uns erwartete eine Kombination aus Steilsprüngen, einem Graben, mehrere Oxer und Triplebaren. Das dürfte kein Problem sein, dachte ich mir. Und mit diesem Gedanken ritt ich ein, grüßte die Richter erneut und gab Evil seine Trabhilfen. Ich hatte ihm schon vor langer Zeit beigebracht, dass seine Galopphilfe bei Turnieren die Startglocke ist und so galoppierte er los als die Glocke ertönte. Wir nahmen den ersten Oxer mit Leichtigkeit und ritten auf eine doppelte Kombination zu. Evil sprang immer rechtzeitig ab. Er wusste was zu tun war. Ich musste ihn nur noch auf die jeweiligen Hindernisse lenken. Ich vernahm die Stimmen meiner Leute gar nicht mehr. Ich erfuhr später, dass sie mir zugerufen hatten, dass ich sabotiert wurde. Man hatte mir am Sattelgurt rumgeschlitzt. Das Komische war, dass ich es vorher nicht bemerkt hatte. Und während meinem Ritt konnte mir einfach nichts passieren. Schließlich waren wir eine Einheit und ich hatte einen festen Sitz auf seinem Rücken. Wir machten die Bestzeit, was ich auch erwartet hatte. Einer der Richter kam später zu mir und sprach mich auf den Sattel an. „Ich hab einen Verdacht, wer mich sabotiert hat. Ich halte meine Sachen schließlich immer Top in Schuss.“, erklärte ich ihm und nahm meinem Pferd den Sattel vom Rücken und legte ihm eine Decke auf. „Ach meine Blödmöhre, das hast du wieder fein gemacht. Bist ein braver Junge.“ Ich klopfte ihm den Hals und gab ihm eine Karotte. Er stupste mich in den Rücken, er wollte wohl mehr. „Rach, auf geht’s zur Siegerehrung.“, sagte Tommi. Hinter ihm sah ich Sandra. Ich grinste sie diabolisch an und als sie an mir vorbei lief zischte ich ihr in einem gefährlichen Ton zu:„Pass auf dich auf, Süsse. Ich mach sonst Hackfleisch aus dir, Saboteurin. Ich bring dich um!“ Ich spürte ihr Entsetzen und begann bösartig zu lachen. Crüx gab mir einen Kuss und half mir auf Evils Rücken. Es war schön mal wieder ohne Sattel auf meinem Pferd zu sitzen. Dani als mein Stallbursche durfte mich auf den Platz führen. Wir nahmen das blaue Band dankend entgegen, verzichteten aber auf die Ehrenrunde. Ich murmelte etwas von „Unfall“ und „hohem Blutverlust“ und „nicht überanstrengen“ und durfte dann wieder gehen.

Wir luden die Pferde und die restlichen Sachen ein und fuhren nach Hause. Uns allen fuhr Crüx voraus. Wie ich diesen Mann auf dieser Maschine doch liebte!

Auf dem Hof luden wir die Pferde wieder aus. Ich brachte Evil auf seine Koppel, damit er sich kurz austoben konnte und bereitete in seiner Box etwas Schönes für ihn vor. Er bekam etwas ganz Besonderes zum Futter dazu, viele Äpfel und Karotten. Ich wusste, dass er das liebte. Also holte ich ihn von seiner Koppel und brachte ihn in seine Box. Er stürzte sich natürlich sofort auf sein Futter und stopfte sich voll. „Ach Dicker, bist mein aller Liebster auf der ganzen Welt! Bin froh, dass ich dich hab.“, flüsterte ich ihm in seine riesigen Ohren, klopfte ihm den Hals und ging zu meinem Auto.

Ich fuhr schweigend nach Hause. Irgendwie überfiel mich eine tiefe Trauer. Doch ich wusste nicht warum. Ob irgendwas passiert sein mochte?, fragte ich mich. Aber das konnte nicht sein. Ich schaltete mein Radio ein und zündete mir eine Kippe an. Ich dachte nicht länger darüber nach.

Zu Hause angekommen war von Crüx keine Spur und erreichbar war er komischerweise auch nicht. Sein Handy war aus. Das konnte nichts Gutes bedeuten. Ich ging trotzdem duschen, ich hatte das dringend nötig, um auf andere Gedanken zu kommen. Ihm ist sicher nichts passiert, dachte ich. Doch ohne es zu merken beeilte ich mich zum ersten Mal in meinem Leben mit duschen. Sonst brauchte ich immer mindestens eine halbe Stunde. Ich zog mich an, machte schnell meine Haare und rief Ricki an. „Hi Ricki, ich bin’s, Rach.“, sagte ich. „Rachel! Kannst du mir schnell Crüx geben? Muss ihn dringend sprechen und sein Handy ist aus.“, sagte sie aufgeregt. „Deswegen rufe ich an. Ich kann ihn auch nicht erreichen. Er ist schon vor mir nach Hause gefahren. Hatte doch Turnier und wollte mich noch ausgiebig um meine Blödmöhre kümmern. Ich bin also erst vor kurzem heimgekommen.“, erzählte ich. Ein kaltes Grauen packte mich. „Was machen wir jetzt, Rach?“, fragte Ricki besorgt. „Ich fahre zurück zum Stall und hole Evil. Er muss nochma herhalten nach seiner Glanzleistung heute. Dann reite ich mit ihm die Strecke ab, die Crüx immer fährt. Ich ruf dich danach noch mal an.“, sagte ich. „Nein Rach, lass mich bitte mitkommen. Ich will nicht nur rumsitzen und Däumchen drehen, bitte!“, flehte sie. „Hm, na gut. Du weisst wo der Stall ist?“, fragte ich sie. „Ja, gibt ja nur einen hier in der Umgebung. Der von Thomas.“, sagte Ricki. „Du kennst ihn?“, fragte ich überrascht. „Ja, bin doch selber lange geritten. Also in zwanzig Minuten dort. Ruf Thomas an, er soll mir n Pferd fertig machen.“, sagte sie. „Geht klar. Bis gleich.“ Ich rief Tommi an. „Rach, was gibt`s denn noch?“, fragte er ein wenig verärgert. „Entschuldige die Störung! Macht mir bitte Evil fertig und n Pferd für Ricki.“, sagte ich und rannte zum Auto. „Die Ricki??“, fragte er begeistert. „Ja, sag Dani er soll`s machen und halt Sandra, die Saboteurin, von meinem Dicken fern. Bis gleich.“, gab ich ihm die Anweisungen und legte auf. Ich sprang in mein Auto und zündete mir ne Kippe an. Ich raste mit quietschenden Reifen los. Innerhalb von zehn Minuten war ich am Hof. Kurz darauf kam Ricki. „Los geht`s. Wir müssen ihn finden.“, rief Ricki. Dani kam ganz aufgeregt auf mich zugerannt. „Rach, irgendwas stimmt mit Evil nicht! Komm schnell!“ Er packte mich am Handgelenk, so dass es schmerzte und zog mich hinter sich her. Ich sah sofort, was da nicht stimmte. Er hatte irgendwas zu fressen bekommen, was man ihm nicht geben durfte. Ich drehte mich wutentbrannt um und ging auf Sandra zu. „Du blöde kleine Drecksschlampe!“, schrie ich sie an und knallte ihr mit voller Wucht eine. „Was zum Teufel fällt dir ein dich an meinem Pferd zu vergreifen??“ Ich kam ihr immer näher und näher. „Du wirst es bereuen! Du wirst dir wünschen mich nie kennengelernt zu haben! Rache ist süss. Warte es nur ab!“, schrie ich total unbeherrscht. Von meinem Geschrei wurde Thomas angelockt. „Was ist hier los?“, fragte er. Sandra begann zu weinen und sagte schluchzend: „Rachel hat mich geschlagen – grundlos.“ Ich platze schier vor Wut. „Lüg nicht rum, dummes Kind! Du hast mich heute beim Turnier sabotiert und jetzt vergiftest du auch noch mein Pferd! Weißt du eigentlich, wie teuer dieser Gaul war? Er war ein Geschenk meiner Eltern! Und ich weiss jetzt auch schon, was ich mit dir machen werde.“ Ich packte sie am Kragen. „Was hast du ihm zu fressen gegeben??“, brüllte ich sie an. „Rach, hör auf verdammt! Crüx liegt vielleicht irgendwo schwerverletzt da draußen und du machst sie hier fertig!“, rief Ricki beschwichtigend. „Die blöde Schlampe will mein Pferd vergiften, Ricki! Evil ist mein ein und alles, was mir niemand nehmen kann!“ Ich schlug Sandra erneut ins Gesicht und brach zusammen. „Rachel!“ Ricki nahm mich in ihre Arme. „Ruft verdammt noch mal den Tierarzt und gebt ihr ein anderes Pferd. Wenn Crüx das nicht überlebt, werde ich mir das nie verzeihen können und du bist dann an allem Schuld, Sandra! Du hast dann einen Menschen auf deinem Gewissen!“, schrie sie Sandra an. „Was ist aus dem netten Mädel geworden, das ich mal kannte? Rach, komm zu dir! Crüx braucht dich jetzt! Komm zu dir.“ Sie rüttelte an mir. Dani brachte ein Pferd für Ricki und für mich. „Ich hab den Tierarzt gerufen, er ist gleich da. Rach, steh auf. Bitte.“ Er drückte Ricki die Zügel in die Hand und beugte sich über mich. „Rachel, komm schon, es geht um Leben und Tod! Du kannst später noch einen Nervenzusammenbruch kriegen und Sandra fertigmachen, aber geh und suche nach ihm! Bitte!“ Er sah mich an. Ich wusste, dass er mit Crüx nicht wirklich konnte. Er sah ihn als Rivalen, aber ich wusste, dass ihm viel an meinem Glück lag. Ich stemmte mich vorsichtig hoch. „Ich denke, Running Joke tut´s für dich auch. Jokey ist schnell und trittsicher und ein liebes Gemüt, wenn man weiss, wie man ihn behandeln muss.“, sagte Dani zu mir. „Und du kennst Darling sicherlich noch, Ricki, oder?“ Sie nickte. Wir gurteten nach und stiegen auf. Und natürlich taten wir etwas, was nicht erlaubt war: Wir galoppierten vom Hof. „Rach, reite voraus! Du weißt, wie er hier immer fährt!“ Ich nickte und gab Jokey die Sporen. Ich ritt genau den Weg vom Hof bis zur Straße ab, den Crüx immer fuhr. Zum Glück denke ich ja immer an alles und nahm meine Taschenlampe von meinem Gürtel. „Jokey, ruhig.“, sagte ich leise. Er fiel sofort in Schritt. „Wir reiten noch mal zurück und ich leuchte den Weg ab.“, sagte ich. Mir stiegen Tränen in die Augen. Nein, das kann nicht sein, dachte ich und riss mich zusammen. Ich hielt Jokey an und probierte Crüx anzurufen. Es ging noch immer nicht. „Ricki, was sollen wir nur tun? Irgendwas stimmt da nicht!“!, rief ich ihr zu.
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Alt 21.08.2003, 13:04   #13 (permalink)
och menne...das is ja fies...mensch rachel...musst mich so of die folter spannen???
un jetze darf ich bis moin warten...oder vielleicht heut abend???*g*büddö büddö büddö...dann wenigstens heut abend büüüüüüüüüüdddddddddöööööööööö!!!!!!!!!!!!!*g*
LadyPhantasy ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.08.2003, 13:15   #14 (permalink)
Rachel
das sehen wir dann kleine. sprech mich da mal mit deiner mom ab. wir werden sehen ob taenzerin ihre zustimmung gibt. wenn nicht musst du wohl oder übel bis morgen vormittag warten oder heute nacht oder in einer woche? wir werden sehen. *lach* nein nein, spätestens morgen mittag wieder. sonst geht ja wirklich die spannung verloren, vor allem jetzt.
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Alt 21.08.2003, 13:47   #15 (permalink)
oki mach das rachel.
aber aller spätestens moin.*gg*
LadyPhantasy ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.08.2003, 00:13   #16 (permalink)
Rachel
„Ich hab ne Idee, reit mir hinterher!“, rief sie und galoppierte wieder Richtung Hof. „Halt sie mal, ich hole Shiva.“ Ich nahm die Zügel, sah sie jedoch verständnislos an. Wer war denn jetzt wieder Shiva?, fragte ich mich. Ricki kam mit einem Golden Retriever wieder. „Das ist meine Shiva. Sie kann uns vielleicht helfen.“, sagte Ricki. Wir ritten wieder los.

Es kam mir vor, als ob wir Stunden brauchten um ihn zu finden. Ich versuchte ständig ihn anzurufen. Keine Reaktion. Aber sein Motorrad fanden wir auch nirgends. Und so eine Maschine ist unübersehbar. Ricki rief Pat an, er solle mal rumfragen, ob man was von Crüx gehört oder gesehen hatte in den letzten paar Stunden.

Soll ich ehrlich sein? Ich machte mir mehr Sorgen um Evil. Er war ein sensibler Gaul, auch wenn man das nicht gleich merkte. Gut, Crüx war auch sehr sensibel, aber Evil und ich gehörten seit seiner Geburt zusammen. Ich hatte ihn aufgezogen und eingeritten. Er war mir wichtiger als alles andere auf der Welt. Das soll allerdings nicht heissen, dass Crüx mir jemals unwichtig war oder unwichtig sein wird!

Pat rief Ricki nach zwanzig Minuten wieder an. Niemand hatte was von Crüx gesehen noch gehört in den letzten paar Stunden. Irgendwo gab ich dann wieder mir die Schuld. Wäre das Turnier nicht heute gewesen, dann hätte er nicht nachkommen können. Dann wäre das alles nicht passiert! Ich konnte einfach nicht mehr. Ich spürte eine lodernde Flamme in mir. Sie befahl mir regelrecht zu schlitzen, doch wenn ich jetzt nachgeben würde, dann hätte ich alle enttäuscht – auch mich selbst. Ich riss mich zusammen und ritt weiter. Dani rief mich nach einer weiteren Stunde an. „Sandra war`s wirklich, wie du gesagt hast! Tommi hat`s aus ihr rausgequetscht. Sie hat ihm schimmeliges Brot zu fressen gegeben. Nicht gerade wenig. Aber er packt das schon wieder.“, erzählte er. Ich war zu tiefst erleichtert. „Richt ihr von mir aus, wenn alles gutgegangen ist und ich zurück bin, dann kann sie sich darauf einstellen, dass sie nen Kopf kürzer gemacht wird. Ich schlitz sie auf, ich trink ihr Blut! Sag ihr das, damit sie ein wenig Angst bekommt.“, sagte ich wütend. „Und?“, fragte Ricki. „Es geht ihm anscheinend besser. Die dumme Kuh hat ihm viel verschimmeltes Brot zu fressen gegeben. Das kriegt sie wieder! Ich lass mir nie wieder etwas gefallen, das habe ich vor zwei Jahren geschworen!“, sagte ich entschlossen.

Shiva führte uns in der Gegend rum. Sie schien eine Spur zu haben, doch wir kamen nirgends an. „Ricki, wir trennen uns, dann sind wir schneller.“, rief ich und galoppierte los. Ich wollte ihn auf eigene Faust suchen, denn ich hatte eine Idee. Ich klapperte alle Wege ab. Ich rief nach ihm. Ritt durch die Wälder, kletterte auf Bäume. Vergebens. Ich ritt die Strassenränder ab. Vielleicht hatte ich hier Glück und fand ihn. Dem war aber nicht so. Ich machte mir große Sorgen.

Dann kam der erlösende Anruf von Pat. „Ich hab mich auch auf die Suche mit ein paar Freunden gemacht, bis es denen zu spät und zu sinnlos wurde. Ich hab alleine weitergesucht – und ihn gefunden. Sag Ricki bescheid. Ich dachte, es ist besser zu erst dir bescheid zu sagen. Ich weiss wie es ist als Schwester bzw. in meinem Fall als Bruder zu lieben und ich weiss wie es ist als Partner zu lieben.“, sagte er. „Du bist einsame Spitzenklasse!“, rief ich. „Wie geht es ihm? Ist ihm was passiert? Wo seid ihr?“ Pat antwortete: „Das beurteile lieber selber. Ich hab ihn ins Spital gebracht, zur Untersuchung. Ricki weiss, wo das ist. Beeilt euch. Er benimmt sich so merkwürdig. Er ruft ständig deinen Namen und bekommt Schreikrämpfe und so Zeugs. Richtig unheimlich!“ Das machte mir wiederum Angst. „Gut, wir beeilen uns. Muss nur noch was Dringendes erledigen. Rache ist süss, sag ich nur.“ Danach rief ich Ricki an. „Kommando zurück. Dein Kerl hat gerade angerufen. Wir müssen ins Spital. Ich erklär dir auf dem Weg dorthin alles. Zurück zum Hof!“ Wir gaben die Galopphilfen und preschten zurück Richtung Hof.

Dort angekommen, drückte ich Tommi die Zügel in die Hand. „Wo ist sie?“, fragte ich gefährlich ruhig. „Tu ihr bitte nichts, Rach. Es tut mir so furchtbar leid, was sie getan hat.“, bat Tommi. „Rache ist bekanntlich süss und ich steh drauf. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Darauf bestehe ich!“, sagte ich im selben Ton. Da sah ich sie vorbeirennen. Ich sprang ihr in den Weg und stieß sie zu Boden. Ich stand über ihr. „Was wirst du jetzt mit mir tun? Dani hat doch nur übertrieben, oder??“, fragte sie angsterfüllt. Ich schüttelte den Kopf und ließ mein Messer springen. Ihre Augen weiteten sich vor Schreck. Ich packte sie erneut und zog sie hoch. Ich holte mit dem Messer aus, sie schloss die Augen und schrie. Ich ließ es fallen und knallte ihr nur noch mal eine. Darauf hin stieß ich sie weg, hob mein Messer und sah noch mal nach meinem Pferd. „Die Tierarztrechnung geht auf dich, Sandra!“, rief ich. „Sei froh, dass ich dich nicht anzeige. Und nächstes Mal wirst du geopfert!“ Ricki kam auch endlich. „Also, wie, was, wann, wo? Und warum ruft Pat dich zuerst an?“, fragte sie. Ich erklärte ihr alles. „Gut. Ich weiss, wo das Spital ist. Fahr mir einfach hinterher. Das kriegen wir schon wieder hin. Simon kommt wieder in Ordnung. Ich hab das im Gefühl, ich kenn meinen Bruder.“ Sie lächelte mich aufmunternd an und stieg in ihr Auto.

Ich fuhr ihr hinterher. Ich war müde und ausgelaugt. Doch ich konnte jetzt eh nicht schlafen. Ich zündete mir eine Zigarette an, um wach zu bleiben. Es schien mir ewig, bis wir dort ankamen. Wieso dauerte es so lange? Und was war mit Crüx? Ich war so froh als wir endlich angekommen waren.

Ricki wollte nach seinem Zimmer suchen. „Wieso so kompliziert? Rufen wir doch kurz Pat an. Der kann uns dann zu ihm lotsen.“, schlug ich vor. Ricki klärte alles mit Pat ab und wir folgten seinen Anweisungen.

Wir fanden Crüxs Zimmer schnell und traten ein. Er lag still da, ich hatte etwas Schlimmeres erwartet, laut Pat`s Aussagen. Pat kam auf uns zu. „Ricki, komm wir lassen sie alleine. Ich erklär dir draußen alles.“, sagte er leise zu ihr und nahm sie mit nach draußen. Ich ging langsam auf ihn zu. Setzte mich zu ihm. Mein Herz schlug immer lauter und lauter und drohte zu zerspringen. Ich legte meine Hand auf seine. Er war so, ich weiss nicht. So ruhig, so leblos. Mir lief es kalt über den Rücken. Mir stiegen die Tränen in die Augen. „Crüx. Lass mich nicht allein!“, hauchte ich. Ich sackte vor Erschöpfung über ihm zusammen. Ich konnte nicht mehr.

Ich schlief. Alles war so friedlich. Irgendwann merkte ich, wie jemand versuchte mich zu wecken. Ich schlug langsam die Augen auf und sah in Rickis Gesicht. „Na, hast du mit ihm geredet?“, fragte sie. Wie jetzt? Was war denn? Dann fiel es mir schlagartig wieder ein. Ich hatte gehofft, dass ich alles nur geträumt hatte. Leider war dem nicht so. „Nein. Ich war so fertig. Ich bin umgekippt, könnte man sagen.“, sagte ich leise. „Ricki, was ist mit ihm?“ Ich sah sie an. „Ich weiss es nicht. Ich kann das alles nicht so recht wahrhaben und verstehen.“, sagte sie. „Ricki! Jetzt sag endlich, was mit ihm ist!“, bat ich sie eindringlich. Sie schüttelte ungläubig den Kopf. Ich ging zu Pat. Vielleicht würde er es mir sagen?

Pat nahm mich in den Arm und ging ein Stück mit mir. – Ja, wir waren immer noch im Krankenhaus. – „Lass uns einen Kaffee trinken. Dabei erklär ich dir dann alles.“, sagte er. Ich nickte nur.

Wir gingen also in die Cafeteria und machten eine Kaffeepause. Pat begann langsam zu erzählen. „Weißt du, als ihr suchen wart, bin ich mit ein paar Freunden suchen gegangen. Bis diese lieber noch weggehen wollten. Sollte er das erfahren, ist der Teufel los! Ich habe nachgedacht. Ich hab ihn ja gut kennengelernt und bin ein guter Beobachter. Das hat mir viel über Simon verraten. Ich wusste, dass er gerne noch ne Weile sinnlos durch die Gegend fährt. Aber wo, wusste ich nicht. Niemand wusste das.“ Er hielt inne und zündete sich eine Zigarette an. – Wenn man den Verlauf meiner Geschichte mal genau verfolgt, dann kommt einem doch echt der Verdacht, dass wir alle nur elendige Kampfraucher und anonyme Alkoholiker sind. Wartet`s ab, das werdet ihr schon noch merken! Das konnte ich mir jetzt leider nicht verkneifen, `tschuldigung! – Für mich war das die Aufforderung mit zu machen. Also steckte ich mir auch noch mal eine an. Das beruhigte meine armen strapazierten Nerven ein wenig. Pat begann weiter zu erzählen. „Ich weiss nicht warum, aber irgendwas zog mich Richtung Schloß. Ich ging langsam in diese Richtung. Schon von weitem sah ich jemanden auf dem Boden liegen. Und